Anke Engelke folgt Harald Schmidt

- Hamburg - Anke Engelke folgt Harald Schmidt: Der Berliner Privatsender SAT.1 hat kurz vor der Bescherung sein derzeit größtes Problem geklärt. Voraussichtlich ab Mai 2004 wird die 38-jährige in Köln lebende Komikerin in die Fußstapfen des beliebten Entertainers aus Schwaben treten, der vor zwei Wochen überraschend seine "kreative Pause" ausrief. Mit dieser Personalie hat der neue Senderchef Roger Schawinski überraschend schnell die Wogen geglättet, die nach dem Ausfall Schmidts hochgeschwappt waren. Bei SAT.1 könnte jetzt endlich Ruhe einkehren.

Anke Engelke unterschrieb ihren neuen Drei-Jahres-Vertrag mit einem Gesamtwert von 40 Millionen Euro am Montagmittag. Über ihr Honorar wurde nichts bekannt. Geplant sei, sie vier Mal wöchentlich (montags bis donnerstags) auf Sendung zu schicken. "Anke Engelke ist nicht nur Deutschlands witzigster, sondern auch sein vielseitigster weiblicher Star und meine Traumbesetzung", sagte SAT.1-Chef Roger Schawinski. "Es ist die größte Herausforderung, die das deutsche Fernsehen bietet", sagte Engelke. "Für jeden, der Spaß an Unterhaltung hat, ist Late Night die schönste Sache der Welt."<P>Engelke wird die Show mit ihrer eigenen Firma Ladykracher produzieren. Sie ist ein Joint Venture von Engelke mit der zum Viva-Konzern gehörigen Firma Brainpool, die bereits für ProSieben die Late-Night-Show "TV Total" mit Stefan Raab produziert. Brainpool-Geschäftsführer Jörg Grabosch sagte der dpa, Engelke sei als Frau nicht direkt mit Schmidt vergleichbar, sie sei freundlich und weltoffen. Sie werde sich jeden Tag ein aktuelles Thema mit Gästen herauspicken. Sie bekomme auch eine Band. Ein ständiger Partner - wie Manuel Andrack bei Schmidt - sei derzeit nicht vorgesehen. Die Sketch-Reihe "Ladykracher" werde 2004 aus Kapazitätsgründen nicht fortgesetzt.</P><P>Rund 50 bis 70 Beschäftigte werden sich um das neue Format kümmern. Mit der Einbindung von Brainpool und Ladykracher haben sich die letzten Erwartungen zerschlagen, dass möglicherweise doch noch die Produktionsfirma Bonito TV, die Harald Schmidt gehört, den Zuschlag für den lukrativen Dauer-Sendeplatz bei SAT.1 erhält. Bei Bonito TV sind 90 Mitarbeiter beschäftigt, die eine ungewisse Zukunft vor sich haben. Vor rund drei Jahren hatte der 46-jährige Entertainer sich als Produzent selbstständig gemacht und - pikanterweise - genau von der Firma (Brainpool) getrennt, die jetzt den neuen Auftrag erhalten hat. Grabosch sagte, er empfinde "keine Genugtuung", er freue sich, das Erbe antreten zu können.</P><P>In der Branche wird der Einstieg von Anke Engelke in das tägliche Late-Night-Geschäft unterschiedlich beurteilt. Experten gehen davon aus, dass die in Montreal geborene Diplomatentochter eine der besten Lösungen ist. Allerdings wurde auch schon Kritik laut. "Engelke ist keine Leitfigur für Halb-Intellektuelle", urteilte der Kölner Medienexperte Lutz Hachmeister. Sie sei häufig schrill und laut, Schmidt sei eine in sich ruhende Figur aus dem Grotesk-Theater.</P><P>Schmidt moderierte seine Late-Night-Show bei SAT.1 seit dem 5. Dezember 1995. An diesem Dienstag präsentiert er seine letzte Ausgabe. Er hatte seinen Rückzug vier Tage nach der Entlassung seines engsten Vertrauten, SAT.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann, verkündet. Die beiden hatten erst im Sommer beschlossen, von einem Vier-Tage-Rhythmus auf fünf Tage pro Woche zu wechseln. In seiner vorletzten Ausgabe am Montag beschäftigte sich Schmidt, um den die ARD wirbt, einmal mehr mit seiner Nachfolge: Allerdings ging er noch davon aus, dass Sandra Maischberger den Job bekommen würde - und tüftelte mit Kopilot Andrack ein neues Showkonzept für sie aus.</P>

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