Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

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„Eine der großen Schauspielerinnen unserer Zeit“ – Barbara Sukowa erhielt den Bayerischen Filmpreis für ihre Rolle als Hildegard von Bingen.

Bayerischer Filmpreis: Mut zu schweren Stoffen

München - Mit einer festlichen Gala wurden am Freitagabend im Münchner Prinzregententheater die Bayerischen Filmpreise verliehen. Dabei bevorzugte die Jury brisante Polit-Themen.

Nein, die Juroren sind wirklich nicht den einfachen Weg gegangen. Sie haben eben nicht (nur) großes, massentaugliches Kino ausgezeichnet. Auch dazu hätte es in diesem Jahr reichlich Gelegenheit gegeben – und es waren nicht die schlechtesten Produktionen im Rennen. Und natürlich stehen mit Volkstheater-Schauspieler Friedrich Mücke (bester Nachwuchsdarsteller in der jetzt gestarteten Komödie „Friendship!“), „Lippels Traum“ (Jana Marsik für ihre Kamera und Konstantin Wecker für die Musik) und Michael Bully Herbigs „Wickie und die starken Männer“ (bester Familienfilm) auch Filme auf der Liste der Preisträger, die gut gemachtes Unterhaltungskino sind (siehe unten). Aber die Preise in den wichtigen Kategorien Produktion, Regie, Hauptdarsteller gingen bei der nach dem Bundesfilmpreis mit insgesamt 300 000 Euro höchstdotierten Auszeichnung in der deutschen Filmlandschaft an das gesellschaftspolitisch engagierte, nicht immer leicht zu konsumierende Kino.

Bilder: Promis und Preisträger

Bilder: Die Promis beim Bayerischen Filmpreis

„Wüstenblume“ erzählt mit großer Sensibilität von Genitalverstümmelungen bei afrikanischen Mädchen. Die Szene zeigt Soraya Omar-Scego, die im Film die junge Waris Dirie spielt.

Der Produzentenpreis wurde wie im vergangenen Jahr geteilt: Je 100 000 Euro gehen an Peter Herrmann für „Wüstenblume“ und an das Duo Dietmar Güntsche und Wolfgang Behr für den Film „Der große Kater“. In „Wüstenblume“ ist es Produzent Herrmann und Regisseurin Sherry Hormann geglückt, den gleichnamigen autobiografischen Bestseller von Waris Dirie mit viel Sensibilität für die Leinwand zu adaptieren. Dirie erzählt von einem Schicksal, das sie wie andere afrikanische Mädchen erlitten hat (und das bis heute viele durchleiden müssen) – die Beschneidung. „Ein herausragender Film und ein aufrüttelndes Plädoyer gegen menschenverachtende Traditionen“, lobte die Jury.

Während „Wüstenblume“ durchaus mit Erfolg in den deutschen Kinos gelaufen ist, konnte sich das Publikum vom Co-Preisträger noch kein Bild machen. Es ist eine Eigenheit dieses Filmpreises, dass mit ihm eben auch Produktionen ausgezeichnet werden können, die noch nicht gestartet sind. „Der große Kater“ (läuft nächste Woche in der Schweiz; deutscher Starttermin ist unklar) basiert auf dem Roman von Thomas Hürlimann und erzählt aus dem Leben eines Spitzenpolitikers – Vorlage ist der frühere Schweizer Bundespräsident. Dieser wird mit dem relativen Wert von Macht konfrontiert, als sein Kind im Sterben liegt. Die Jury lobte die „stimmige und äußerst anrührende Literaturverfilmung“ und strich vor allem die Leistung der Hauptdarsteller Marie Bäumer und Bruno Ganz heraus.

Kleiner Bub, ganz groß: Michael Bully Herbigs „Wickie und die starken Männer“ mit Jonas Hämmerle wurde als bester Familienfilm ausgezeichnet – und erhielt den Publikumspreis.

Gleich zwei Porzellan-Pierrots gingen am Freitag an „Habermann“ – für Juraj Herz’ Regie und Mark Waschkes Gestaltung der Titelrolle. Herz, der bereits zwei Mal beim Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde, erzählt anhand der Geschichte des reichen Sägewerkbesitzers August Habermann von der Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer deutsch-tschechischen Heimat. Der Regisseur beweise, dass „eine heikle Geschichte wie die gegenseitige Gewalt im Sudetenland eine besonders sensible Filmsprache braucht, ohne irgendetwas zu beschönigen“. Der Film, der noch keinen Starttermin hat, sei „packend, aufwühlend, aber nie effektheischend sentimental“, und Waschke spiele so „vielschichtig wie transparent“, urteilte die Jury.

Der Bayerische Filmpreis bietet die Gelegenheit zu Rück- und Vorschau. Mit dem Blick zurück waren die Filmschaffenden im Prinzregententheater sichtlich zufrieden: Die Branche hat im vergangenen Jahr Rekordergebnisse bei Umsatz und Besucherzahlen erzielt. Mehr als 140 Millionen Kinogänger haben für ein Besucherplus von 16 Prozent und ein Umsatzplus von 25 Prozent im Vergleich zum Jahr 2008 gesorgt (wir berichteten). Das lag natürlich an US-Blockbustern wie „Ice Age 3“ (mit rund 8,7 Millionen Zuschauern in Deutschland). Doch auch mehrere heimische Produktionen zogen mehr als eine Million Besucher an. zeigt die Fotos der Gala.

von Michael Schleicher

Und das sind die Gewinner des Bayerischen Filmpreises 2010

Die Bayerische Staatsregierung hat am Freitagabend im Münchner Prinzregententheater Auszeichnungen im Wert von insgesamt 300 000 Euro vergeben. Die Trophäe des Bayerischen Filmpreises, ein Porzellan-Pierrot, ging an folgende Künstler und Produzenten:

  • Ehrenpreis: Ministerpräsident Horst Seehofer zeichnete den Regisseur, Produzent und Kameramann Joseph Vilsmaier für das Lebenswerk aus. Der 70-Jährige erklärte, er freue sich sehr über die Ehrung, könne sie aber nur annehmen, wenn ihm Seehofer damit nicht sagen wolle: „Vilsmaier, gib’ endlich Ruh!“
  • Produzentenpreis: Er wird geteilt; je 100 000 Euro an Peter Herrmann für „Wüstenblume“ und an Dietmar Güntsche und Wolfgang Behr für „Der große Kater“
  • Regiepreis (20 000 Euro): Juraj Herz für „Habermann“
  • Beste Darstellerin (10 000 Euro): Barbara Sukowa für „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“
  • Bester Darsteller (10 000 Euro): Mark Waschke in „Habermann“
  • Drehbuchpreis (10 000 Euro): Simon Verhoeven für„Männerherzen“
  • Dokumentarfilmpreis (15 000 Euro): Petra Seeger für „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“
  • Beste Kamera (10 000 Euro): Jana Marsik für „Same Same But Different“ und „Lippels Traum“
  • Beste Nachwuchsdarstellerin (10 000 Euro): Katharina Schüttler in „Es kommt der Tag“
  • Bester Nachwuchsdarsteller (10 000 Euro): Friedrich Mücke in „Friendship!“
  • Nachwuchsregiepreis (10 000 Euro): Benjamin Heisenberg für „Der Räuber“
  • Preis für den besten Familienfilm (10 000 Euro): Michael Bully Herbig für „Wickie und die starken Männer“
  • Beste Filmmusik (10 000 Euro): Konstantin Wecker für „Lippels Traum“
  • Nachwuchsproduzentenpreis (60 000 Euro): Deyle & Richter Filmproduktion für „Waffenstillstand“

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