Aufregung vor der Thronbesteigung in Monaco

- Monaco - Drei Monate lang trugen die monegassische Fürstenfamilie und die Staatsdiener Schwarz. Die Geschäfte und Gewinnspiele liefen in dem Kleinstaat an der Côte d'Azur nach dem Tod von Fürst Rainier III. wie gewohnt weiter, Albert II. (47) hatte das Ruder bereits vom Vater übernommen.

Jetzt wollen die Monegassen endlich die Thronbesteigung feiern. Doch zuvor warten sie neugierig darauf, was der neue Fürst an diesem Donnerstag mitzuteilen hat. Die Spatzen pfeifen es von den monegassischen Dächern, und die Medien greifen es schon als Tatsache auf. Der neue Herrscher über den "Felsen" am Meer wolle sich dazu bekennen, Vater des knapp zwei Jahre alten Alexandre zu sein. Die aus Togo stammende Mutter, Ex-Flughostess Nicole Coste (33), hatte in der Trauerzeit Schlagzeilen mit Enthüllungen über den Kleinen gemacht. Sie wolle Klarheit und sei keine "Goldgräberin": "Niemand wird Albert eine schöne Liebesgeschichte und ein schönes Kind übel nehmen."

Dem scheint in der Tat so zu sein. Einen Skandal nennt es kaum jemand, das Bild eines "modernen" Fürsten, der auch nur ein Mann ist, scheint auf. Er sorge doch bereits sehr gut für sie, so heißt es, das Fürstentum stelle der 33-Jährigen eine Wohnung im feinen 16. Pariser Stadtbezirk und auch noch eine Villa in Villefranche-sur-Mer.

Natürlich muss es Monaco als absolut unpassend empfunden haben, dass in der Trauerzeit einmal mehr über ein uneheliches Kind des Regenten spekuliert wurde. Eine offizielle Reaktion war erst nach den drei Monaten statthaft, und sie soll von Alberts Anwalt Thierry Lacoste kommen. Das Pariser Magazin "L'Express" will auch schon wissen, was er verkündet: "Geleitet von seinen ethischen Grundsätzen stellt sich der Fürst seiner Verantwortung und erkennt das Kind an."

Damit träfe immer noch nur halb zu, was ein Boulevardblatt meint, wenn es von dem neuen "kleinen Prinzen" spricht. Alexandre wäre nach der 2002 geänderten Verfassung kein Anwärter auf den Fürstenthron, wohl aber ein möglicher Erbe - das Vermögen des Fürsten wird laut "Le Parisien" auf zwei Milliarden Euro geschätzt.

Sollte also endlich alles klar sein, kann fünf Tage später zur Thronbesteigung des 47-Jährigen ein ordentliches Fest steigen. Der 30. Fürst der Grimaldi-Dynastie, die aus Genua stammt und vor mehr als sieben Jahrhunderten den "Felsen" am französischen Mittelmeer in Besitz nahm, feiert ganz intim mit seinen knapp 7700 Monegassen. Abends können auch die in der Regel Reichen mit fester Residenz in Monaco dazustoßen. Am 19. November, dem Nationalfeiertag, folgt im Beisein ausländischer Persönlichkeiten aus Politik und Adel eine internationale Krönungszeremonie. Auch im 21. Jahrhundert und trotz aller modernen Sitten herrschen bei den Grimaldis Stil und Etikette.

Rainier, am 6. April 81-jährig nach mehr als einem halben Jahrhundert Regentschaft gestorben, wirft in Monaco noch lange Schatten. Von seinem Nachfolger erwarten die Monegassen jetzt eine dynamische Führung, einen neuen Ton - ohne eigentlichen Bruch mit der Vergangenheit ihres Wohlstands-Nestes am Saum des Mittelmeeres.

Den Monegassen vorbehalten bleibt am 12. Juli eine Messe und eine offizielle Zeremonie mit Empfang durch Albert im Fürstenpalast. Im Ehrenhof des Palastes spielt das Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, bis dann später an diesem Sommerabend am Hafen getanzt und gefeiert wird. Albert II. gesellt sich unter seine Monegassen - ein Ereignis, von dem Touristen keinen Blick werden erheischen können. Die Losung heißt Bürgernähe und Zusammengehörigkeit. Der Fürst weiß, was er den Untertanen und jenen schuldig ist, die seinen gerade auch wirtschaftlich florierenden Mini-Staat ausmachen.

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