Von der Armut in den Luxus

- London/Johannesburg - Der Flug dauerte gerade mal einen halben Tag. Zehn Stunden und 55 Minuten von Johannesburg in Südafrika bis nach London, um genau zu sein. Aber für den kleinen David Banda war es die Reise in eine völlig andere Welt. Im ersten Jahr seines Lebens war die 13 Monate alte Halbwaise noch ein Kind, wie es in Malawi so viele gibt. Die Zahl der elternlosen Kinder in einem der ärmsten Länder der Welt wird auf eine Million geschätzt.<br> Filmbericht: Davids Ankunft in London<br>

 Filmbericht: Davids Ankunft in London

Bei seiner neuen Adoptivmutter Madonna wartet auf David nun ein Leben in kaum vorstellbarem Luxus.

Für den kleinen Jungen in Jeans, weißem T-Shirt und BaseballMütze, der am Dienstag um 6.30 Uhr auf dem Londoner Flughafen Heathrow landete, ist es vermutlich ein großes Glück, dass er von dem ganzen Auftrieb um ihn herum noch wenig mitbekommt. Die MadonnaDelegation - Kindermädchen, Leibwächter und noch einige mehr - wurde von einem Großaufgebot an Fotografen in Empfang genommen. Zum Schutz vor Blicken war David in eine Wolldecke gehüllt.

Bei der Ankunft in Madonnas Villa im Stadtteil Marylebone, wo die 48-Jährige zusammen mit Ehemann Guy Ritchie (38) und den beiden Kindern Rocco (6) und Lourdes (10) lebt, bot sich ein ähnliches Bild. Die neuen Eltern, die bereits am Freitag aus Malawi zurückgekehrt waren, nahmen David erst hinter geschlossenen Türen in Empfang. "Madonna will das Beste dafür tun, damit das kein öffentlicher Zirkus wird", sagte ihre Sprecherin Liz Rosenberg zur Begründung.

Allerdings ist es dafür fast schon zu spät. Die Adoption sorgt nun schon seit Tagen für Schlagzeilen rund um den Globus. Die reichste Frau der Popwelt (geschätztes Jahreseinkommen: 40 Millionen Euro) ist nach den Schauspielerinnen Angelina Jolie, Meg Ryan und Mia Farrow die neueste Prominente, die ein Kind aus einem armen Land adoptiert.

Zudem sorgte der Fall zum Schluss noch für juristische Komplikationen, weil Hilfsorganisationen die bereits erlaubte Ausreise des Jungen stoppen wollten. Sie fürchten, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird, weil die Adoption nach Malawis Gesetzen eigentlich nicht erlaubt wäre. Schließlich räumte Richter Andrew Nyirenda nur für zunächst 18 Monate das Sorgerecht ein.

David war Madonna vergangene Woche bei ihrem Aufenthalt in Malawi aufgefallen, nachdem eine Voraustruppe in ihrem Auftrag schon vor Monaten das lang gestreckte Land um den Malawi-See besucht hatte. Im Waisenhaus "Home of Hope" ("Heim der Hoffnung") in Mchinji, 110 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Lilongwe, schaute sich die PopIkone mehrere Kinder an - hatte nach Angaben von Augenzeugen aber eigentlich nur Blicke für den kleinen David.

"Sie hat ihn vom Boden aufgehoben und mit ihm wie mit einem ihrer eigenen Kinder gespielt. Später trug sie ihn auf dem Rücken in einem Tragetuch, wie es afrikanische Mütter tun", berichtete ein Pfleger. Davids leibliche Mutter Marita starb eine Woche nach seiner Geburt am 24. September 2005. Vater Yohane (32), der durch den Verkauf von Zwiebeln und Kartoffeln auf einen Monatslohn von gerade mal 6,50 Euro kommt, sah keine andere Möglichkeit, als das Kind ins Waisenhaus zu geben.

"Der Junge war nicht in guter Verfassung, und wir haben das Schlimmste befürchtet. Aber Gott hatte andere Pläne für ihn", sagte nun einer der Lehrer. Der Vater hatte gegen die Adoption durch Madonna dann nichts mehr einzuwenden. Umso mehr Kritik gibt es von Hilfsorganisationen. Viele halten Madonna vor, aus eigenem Interesse einem einzelnen Jungen geholfen zu haben. An den eigentlichen Problemen ändere sich nichts. Auch Madonnas Ankündigung, ein Hilfszentrum für 4000 andere Waisenkinder in Malawi aufzubauen, konnte die Kritik kaum mildern.

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