Jörg Kachelmann: Die Anklage

Mannheim - Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen TV-Moderator Jörg Kachelmann wegen Verdachts der besonders schweren Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Trotz Unschuldsbeteuerungen ist ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann wegen Vergewaltigung seiner Freundin angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft Mannheim wirft dem 51-jährigen Schweizer eine besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Kachelmann hat demnach die 36-jährige Frau mit einem Messer am Hals verletzt und mehrmals gedroht, sie zu töten. Im Fall einer Verurteilung droht ihm eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft.

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Das Landgericht Mannheim teilte mit, die Anklageschrift im Verfahren gegen Kachelmann sei eingegangen. Nun muss die 5. Große Strafkammer prüfen, ob sie das Hauptverfahren eröffnet. Die Staatsanwaltschaft teilte erstmals die Details des Tatvorwurfs mit. Demnach wirft sie Kachelmann vor, in der Nacht des 9. Februar 2010 seine 36 Jahre alte langjährige Freundin, die sich von ihm trennen wollte, in deren Schwetzinger Wohnung unter Vorhalt eines Küchenmessers zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben. Er habe ihr die acht Zentimeter lange Klinge gegen den Hals gedrückt und sie damit verletzt. Während und nach der Tat soll er sie mit dem Tod bedroht haben.

Die Anklage stützt sich nicht nur auf die Aussagen der Frau, sondern auch auf die Ergebnisse kriminaltechnischer sowie rechtsmedizinischer Untersuchungen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Ein Glaubwürdigkeitsgutachten über das Opfer wird noch erstellt. Laut “Spiegel“ hat die 36-Jährige inzwischen ihre Darstellung aus der Tatnacht in zwei Punkten korrigieren müssen, aber am eigentlichen Tatvorwurf der Vergewaltigung festgehalten.

“Frei erfunden“

Die 36-Jährige hatte Kachelmann im Februar angezeigt, während dieser für die ARD bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver arbeitete. Die Staatsanwaltschaft erwirkte beim Amtsgericht Mannheim einen Haftbefehl gegen den Moderator. Dieser wurde am Samstag, 20. März, bei seiner Rückkehr aus Kanada am Frankfurter Flughafen verhaftet. Kachelmanns Rechtsanwalt Ralf Höcker erklärte am 22. März: “Die gegen unseren Mandanten erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe sind haltlos. Sie sind frei erfunden.“

Und Kachelmann selbst rief Journalisten am 24. März bei seiner Vorführung vor dem Amtsgericht zu: “Ich bin unschuldig.“ Am 5. Mai hatte Kachelmanns Rechtsanwalt Reinhard Birkenstock die Aufhebung des Haftbefehls beantragt, sich aber damit einverstanden erklärt, dass die Entscheidung darüber von Ermittlungsergebnissen abhängig gemacht würde. Der bereits angesetzte Haftprüfungstermin am 1. Juni vor dem Amtsgericht ist nun allerdings hinfällig. Die Staatsanwaltschaft hat bei der Großen Strafkammer des Landgerichts die Fortdauer der Untersuchungshaft beantragt.

ARD hält an Vertrag mit Meteomedia fest

Kachelmann produziert mit seiner Firma Meteomedia Wettersendungen in der ARD - seit 1994 vor der 20-Uhr-Ausgabe der “Tagesschau“ und seit 2002 nach den “Tagesthemen“. Die Moderatoren Claudia Kleinert und Sven Plöger haben seine Einsätze übernommen.

Der WDR sagte dem DAPD auf Anfrage, es bleibe beim Vertrag mit Meteomedia. Kachelmanns Karriere bei der ARD hatte er 1990 als “Wetterman“ beim Radiosender SWF 3 (inzwischen SWR) gestartet. Damals hatte er sich in Bächli bei St. Gallen als autodidaktisch ausgebildeter Meteorologe selbstständig gemacht und die Meteomedia gegründet. Mit dem Start des ARD-Frühstücksfernsehens im Jahr 1992 begann seine Fernsehkarriere.

DAPD

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