Das alte Lied vom Notenklau

- München - "Altbacken", lästert der eine - "der hat keine Ahnung und kopiert eine Nummer nach der anderen", der andere. Dieter Bohlen und Ralph Siegel fetzen sich nach dem Fernseh-Wochenende, an dem der heiße Konkurrenzkampf zwischen zwei großen Musik-Shows ausgetragen wurde. Was die Einschaltquoten betrifft, hat "Deutschland sucht den Superstar" den deutschen Vorentscheid zum Grand Prix Eurovision klar geschlagen.

<P>Und Bohlen meint auch zu wissen, warum: "Es ist doch bezeichnend, wenn jemand, der seit 15 Jahren keinen Treffer hatte und nicht einmal in den Singlecharts war, mit einer Nummer gewinnt, die wie von 1952 klingt."</P><P>"Wenn ich Erfolge feiere,<BR>die Bohlen nicht geschafft<BR>hat, ballert er auf mich."<BR>Ralph Siegel</P><P>Das Lied "Let's Get Happy" aus Ralph Siegels Feder hatte sich bei dem Vorentscheid in Kiel durchgesetzt. "Diese Anfeindungen sind ja nichts Neues", reagiert Siegel auf Bohlens Beleidigung. "Wenn ich Erfolge feiere, die Bohlen noch nicht geschafft hat, ballert er immmer auf mich." Dies sei ihm mittlerweile egal, versichert der Münchner.</P><P>Doch damit nicht genug der Angriffe. Kurz nach dem Votum für "Let's Get Happy" mit der Sängerin Lou wurden Plagiatsvorwürfe gegen Siegel laut. Wolfgang-Petry-Komponist Jean-Pierre Valance sagte: "Herr Siegel hat sein Grand-Prix-Lied ganz eindeutig bei mir abgekupfert. Die ersten vier Takte des Refrains sind identisch mit dem meines Liedes ,Weiß der Geier oder weiß er nicht." Er forderte den Promi-Komponisten auf, ihn am 24. Mai mit nach Riga zu nehmen und als Co-Autor zu nennen.</P><P>Siegel gelassen: "Da kann es sich nur um einen verspäteten Faschingsscherz handeln." Auf Anhieb fallen ihm mehrere Titel Bohlens ein, die seiner Meinung nach geklaut sind: Der Song "Take me tonight", den die beiden "Superstar"-Kandidaten im Finale sangen, sei "ein Abklatsch" von Domenico Modugnos altem Schlager "Ciao, ciao, bambina", "We have a dream" sei von "Blue Tango" abgeschrieben und die Modern-Talking-Single "TV makes the Superstar" eindeutig von Britney Spears' Hit "Baby hit me one more time" kopiert. "Der bedient sich nur an den Melodien anderer oder an seinen eigenen alten Sachen", kontert Siegel.</P><P>Plagiatsvorwürfe sind in der Geschichte des Grand Prix kein Novum. Schon 1999 war die Siegerin des Schlager-Vorentscheids, Corinna May, disqualifiziert worden, weil die Melodie ihres Liedes "Hör den Kindern einfach zu" schon mal auf CD erschienen war. Auch Stefan Raab bekam wegen seines Beitrags "Wadde hadde dudde da" im Jahr 2000 Probleme, ebenso die Band Sürpriz mit "Reise nach Jerusalem", die für die disqualifizierte May nachrückte.</P><P>Ein altes Lied ist auch die Kritik, der Grand Prix sei altbacken und langweilig. Doch erstmals kann ein anderes, neues Format zum Vergleich herangezogen werden. Schalteten zur ARD-Grand-Prix-Show am Freitag 5,64 Millionen Zuschauer (drei Millionen weniger als im Vorjahr) ein, so waren es am Samstagabend bei "Deutschland sucht den Superstar" 12,84 Millionen Fans. Für "Superstar"-Pate Bohlen steht fest: "Der ganze Grand Prix bräuchte dringend mal ein Ganzkörperlifting." </P><P>Dass der Erfolgsproduzent Bohlen bei einer Neuausrichtung der traditionellen Musik-Show helfen würde, bestätigte der Unterhaltungschef des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Jürgen Meier-Beer, nicht: "Wir tauschen uns schon seit Jahren aus und haben auch in Kiel kurz vor der Show miteinander gesprochen. Wir waren aber beide der Meinung, dass der Grand Prix nicht überholt ist und dieser Wettbewerb und der ,Superstar zwei unterschiedliche Konzepte sind, die beide ihren eigenen Wert haben." Das neue Format - die Casting-Show, die europaweit Erfolge feiert - wird von Experten schon als Nachfolger des Grand Prix' gehandelt.</P><P>Endgültige Konsequenzen hält Meier-Beer noch für verfrüht: "Wir haben schließlich keinen Flop gelandet, sondern sind nur vom Quotenknüller auf ein geringeres Maß geschrumpft." Ralph Siegel führt den Einbruch auf die parallele Sendezeit von "Wer wird Millionär" zurück, denn der reine Show-Teil sei seiner Meinung weitaus besser gewesen als zum Beispiel bei "Superstar". "Dass alle Songs beim Grand-Prix-Vorentscheid gleich klingen, dafür kann ich nichts", sagt der Komponist. Die Plattenfirmen hätten ihre Favoriten geschickt, die müssten eigentlich wissen, was ankommt.</P><P>"Wenn die Wörter ,Krieg, ,Frieden und ,Freiheit vorkommen, ist der Song deshalb noch nicht anspruchsvoll", so Siegel. Er habe mit seinem Gute-Laune-Lied, das jeder gleich mitsingen könne, den Geschmack der Leute getroffen. "Mit meiner langjährigen Erfahrung wusste ich, was richtig sein wird", freut sich der Grandseigneur des Schlagers und hofft auf ein "bisschen Glück" in Riga.<BR><BR></P>

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