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tz-Hollywood-Korrespondent Dierk Sindermann traf Angelina Jolie und sprach mit ihr über den Film "Unbroken", bei dem sie Regie führte.

Hollywoodstar über neuen Film

Jolie im tz-Interview: "Zamperini war mein Held"

Los Angeles - Die Lebensgeschichte des Weltklasse-Läufers Louis Zamperini ist wie gemacht für eine Verfilmung. Angelina Jolie hat sich ihrer angenommen und spricht im Interview über den legendären US-Athleten.

Er konvertierte vom jugendlichen Rebellen zum Weltklasse-Läufer, stahl 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin Hitlers persönliche Flagge, überlebte als US-Flieger nach seinem Absturz über der Südsee 47 Tage im Schlauchboot, wurde gefangengenommen und in einem japanischen Camp gefoltert. Die Tortur konnte Louis Zamperini nicht brechen. Darum heißt der Film, in dem das Leben des legendären US-Athleten gewürdigt wird, auch “Unbroken”. Es war ihm nicht vergönnt, die Premiere im Dezember zu erleben. Zamperini starb im Juli mit 97. Die Regisseurin trauert um ihn wie um einen Vater. Ihr Name: Angelina Jolie.

War er ein Held für Sie?

Jolie: Die Volksweisheit sagt, dass man seine Helden niemals trifft. Bei mir trifft das nicht zu. Ich habe meinen Helden getroffen. Er war ein außergewöhnlicher Mensch.

Was haben Sie von ihm gelernt?

Jolie: Dass jeder Mensch, egal wie viele Fehler er hat, Großes vollbringen und Gutes tun kann.

Was hat er für Sie persönlich Gutes getan?

Jolie: Er half mir in der schweren Zeit, in der ich meine Brustoperation hatte. Er erinnerte mich immer wieder daran, wie wichtig es ist, jeden Tag meines Lebens zu genießen. Er brachte mir Spiele bei, die ich mit meinen Kindern spielen sollte.

Hat Louis noch sehen können, wie Sie ihn im Film verewigen?

Jolie: Ich habe mir eine Rohfassung auf meinen Laptop geladen und ihm die im Krankenhaus gezeigt. Es hat ihn froh gemacht. Bis zum Ende seines Lebens war ein Lächeln auf seinem Gesicht.

Waren Sie bei seiner Beerdigung?

Jolie: Ich und die ganze Crew. Wir haben nicht nur an seinem Grab geweint, sondern später auch immer wieder, als wird den Film geschnitten haben. Uns war bewusst, dass man nie einem anderen Louis Zamperini begegnen wird.

Was hatte Sie auf seine Spur gebracht?

Jolie: Ich wollte Regie führen und suchte nach einem Stoff, der mir am Herzen lag. Dann fiel mir diese Story in die Hände. Ich ging nach Hause und sagte zu Brad: “Liebling, ich habe 'Unbroken' gefunden.” Brad antwortete: “Das kursiert schon seit einer Ewigkeit durch Hollywood. Viele waren interessiert, aber am Ende wollte nie einer den Film drehen”.

Wusste Louis das?

Jolie: Als ich ihn traf sagte er: “Mach zu, Mädchen. Ich werde nicht jünger”.

Und wie haben Sie es geschafft, Geld für den Film lockerzumachen?

Jolie: Ich habe eine Präsentation vorbereitet und habe sie an den Mann zu bringen versucht. Nach dem letzten großen Verkaufsgespräch habe ich drei Tage lang nichts gehört. Mir war schlecht vor Aufregung. Als endlich die Zusage kam, habe ich Brad aufs Dach geschickt und dort die amerikanische Fahne hissen lassen.

Klingt ungewohnt patriotisch für Sie.

Jolie: Das hatte nichts mit Patriotismus zu tun. Louis wohnte in einem Haus am Berg über uns und ich hatte ihm versprochen: “Wenn wir grünes Licht bekommen, geht die Fahne hoch”. Damit er sehen konnte, dass nach 57 Jahren endlich etwas aus dem Film über ihn wurde.

Ein triumphaler Augenblick für Zamperini war seine Teilnahme beim 5000-Meter-Lauf 1936 in Berlin. Haben Sie die Szenen im Olympia-Stadion gedreht?

Jolie: Nein, aus Kostengründen auf einem gottverlassenen Sportfeld in Australien (das später per Computertechnik ins Stadion verwandelt wurde). Wo war die Startlinie? Wo war Hitlers Loge? Alles blieb unserem Vorstellungsvermögen überlassen. Da bin ich auf den Trick gekommen, Luftballons als Markierungspunkte fliegen zu lassen. Damit die Schauspieler wenigstens auf den selben Punkt blickten.

Die Qualen im japanischen Internierungslager ließen Louis zu seiner inneren Stärke finden. Können Sie das persönlich nachvollziehen?

Jolie: Ich stamme aus einer zerrütteten Familie und ich wusste nicht, ob ich je Familie und Kinder haben würde. Aber ich entschied, hart daran zu arbeiten, einmal eine Familie aufzubauen. Ich wollte eine gute Mutter sein. Ich entschied, trotz der Anfechtungen meiner Vergangenheit, Kurs nach vorne zu nehmen. Ich verbringe heutzutage viel Zeit meines Lebens mit Menschen in Not und Leid. Der Schmerz, den ich durchlitten habe, ist nichts im Vergleich zu dem ihren.

Das tägliche Sterben von Unschuldigen im Gaza ist Zeugnis davon. Kann man als Individuum oder jemand wie Sie in Hollywood etwas dagegen tun?

Jolie: Es gibt viele Menschen, die sich öffentlich dagegen gewandt haben. Man muss das Thema entpolitisieren und nur die humanitäre Situation ansprechen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, dessen Herz es nicht bricht, wenn er das Leiden von so vielen Kindern sieht. Ich als Mutter muss mich förmlich dazu zwingen, die News im Fernsehen anzustellen oder die Zeitung zu lesen. Wenn ich wüsste, was ich sagen oder tun könnte, um diesen Konflikt zu beenden oder wenigstens einen Waffenstillstand herbeizuführen, würde ich es unverzüglich tun. Bei Gott, ich wünschte eine Lösung zu haben.

Wie wäre es mit der: Lasst Frauen die Welt regieren. Würde es dann weniger Krieg geben?

Jolie: Ganz sicher haben Frauen es in sich, für etwas zu kämpfen, an das sie glauben. Aber wir haben auch das innere Bedürfnis zum Dialog und zur Gerechtigkeit. Wir denken an unsere Kinder und an die Kinder von anderen. Wir wissen, was es bedeutet, sie zu verlieren. Wir sehen ihr Sterben auf der ganzen Welt und wir weinen. Natürlich tun das auch Männer, aber wir Frauen würden unser Bestes geben, Konflikte zu vermeiden.

Haben Sie Ihren Kindern schon “Unbroken” gezeigt, wo das Grauen des Krieges eine große Rolle spielt?

Jolie: Meine beiden Söhne, der Zehnjährige und der Zwölfjährige, haben den Film gesehen. Sie haben mir anschließend viele Fragen über Gott und Überleben gestellt. Und natürlich über Louis.

Gibt es Parallelen zwischen Louis' und Ihrem Leben?

Jolie (lächelt): Auch ich habe meine rebellischen Jahre gehabt. Und ich bin sicher, dass ich sie immer noch habe. Wir alle haben dieses Feuer in uns. Nur muss es in die richtige Richtung gelenkt werden, damit es etwas Positives und Nützliches bewirkt. Ich habe gelernt, das zu tun. Als ich es noch nicht konnte, war ich sehr selbstzerstörerisch.

Während Sie in Australien Regie geführt haben, war Brad bei den Dreharbeiten zu “Fury” in London. Haben Sie per Skype und Email Kontakt gehalten?

Jolie: Wir haben zum ersten Mal zur selben Zeit an verschiedenen Orten gearbeitet und beschlossen, aus diesen Monaten der Trennung etwas Romantisches zu machen. Wir haben uns ganz altmodisch Briefe geschickt. Handgeschriebene Briefe. Es war sehr verbindend.

Was uns zur Frage alle Fragen bringt. Gibt es Hochzeitspläne?

Jolie: Nein, im Moment nicht (lächelt spitzbübisch). Und wenn es sie gäbe, würde ich sie nicht verraten.

Interview: Dierk Sindermann

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