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Fastenzeit ist Abspeckzeit: Viele Menschen nutzen die Zeit nach Aschermittwoch, um ihr Gewicht zu reduzieren. Doch was ist die richtige Methode?

Jetzt ist Fastenzeit: Die größten Diät-Lügen

Starkes Übergewicht ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Zu viel Fett macht auch krank. Viele nutzen die Fastenzeit darum, um abzunehmen. Erfolg hat aber nur, wer seine Lebensweise von Grund auf ändert.

Er hat wieder begonnen, der Kampf gegen die überflüssigen Pfunde. Unerbittlich, 40 Tage lang – und leider meist erfolglos. Denn gekämpft wird an mehreren Fronten gleichzeitig, gegen dicken Bauchspeck und den inneren Schweinehund.


Der ärgste Feind ist allerdings der eigene Körper. Nach Jahrtausenden des Darbens hat sich der Mensch an den ständigen Mangel angepasst. Er hat gelernt, selbst die letzten Kalorien aus seinem Essen herauszuholen – und in guten Zeiten kräftig zuzugreifen. Doch diese Fähigkeiten, die ihm einst das Überleben sicherten, werden dem modernen Menschen zusehends zum Verhängnis. Der Nationalen Verzehrsstudie zufolge sind inzwischen zwei Drittel der Männer und die Hälfte aller Frauen übergewichtig. Ihr Körper war auf den heutigen Überfluss nicht vorbereitet.

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Für viele beginnt der Kampf darum jedes Jahr aufs Neue. Meist am Aschermittwoch, der längst nicht mehr allein die Fastenzeit, sondern für viele auch die alljährliche Diätsaison einleitet. Kreta-Diät, FdH-Methode oder Heilfasten sollen Fettpölsterchen zum Schmelzen und den Körper wieder in Form bringen. „Von Crashdiäten rate ich grundsätzlich ab“, sagt indes Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger, Chefärztin der Endokrinologie am Krankenhaus Bogenhausen in München. „Dabei nimmt man schnell und viel ab, aber meist noch schneller wieder zu.“ Denn auf das magere Angebot reagiert der Körper mit einem Notprogramm. Der Stoffwechsel arbeitet auf Sparflamme – auch dann noch, wenn der Mangel wieder dem Überfluss gewichen ist. Es kommt zum Jojo-Effekt.

Treppe statt Aufzug und Ausdauertraining

Abnehmen ist für viele nur eine Ernährungsumstellung auf Zeit. Zu Beginn der Fastenzeit nehmen sie sich vor, bis Ostern durchzuhalten. „Danach wollen sie nachholen, was sie entbehren mussten“, sagt die Ärztin. „Sie werden immer inkonsequenter – und kehren schließlich zu ihren Gewohnheiten zurück.“
Wer dauerhaft abnehmen will, sollte auf solche Diäten verzichten. „Auf Dauer hat nur der Erfolg, der seinen Lebensstil von Grund auf umstellt.“, sagt Schumm-Draeger. Dazu gehört eine gesunde Ernährung ebenso wie regelmäßige Bewegung. Treppe statt Aufzug, mal ein flotter Spaziergang oder am besten Ausdauertraining wie Joggen, Schwimmen oder Nordic Walking. Wenigstens drei mal die Woche, jeweils eine halbe Stunde sollten es sein.

Von 190 Kilo auf 90 Kilo

Dass die Kombination aus Sport und gesundem Essen funktioniert, beweist Enrico. Er ist der Gewinner der Fernsehshow „The Biggest Loser“ (der größte Verlierer). Mehr als 190 Kilo zeigte die Waage in der ersten Sendung. Dass er bald um 90 Kilo leichter sein würde, hatte keiner erwartet. Zu gewaltig schienen die Speckrollen. Doch sie schmolzen dahin wie das Doppelkinn und die Hamsterbacken. Zum Finale zeigte sich den Zuschauern ein gutaussehender Mann.

Allerdings fehlt den meisten der eiserne Willen, den Enrico aufgebracht hat. Dass Schokolade dick macht und sie stattdessen besser zu einem Apfel greifen sollten, wissen auch die Erfolglosen unter den Abnehmwilligen. Ebenso, dass eine gesunde Ernährung fettarm und ballaststoffreich sein sollte. Im Supermarkt greifen sie trotzdem zur Salami und Zuhause kommt weiterhin Schweinebraten auf den Tisch.

Ohne Druck geht nichts

Vielleicht ist es aber auch nur der fehlende Druck, der ihnen den Erfolg vorenthält. Wenn sie auf die Waage steigen, schaut ihnen niemand beim Versagen zu. Schämen müssen sie sich allenfalls vor sich selbst – und daran haben sich viele schon lange gewöhnt. „Es gibt Menschen, die eine regelmäßige Kontrolle brauchen und in der Gruppe leichter abnehmen“, sagt Schumm-Draeger. Statt einem Millionenpublikum blicken dann immerhin ein paar Gleichgesinnte kritisch auf die Waage. Haben die anderen Erfolg, steigt der Druck, es ihnen gleichzutun. Wartet ein Trainingspartner im Fitness-Studio, lässt man die Sportstunde nicht so leicht ausfallen.

Mit den Lebensjahren nimmt das Gewicht zu

„Abnehmen ist verdammt schwer“, sagt die Ärztin. „Es erfordert ein großes Maß an Disziplin. Doch wenn man wirklich will, geht es auch.“ Sie spricht dabei aus eigener Erfahrung. Wie bei so vielen Menschen hatten sich auch bei ihr im Laufe der Zeit ein paar Pfunde zuviel angesammelt. Doch sie hat rechtzeitig reagiert. Sie achtete mehr auf gesunde Ernährung und Bewegung. Süßigkeiten kamen ihr erst gar nicht mehr ins Haus. „Da wäre es auch mit meiner Konsequenz schnell vorbei gewesen“, sagt die Ärztin lachend. Denn Schokolade und Gummibärchen können selbst einem Normalgewichtigen schnell zum Verhängnis werden. Der hohe Zuckergehalt lässt den Blutzucker in die Höhe schnellen. Der Körper versucht das auszugleichen und produziert viel Insulin. Dieses Hormon lässt die Konzentration des Blutzuckers wieder absinken – vorübergehend sogar unter den normalen Wert. Die Folge ist oft eine Heißhungerattacke.
Ihrem Beispiel zu folgen, dazu rät sie allerdings nicht nur Fettsüchtigen, deren Body-Mass-Index (BMI = Gewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat) über einem Wert von 30 liegt. Auch mäßig Übergewichtige mit einem BMI von über 25 sollten besser etwas unternehmen. Denn mit den Lebensjahren nimmt meist auch das Gewicht zu. Der Bedarf an Kalorien sinkt mit zunehmendem Alter. Die meisten essen jedoch genauso viel wie bisher. Aus ein paar Pfunden ist irgendwann starkes Übergewicht geworden.

Weniger Kilos, neues Lebensgefühl

Von einer Umstellung der Ernährung profitieren dagegen Körper und Seele gleichermaßen: Übergewichtige leiden häufiger an Diabetes und Bluthochdruck. Auch Krebserkrankungen sind bei ihnen häufiger. Viele leiden an einer Entzündung in den Blutgefäßen. Ihre Arterien verkalken immer mehr und das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen, steigt. Besonders groß ist dieses, wenn die Fettpolster vor allem am Bauch sitzen. Wer abnimmt, tut damit aber nicht nur etwas für seine Gesundheit. „Sie fühlen sich auch wohler“, sagt Schumm-Draeger. Sie kommen nicht mehr so schnell außer Atem, leiden nicht mehr unter den abschätzigen Blicken im Schwimmbad und können ihre Kleider wieder in normalen Läden einkaufen. „Patienten, die es geschafft haben, berichten von einem ganz neuen Lebensgefühl.“

Andrea Eppner

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