Aids-Gala mit Loriot und Hape Kerkeling

Berlin - Franz Lehars Operettenschlager "Freunde, das Leben ist lebenswert!" als Finale könnte auch das Motto der festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung am Samstag in der Deutschen Oper in Berlin sein.

Der große alte Mann des hintersinnigen Humors, der an diesem Montag seinen 84. Geburtstag feiert, saß diesmal in der Balkonloge, wo er die Ovationen der 1800 Besucher entgegennahm, die sich ihm zu Ehren von ihren Plätzen erhoben hatten. Jahrelang hatte er mit seinen "launigen Bemerkungen" über die Welt der Oper und ihre Tücken diesen Abend geprägt. Jetzt muss Max Raabe in diese "großen Schuhe hineinwachsen", nicht ohne "väterliche Beratung" des großen Vorbildes. Loriot nahm auch an den Proben für diesen Abend teil.

Die Gästeliste für diesen 14. Galaabend unter der Schirmherrschaft des luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker mit Eintrittspreisen bis zu 1000 Euro war wieder beachtlich. Die Begum Inaara Aga Khan, die sich seit Jahren bei der Aids-Gala engagiert, nahm von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche einen Scheck in Höhe von 100 000 Euro für die Aids-Stiftung entgegen (insgesamt erwarteten die Veranstalter rund 300 000 Euro Einnahmen und Spenden an diesem Abend).

Neben Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) und Bundesministern wie Wolfgang Schäuble (CDU) und Wolfgang Tiefensee (SPD) war auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wieder dabei, ebenso der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und sein politischer Kontrahent in der Hauptstadt, Friedbert Pflüger (CDU) oder FDP-Bundeschef Guido Westerwelle. Auch Sandra Maischberger fehlte ebenso wenig wie "Old-Playboy" Rolf Eden in "Blondinen- Begleitung" so wie einige der auch prominenten Männer mit ihrem männlichen Lebensgefährten kamen.

Mit großer Aufmerksamkeit wurde die Opernregisseurin Katharina Wagner bedacht, die erstmals an der Aids-Gala teilnahm. Sie hat sich als designierte Nachfolgerin ihres Vaters Wolfgang Wagner auf dem Festspielhügel in Bayreuth ins Gespräch gebracht, wohnte bisher in der direkten Nachbarschaft der Deutschen Oper in der Richard-Wagner-Straße und ist jetzt in Berlin nach Wilmersdorf in ein eigenes Heim umgezogen. "Ich bin Berlinerin und Bayreutherin." Zur Nachfolgediskussion bei den Bayreuther Festspielen meinte sie nur, im Stiftungsrat werde bisher nicht inhaltlich diskutiert, ihr Vater sei dazu bereit. Derweil bereitet sie ihre nächste Regiearbeit an der Deutschen Oper Berlin vor.

Dort gab es an diesem Samstagabend auf der Bühne, bevor es in die lange Nacht der "After-Show-Party" bis in die frühen Morgenstunden ging, ein ebenso anspruchsvolles wie auch unterhaltsames Musikprogramm unter der musikalischen Leitung von Lawrence Foster mit Chor und Orchester der Deutschen Oper. Umjubelte Gesangssolisten waren unter anderem Agnes Baltsa, Matti Salminen, Franz Grundheber und Pavol Breslik mit "Hits" aus der Opern- und Operettengeschichte von Puccini über Wagner bis Donizetti und Lehar, begleitet von launigen "einführenden Texten" Max Raabes ("Hagen, ein charakterloser Grobian ohne Kinderstube, erfährt Einzelheiten über Siegfrieds empfindlichste Stelle, die sich ausnahmsweise hinten befindet"). Bei Mimis Arie aus "Bohème" hieß es: "Es gibt wohl keine Oper, in der ergreifender geliebt, gefroren und gehustet wird." Zum Schluss lagen sich die Sänger und das begeisterte Publikum stimmungsmäßig in den Armen, gemeinsam schmetterten sie "Dein ist mein ganzes Herz".

Wowereit, der mit seinem Lebenspartner erschienen war, erinnerte an die nach wie vor große Ansteckungsrate bei Aids. "Man kann sich schützen, und man muss sich schützen." Ein großes Dankeschön gelte den vielen ehrenamtlichen und nachbarschaftlichen Helfern. "Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement und die menschliche Zuneigung, die unbezahlbar ist, wäre unsere Gesellschaft kälter." In den bisherigen 13 Jahren der Operngala, einer der großen gesellschaftlichen Höhepunkte des Jahres, kamen fast 4,4 Millionen Euro zusammen. In diesem Jahr sollen vor allem Hilfsprojekte in Berlin sowie das Hilfsprojekt Hope Cape Town in Südafrika unterstützt werden. In Berlin leben der Aids-Stiftung zufolge rund 20 Prozent aller HIV-Infizierten in Deutschland. (dpa)

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