Anna Netrebko ist schwanger

London - Im letzten Sommer hat die Star-Sopranistin Anna Netrebko ihrer Fangemeinde etwas geschworen: Niemals würde sie "leichtfertig und ohne Grund eine Opernvorstellung absagen".

Da hatte sie gerade wegen eine Kehlkopfentzündung Besucher der Salzburger Festspiele enttäuschen müssen - und damit eine Debatte über den enormen Leistungsdruck der ganz Großen unter den Opernstars ausgelöst. Nun kommt sie wieder nicht nach Salzburg, doch der Grund hat glücklicherweise nichts mit Arbeitsüberlastung zu tun: Die ebenso begnadete wie schöne 36-Jährige erwartet ein Baby.

"Wir sind beide sehr, sehr glücklich darüber, dass wir bald zu dritt sind", erklärte die russische Operndiva am Montag. Mit dem werdenden Vater, Bassbariton Erwin Schrott (35) aus Uruguay, hat sie sich kurz vor dem Jahreswechsel in New York verlobt - in aller Heimlichkeit, wie erstaunte Fans jetzt erfuhren. Noch Mitte Dezember hatte sich die attraktive Russin mit österreichischem Pass gezwungen gesehen, Gerüchten über ihre sexuelle Orientierung öffentlich zu widersprechen: "Ein für alle Mal: Ich bin nicht lesbisch", betonte sie in einem Interview mit der Illustrierten "Bunte".

Aufgekommen war das Gewisper, weil die Klassikdiva mehrfach mit der Popsängerin Lucy von der Band "No Angles" gesehen wurde. Die beiden Musikerinnen hatten sich bei einer TV-Show kennengelernt und sich, wie Netrebko sagte, "sofort gut verstanden". Das war freilich ebenso harmlos wie passend: Netrebko, die ein Gesangsstudium am renommierten Rimski-Korsakow-Konservatorium in Sankt Petersburg absolvierte und den Durchbruch zum Weltruhm endgültig 1995 mit einem Gastspiel in San Francisco schaffte, hat selbst ausgeprägte Popstar-Qualitäten.

Für die Oper und die Klassische Musik überhaupt sei das durchaus ein Segen, meinen aufgeschlossene Kritiker wie Ralf Tiedemann. "Über Künstler vom Kaliber einer Netrebko oder eines (Rolando) Villazóns können wir uns nur freuen - erzielen diese Stars doch eine enorme Breitenwirkung und treiben der Oper möglicherweise auch neue Anhänger zu", sagte der Opernexperte. Da ist es manchem wohl durchaus Recht, wenn Superstars wie Netrebko längst nicht mehr allein im Feuilleton vorkommen, sondern prominent im Boulevard für "Menschel-Schlagzeilen" sorgen.

Dass ihre Schwangerschaft nun als große Überraschung gesehen wird, hängt freilich auch mit einer Äußerung von ihr zusammen, die keine vier Wochen zurückliegt: Kinder wolle sie vorerst nicht haben, sagte sie Reportern. "Mit meinem Terminplan ist das im Moment nicht möglich." Den hat Bassbariton Schrott wohl schon kurz darauf kräftig durcheinandergebracht. Nun fragen sich Fans und Veranstalter, bis wann und wie oft sie vor der Baby-Pause noch auf der Bühne zu erleben sein wird.

"Soweit es ihre Ärzte erlauben", werde Netrebko ihre beruflichen Verpflichtungen einhalten, beteuerte das Management in London. Wenn alles gut geht, könnte sie immerhin kurz vor dem großen Finale der Fußball-EM noch einmal auf der Bühne stehen und sich dabei für die nächsten Monate von ihrem weltweiten Publikum verabschieden. Mit Millionen von Zuschauern rechnen Veranstalter bei der Operngala am 27. Juni mit Netrebko und den Startenören Placido Domingo und Villazón im Park des Schlosses Schönbrunn im Norden von Wien.

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