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Interview zum Kinostart von Dating Queen

Amy Schumer im Interview: "Ich habe noch nie einen BH getragen"

München - Amy Schumer spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über ihr loses Mundwerk, Lachen im Schlafzimmer, falsche Frauenbilder und ihren Film „Dating Queen“.

In den USA gilt sie längst als hellster Stern am Comedy-Himmel, bei uns ist Amy Schumer noch ein Geheimtipp. Doch das wird sich ab diesen Donnerstag ändern, denn da läuft „Dating Queen“ an, der Kinofilm, zu dem sie das Drehbuch geschrieben hat und in dem sie die Titelrolle verkörpert: ein prolliges Partygirl mit Bindungsängsten. Das Erfolgsgeheimnis der 34-jährigen Stand-up-Comedienne ist ihre umwerfende Offenheit (Tilda Swinton nannte Amy Schumer kürzlich „eine Ehrlichkeits-Bombe“) – und die zeigte sich auch in unserem Interview beim Filmfestival von Locarno.

Törnt es Sie an, die Menschen zum Lachen zu bringen?

Amy Schumer: Na klar! Für mich ist das eine der wenigen Möglichkeiten, zum Orgasmus zu kommen. Im Schlafzimmer mag ich es aber nicht, wenn zu viel gelacht wird. Da ist es mir lieber, wenn sich meine Partner aufs Wesentliche konzentrieren.

Sie führen ein ziemlich loses Mundwerk…

Amy Schumer: Das habe ich von meiner Mutter. Ihr kam das Wort „Vagina“ ebenso leicht über die Lippen wie das Wort „Ohrläppchen“. Aber ich bin gar nicht besonders versaut. Ich sage sogar auf der Bühne, dass ich auf langweiligen Blümchensex stehe, noch nie Analsex hatte et cetera. Sex ist ja oft wahnsinnig komisch und daher ein ergiebiges Thema für Comedy. Bloß weil ich es als Frau wage, dieses Thema anzusprechen, denken viele: „Diese Schlampe hat wohl gerade nur eine kurze Pimmel-Pause eingelegt, um im Fernsehen ein paar schweinische Sachen zu sagen.“

Stimmt das etwa nicht?

Amy Schumer: Nein! Ich war fast immer in monogamen Beziehungen. Nur zwischendurch, wenn ich Single war, hatte ich die eine oder andere Affäre. Aber ich bin zum Beispiel noch nie auf meinen Tourneen in irgendeiner Stadt mit einem Fremden in die Kiste gehüpft – ganz im Gegensatz zu meinem Kollegen, der seit sechs Jahren auf Tour für mich das Vorprogramm bestreitet: Er schläft sich wild durch alle Betten.

Und er gilt dabei vermutlich als coole Socke – während man Sie, wenn Sie dasselbe täten, an den Pranger stellen würde.

Amy Schumer: Genau! Gegen diese Doppelmoral kämpfe ich seit Jahren an. Derzeit ist übrigens mein einziger Liebhaber der Pitbull meiner Schwester. Mit ihm schmuse ich so gern, dass ich sogar erwäge, mit ihm zusammenzuziehen. Glauben Sie mir, das ist weniger schräg als so manche Beziehung mit einem Mann!

Was war Ihre seltsamste Dating-Erfahrung?

Amy Schumer: Ich hatte mal einen Typen, der geradezu besessen davon war, mich beim Porno-Schauen zu erwischen.

Wie fühlt es sich an, wenn man Sie eine feministische Ikone nennt?

Amy Schumer: Wer sich selbst ernsthaft als Ikone bezeichnet, ist nicht ganz dicht. Aber ich hoffe, jede Frau sieht sich als Feministin. Denn im Hinblick auf gleiche Rechte für alle Menschen gibt es noch verdammt viel zu tun. Feministinnen wurden ja oft als verknöcherte Biester dargestellt, die öffentlich Büstenhalter verbrennen. Ich hingegen habe einfach nie einen BH getragen.

Sie trauen sich erfreulicherweise auch, enge Klamotten anzuziehen, obwohl Sie nicht dem gängigen Schlankheitsideal entsprechen.

Amy Schumer: Ja, ich hoffe, dass ich dadurch vielen jungen Mädchen mehr Selbstvertrauen geben kann. In den Medien wird ja immer bloß ein bestimmtes Frauenbild als erstrebenswert dargestellt. Auch ich habe jahrelang darunter gelitten, angeblich nicht dünn und darum nicht attraktiv genug zu sein. Es ist mir wichtig, Frauen zu ermutigen, sich schön und stark und sexy und begehrenswert zu fühlen, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen.

Inwieweit ist „Dating Queen“ autobiografisch?

Amy Schumer: Vielleicht zu 68 Prozent. Ich trinke nicht so viel wie meine Filmfigur, und ich habe leider nicht annähernd so viel Sex. Aber etwa vor zehn Jahren war ich in einem ähnlich desaströsen Zustand: Ich war drauf und dran, mich mit Alkohol und ähnlichem Mist zu ruinieren und habe die Menschen um mich herum verletzt, weil ich mich selbst gehasst habe. Wie meine Filmfigur musste ich erst langsam lernen, dass ich es wert bin, geliebt zu werden.

Der Film stellt die übliche Rollenverteilung in Liebeskomödien auf den Kopf.

Amy Schumer: Ja, weil das meinen eigenen Erfahrungen entspricht: Frauen können ganz schön hart und grausam sein, und manche Männer sind ungeheuer sensibel. Unser Regisseur Judd Apatow zum Beispiel ist ein wahrer Schatz – süß, geduldig, einfühlsam. Und übrigens ziemlich asexuell. Wie ein Plüschteddy, der zufällig auch einen Penis hat. Das Drehen der Sexszenen war für ihn viel schlimmer als für mich!

Beruht die von Tilda Swinton gespielte, eiskalte Chefin eines Männermagazins auch auf eigenen Erfahrungen?

Amy Schumer: Ich habe in meiner langen Zeit als Kellnerin einige Restaurantbesitzer erlebt, die totale Arschlöcher waren. Aber hier wollte ich mich vor allem über absurde Tendenzen in der Zeitschriftenlandschaft lustig machen. Frauenillustrierte suggerieren dir ständig: „Du bist unattraktiv. Du stinkst. Du musst was dagegen tun, indem du die folgenden Produkte kaufst.“ Männermagazine hingegen schreiben allen Ernstes Sachen wie: „Zehn Gründe, warum du ein toller Hecht bist.“ Oder: „Mit dir ist alles in Ordnung – die Frau ist das Problem!“

Das Gespräch führte Marco Schmidt

Darum geht es in "Dating Queen"

Alkohol, Drogen, unverbindliche Affären: Amy (Amy Schumer), Reporterin eines Männermagazins, lebt auf der Überholspur. Da stolpert der schüchterne Sportarzt Aaron (Bill Hader) in ihr Leben – ein kluger, witziger, feinfühliger Mann. Als er sich ernsthaft in sie verliebt, verfällt sie in Panik. Die Filmkritik lesen Sie am Donnerstag.


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