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Sängerin Alicia Keys hat zwölf Grammys zu Hause stehen. Das ist einer weniger, als Michael Jackson erhalten hat.

Alicia Keys: "Ich lebe mit mir im Frieden"

London - Alicia Keys hat alles in der Musikbranche erreicht. Ihr neues Album “The Elements Of Freedom“ sorgt für eine kleine Sensation. Die Fans dürfen es sich kostenlos herunterladen.

Sie hat bislang zwölf der begehrten Grammy- Musikpreise bekommen und damit nur einen weniger als Michael Jackson. US-Sängerin Alicia Keys spielt in der Liga populärer Musiker ganz vorne mit, ohne große Star-Allüren. Zum Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in einem London Szeneclub kommt die 28-Jährige mit breiter Sonnenbrille. Sie will die möglicherweise sichtbaren Folgen des Jetlags in ihrem Gesicht verstecken. Es riecht nach Räucherstäbchen, Kerzen brennen. Keys hat es gerne gemütlich.

Sie sehen so frisch aus. Macht die Zeitverschiebung gar nicht müde?

Keys: “Danke. Oh doch, ich kann überhaupt nicht schlafen. Bis fünf Uhr liege ich mit offenen Augen im Bett. So wie Kreative, ha! Ich glaube, es ist einfach Jetlag.“

Die neue Platte ist so anders als die drei Vorgänger-Alben. Was ist in Ihrem Leben passiert?

Keys: “Grundsätzlich geht es schon darum, wer ich bin. Meine Gefühle haben sich nicht geändert. Es ist anders, weil ich anders bin, weil ich erwachsener geworden bin, weil ich mir neue Klangwelten angehört habe, weil ich mit neuen Keyboards und so etwas herumexperimentiert und eine neue Klangwelt geschaffen habe. Es ist anders, weil die Melodie praller, stärker und besser ist.“

Wie haben Sie dieses Wechselspiel zwischen einfachen und komplexen Klängen geschafft?

Keys: “Ein Lied wie “Doesn't Mean Anything“ hat ein sehr reines und minimalistisches Gefühl. Das liebe ich, weil es den Liedern und der Stimme die nötige Kraft gibt und auch der Melodie die angemessene Aufmerksamkeit schenkt. Andererseits ist in Liedern wie “Wait Til You See My Smile“ zum Beispiel das Klavier die Grundlinie, begleitet von Bewegungen und vielen anderen Musikfarben. Ich mag nie, ein Album überzuproduzieren, zu sehr einzugrenzen. Das letzte, was man einbaut, aber an der richtigen Stelle, fühlt sich immer offener an.“

Die Texte Ihrer neuen Lieder klingen aber eingeschlossener. Warum? Keys: “Ich lebe mit mir mehr in Frieden, bin stärker mit mir im Reinen. Lieder und Musik bilden immer einen Moment ab. Denken Sie nur an die vielen schönen und hässlichen Momente, die Sie an einem Tag haben. Gestern habe ich mich zum Beispiel erst ganz blendend gefühlt und später so niedergeschlagen, dass ich mir sagte, “Was ist das Problem? Los! Gib Gas“.“ Manche Lieder sind depressiv.

Welche düsteren Momente gab es?

Keys: “Ich habe mich in letzter Zeit viel selbst beobachtet. Diese starken Gefühle brechen natürlich beim Liederschreiben aus. Manchmal verstehen die Leute aber nicht, wie ich es meine. In “How It Feels To Fly“ heißt es “Wenn ich den Himmel berühren kann, riskiere ich zu fallen, nur um zu wissen, wie sich das Fallen anfühlt“. Das habe ich jemandem vorgespielt und der sagte, es ziehe einen herunter. Für mich ist wo etwas ein Segen, weil es eine Chance ist, etwas zu tun, was man nie zuvor gemacht hat. Oder “Doesn't Mean Anything“: Leute fragen mich, ob es um Herz-Schmerz oder Trennung geht. Eigentlich geht es einfach nur um die Wertschätzung seiner Freunde, weil sie für einen da sind. Wenn sie weg sind, hat es nichts zu bedeuten. Für mich ist das ein toller Moment, mich zu erinnern.“

Vor drei Jahren ist Ihre Großmutter gestorben. Wie stark schwingen die Erinnerungen an sie mit, wenn Sie das Lied singen?

Keys: “Es ist nie einfach, wenn man jemanden verliert, den man aus tiefstem Herzen liebt, der Teil von einem ist. Der Verlust hat aber auch einen Entwicklungsprozess in mir ausgelöst. Veränderungen im Leben sind nicht immer bequem. Aber es ist so wie die Verwandlung in einen Schmetterling. Man muss aus dem Kokon ausbrechen. Ich habe mich jetzt bestimmt halb aus dem Kokon geschält.“

Welche Elemente der Freiheit haben Sie dabei gefunden?

Keys: “Ich habe einfach die Fähigkeit entdeckt, vielen Dingen gegenüber aufgeschlossener zu sein, in gewisser Weise weniger ernst zu sein. Das ist vielleicht nicht das beste Wort. Ich meine sorgenfreier. Und das kommt in der Musik durch. Sie fühlt sich experimenteller an, ein wenig selbstbewusster. Sie vermittelt dieses Gefühl für den Reiz des Momentes und der Spontaneität. Alle diese Elemente geben Freiheit.“

Die vielen Auszeichnungen sind doch bestimmt auch Belastungen in Ihrer Freiheit. Welche Erwartungen stellen Sie sich selbst?

Keys: “Erstmal fühle ich mich sehr souverän dafür, ein großartiges Album produziert zu haben. Die Leute werden bestimmt (...) spüren, wie viel Zeit, Energie und von mir da drinsteckt. Ich mag es nicht, ohne Grund ein Album zu produzieren. Ich will, dass meine Musik zeitlos ist, ohne dass sie mit der Zeit geht. Die Leute denken immer, in welchen Stil sie meine Lieder einordnen können. Diese Frage höre ich, seitdem ich damit angefangen habe, Musik zu machen. Ich passe in gar kein Format hinein, was ich liebe und was großartig ist. Ich gehöre keinem Musikstil.“ ...einem Stil nicht, aber einer Clique.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Whitney Houston?

Keys: “Ich habe während des Schreibens und der Aufnahmen gesagt, dass ich zum Team Whitney gehöre. Sie verdient es, in dem besten Licht zu erscheinen. Sie ist eine Legende unserer Zeit und hat auf jeden Fall die hübscheste Stimme unserer Zeit. Es war so aufregend, Teil dieser Platte zu sein. Das war eigentlich alles gar nicht beabsichtigt. Dieses Lied (“Million Dollar Bill“) kam einfach irgendwie zusammen und ich dachte, das könnte was für Whitney sein.“

Wie waren die Aufnahmen des Liedes “Put It In A Love Song“ mit der R&B-Diva Beyoncé?

Keys: “Sie ist so eine nette Dame. Wir sind sehr gute Freunde. Wir hatten den Song im selben Studio aufgenommen und dabei so viel Spaß und Energie. Aber diese Einordnung! Pop, Rock, R&B - ich hasse das, was soll das? Musik ist so grenzenlos. Der Künstler ist der Musikstil. Das sieht man doch an Aretha Franklin oder Nina Simone. Die beiden Frauen halfen mir so dermaßen, meinen Stil zu finden.“

Warum haben Sie sich an eine eigene Version von Jay-Zs Hit “Empire State Of Mind“ gewagt?

Keys: “Das Lied ist offensichtlich so ein Monster. Ich liebte es so sehr, ich wollte eine eigene Interpretation haben, aber eine mit meinem Stil... (ihr Handy klingelt, Beethoven's Neunte) ...und ich wollte einfach mein Klavier arrangieren. (ihr Handy klingelt wieder) Schnauze! Ich wollte es einfach versuchen und liebe das Ergebnis.“

Dank Ihrer Mutter lernten sie den Stil von Beethoven und Mozart. Wie wichtig sind diese beiden Klassiker für Ihre Musik?

Keys: “Klassikmusik ist offensichtlich so wichtig für meinen Stil. Das ganze Klavierspiel baut auf Klassik auf. Der Einfluss liegt in so viel Schönheit klassischer Stücke. Deshalb sehe ich Musik als Musik - und nicht als Definition.“

Sebastian Döring, dpa

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