"In meiner Seele" und "Nur ein Lied" live

Interview und 2 Videos: Alex Diehl singt auf dem Dach unseres Verlagshauses

München - Alex Diehl wurde nach den Terror-Anschlägen von Paris mit "Nur ein Lied" schlagartig berühmt. Im Interview verrät er, wie sich das anfühlt - und was der traurigste Moment in seinem Leben war.

Mit 17 brach Alex Diehl das Abitur ab, um als Musiker zu arbeiten, doch der große Durchbruch gelang dem heute 28-Jährigen erst vor kurzem. Nach den Terror-Anschlägen von Paris veröffentlichte er auf Facebook mit „Nur ein Lied“, einen Song für den Frieden. Das Video wurde millionenfach angeklickt, aus Diehl wurde innerhalb kürzester Zeit eine Berühmtheit. Ende Februar trat er beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest auf und wurde Zweiter. Am Freitag erscheint sein zweites Album „Bretter meiner Welt“. Ein Gespräch über plötzlichen Erfolg, dankbare zweite Plätze und musikalische Inspiration.

Sie machen seit über zehn Jahren Musik, der große Erfolg kam aber quasi über Nacht. Wie lange braucht man, um so etwas zu begreifen?

Diehl: Ein paar Tage habe ich schon gebraucht. In den ersten Tagen nachdem „Nur ein Lied“ so erfolgreich wurde, bin ich eine Zeit lang quasi nur zwischen Kameras, Mikrofonen und dem Telefon hin- und hergewandert und habe Interviews gegeben – bis zu achtzehn Stück am Tag. Es kam ein Sender, eine Zeitung, ein Magazin nach dem anderen. So eine Aufmerksamkeit kannte ich natürlich nicht.

Finanziell hat Ihnen die Aufmerksamkeit aber nichts gebracht. Alle Einnahmen aus „Nur ein Lied“ haben Sie gespendet. Warum?

Diehl: Man sitzt so oft auf der Couch und kann sich Dinge, die passieren, nur im Fernsehen anschauen. Aber der Erfolg war meine Chance, auch als Einzelperson was zu bewegen. Nicht nur finanziell, denn was aus dem Lied geworden ist, ist sensationell. Erst gestern hat mich ein Deutschlehrer aus Australien kontaktiert, der seine Klasse das Lied singen lässt und ihnen damit erklärt, was gerade in Deutschland politisch los ist.

Und plötzlich durften Sie mit ihrem Lied beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest antreten. Wie haben sie die Veranstaltung erlebt?

Diehl: Kurz vor den Proben hätte ich noch viel Geld darauf gewettet, dass ich Letzter werde. Ich dachte, ich passe da nicht so ganz hin. Ich hab mich immer wieder gefragt, was ich da eigentlich mache und warum ich mir das antue. Vor dem Auftritt hatte ich so große Angst, dass ich kurz vergessen hatte, wie die erste Zeile des Songs geht. Als dann die Punkte kamen, hatte ich ziemliche Panik, dass ich noch mal auftreten muss (lacht) aber es war auch ein unfassbares Gefühl.

Traurig, dass Sie nicht nach Stockholm fahren, sind Sie nicht?

Diehl: Nein überhaupt nicht. Der zweite Platz beim Vorentscheid war ohnehin schon viel mehr als ich mir je erwartet hätte. Außerdem habe ich großen Respekt vor dem Eurovision Song Contest. Hätte ich gewonnen, wäre ich für immer Eurovision Alex gewesen, hätte ich schlecht abgeschnitten, wäre ich womöglich für immer weg gewesen. Beides wollte ich nicht.

Diehl: Ich stand schon mit nur noch 2 Euro bei Aldi

So leicht wie jetzt war das Musikerleben für Sie aber sicher nicht immer?

Diehl: Nein. Einer der traurigsten Momente in meinem Leben war, als ich mit zwei Euro bei Aldi stand und wusste, damit muss ich mich drei Tage ernähren. Das war auch das Jahr, in dem ich jeden Tag, bevor die Miete fällig war, bei meiner Vermieterin klingeln und um Aufschub bitten musste. Als ich anfing Gitarrenunterricht zu geben, bin ich zu meinem ersten Schüler zu Fuß gegangen, weil ich erst mit dem Geld für die Stunde mein Auto betanken konnte. Es war krass, aber es war auch eine gute Schule. Das was ich jetzt habe, dafür bin ich unfassbar dankbar.

Warum gibt man in solchen Situationen nicht auf?

Diehl: Weil ich nichts anderes kann. Als ich mit 17 Jahren das Abi geschmissen habe, war mein Vater entsetzt und auch Freunde haben immer wieder an mich hingeredet. Aber all die Jahre habe ich geliebt was ich tue. Ich vergleiche das immer mit Roulettespielen. Man weiß nicht, ob es funktioniert oder nicht. Aber ich hab immer gesagt, ich bleib so lange am Tisch sitzen, bis ich umfalle (lacht).

Was inspiriert Sie, außer aktuellem Weltgeschehen, noch zu ihren Liedern?

So wurde er bekannt. 

Diehl: Alles. Alle Lieder auf dem Album basieren auf echten Geschichten. „Bitte werde nie ein Song“ zum Beispiel ist für meine Lebensgefährtin. Wir kannten uns zwei Wochen, da ist sie für mich aus dem Norden nach Bayern gezogen. Hier hatte sie keine Freunde, keine Familie, keinen Job. Dementsprechend lief es nicht gut. Sie hatte früher mal festgestellt, dass ich über alles Lieder schreibe, nur nicht über sie und ich hatte ihr erklärt, dass ich nur über Frauen schreibe, die schon weg sind (lacht). Irgendwann war ich mehrere Wochen auf Tour und war mir wegen unserer Probleme nicht sicher, ob sie noch da ist, wenn ich nachhause komme. Aus einem Hotel habe ich ihr dann eine SMS geschrieben in der nur stand: „Bitte werde nie ein Song“. Am gleichen Tag ist das Lied entstanden. Ein anderes Lied „Sylvester“ handelt von meinem ehemaligen Pianisten und gutem Freund, der sich leider vor fünf Jahren das Leben genommen hat. Wir sind früher jedes Sylvester zusammen aufgetreten und jedes Jahr wenn wir angestoßen haben, haben wir uns vorgenommen nächstes Jahr endlich reich und berühmt zu werden. Irgendwann hat er wohl nicht mehr daran geglaubt.

Hat man in Ihrer Situation nicht auch Angst, dass das Album mit dem Hit nicht mithalten kann?

Alex Diehl konnte am Anfang gar nicht fassen, dass er nun plötzlich auf einer großen Bühne spielt. 

Diehl: Das Album wird sich sicher nicht so verkaufen wie „Nur ein Lied“, dafür war Song zu erfolgreich, aber durch „Nur ein Lied“ habe ich viele Leute erreicht, die auch dabei geblieben sind. Das zeigen die Vorbestellungen für das Album. Als ich vor zwei Jahren in München gespielt habe, waren 30 Leute da, Jetzt sind fast alle Konzerte der Tour ausverkauft. „Bretter meiner Welt“ ist kein Album, das man im Radio rauf und runter spielen wird. Ich glaube aber trotzdem, dass es ein Album ist, das Leute brauchen können, weil ich etwas zu erzählen habe und Musik mehr sein kann als nur Unterhaltung.

Das Interview führte Annika Schall.

Information

Auf Tour: Alex Diehl und seine Band spielen am Freitag, 15.04, um 20 Uhr im Freiheiz, Rainer-Werner-Fassbinder Platz 1. Karten für 20,30 Euro gibt es bei MünchenTicket, an allen bekannten Vorverkaufsstellen, und an der Abendkasse.

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