Analyse: Ronald Reagan hat die Welt verändert

- Washington - Ronald Reagan hat die Welt nach Ansicht vieler Historiker mehr verändert als jeder andere US-Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg. Dem 40. Präsidenten der USA (1981 - 1989) kommt mit seiner damals heftig umstrittenen Politik der Aufrüstung und des Antikommunismus das historische Verdienst zu, entscheidend zum Zusammenbruch des totalitären sowjetischen Imperiums beigetragen zu haben.

<P>Die Linke und die Friedensbewegung sah in ihm einen "Kalten Krieger", der einen Weltkrieg provoziere. Reagan wertete den Zerfall des "Reichs des Bösen" - wie er die Sowjetunion bezeichnete - als Erfolg seiner Politik der Stärke.</P><P>US-Präsident George W. Bush beruft sich noch heute gerne auf den "großen Visionär" Reagan, der bei seiner berühmten Rede im Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor das Einreißen der Berliner Mauer gefordert hatte. Damals hielten das selbst optimistische deutsche Politiker für eine Illusion. "Ronald Reagan ist einer der größten Männer unserer Zeit und einer der größten Präsidenten in der Geschichte der USA", schwärmte vor Jahren die britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher. "Er hat die Welt verändert ... und konservativen Werten wieder Geltung verschafft".</P><P>Der in Europa auch wegen seiner Filmschauspieler-Vergangenheit oft geschmähte Reagan war in den USA einer der populärsten Männer, die je im Weißen Haus regierten. Nach einem Jahrzehnt der Selbstzweifel wegen des Vietnamkriegs und der Watergate-Affäre gab er den Amerikanern den Glauben an sich und ihr Land als "Hort der Freiheit und der Werte" zurück. Auch Skandale wie die Iran-Contra-Affäre wegen geheimer Waffenlieferungen an Iran und illegalen Finanzhilfen an die rechtsgerichteten Contra-Rebellen in Nicaragua (1986) schmälerten die Beliebtheit des charismatischen Republikaners nicht.</P><P>Reagan konnte mit seiner einfachen Sprache und großer rhetorischer Begabung ein Publikum rasch für sich einnehmen und begeistern. Er wurde als "großer Kommunikator" gerühmt. Der ehemalige Sportreporter, eher mäßig erfolgreiche Hollywood-Star und Gouverneur von Kalifornien wurde als Präsident von der Linken heftig attackiert: seine liberale Wirtschaftspolitik mit Abbau von Sozialleistungen, Steuersenkungen und enormen Rüstungsausgaben wurden als "Voodoo- economics" beschimpft. Die "Reagan-Doktrin", derzufolge weltweit Kommunisten zurückgedrängt und Antikommunisten unterstützt wurden, stieß auf heftige Kritik, weil in Staaten wie Nicaragua oder Afghanistan Rebellen gefördert wurden, denen westliche Werte und Menschenrechte relativ fremd waren.</P><P>Reagan war während seiner Amtszeit nicht nur für ein enormes Haushaltsdefizit verantwortlich, sondern manche seiner Ideen - wie die Entwicklung eines weltraumgestützten Abwehrsystems gegen Atomraketen (SDI) - erwiesen sich als teure "Flops". Kritiker meinen auch, dass unter Reagan die verhängnisvolle Fehleinschätzung des irakischen Diktators Saddam Hussein begann, die 1991 zum Golfkrieg führte.</P><P>Reagan war aber nicht nur ein konservativer Ideologe, sondern auch ein geschickter Pragmatiker und Realpolitiker. Aus einer Position der Stärke - insbesondere nach einem Rüstungswettlauf, mit dem die UdSSR kaum Schritt halten konnte - suchte Reagan den Dialog mit Moskau. Den letzten Partei- und Staatschef der untergegangenen Sowjetunion, Michail Gorbatschow, nannte er schließlich seinen Freund. Er schloss mit ihm den ersten echten Abrüstungsvertrag, den INF-Vertrag über die Vernichtung der atomaren Mittelstreckenraketen.</P><P>Reagan verließ hoch geachtet das Weiße Haus und verbrachte mit seiner zweiten Frau Nancy in Kalifornien seinen Ruhestand. Anfangs hielt er engen Kontakt mit seinen Freunden aus der Welt Hollywoods und der Politik. 1994 stellten die Ärzte bei ihm die Alzheimersche Krankheit fest. Sie zwang den lebensfrohen Mann, sich mehr und mehr von der Welt zurückzuziehen. Seine geliebte Ranch in Santa Barbara (Kalifornien) verkaufte er. Im Sommer 2002 verschlechterte sich sein Zustand immer stärker; seine Frau Nancy erkannte er oft nicht mehr. Er starb am Samstag im Kreise seiner Familie in seinem Haus in Bel Air in Kalifornien.</P><P>Lesen Sie hierzu auch: Ronald Reagan im Alter von 93 Jahren gestorben  Porträt: Großer Kommunikator, kalter Krieger und Visionär Würdigungen zum Tod von Ronald Reagan <BR>  <P></P>

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