Beckenbauer und Braxenthaler retten Laureus

Stars bekommen in Barcelona Sport-Auszeichnung - Barcelona - Der "Kaiser" war da und auch Fürst Albert von Monaco. Selbst König Juan Carlos von Spanien gab sich die Ehre, als in Barcelona zum achten Mal die Laureus-Awards verliehen wurden.

 Doch die Stars neben Franz Beckenbauer, der für sein Lebenswerk die gläserne Statue bekam, und dem überwältigten Paralympics-Triumphator Martin Braxenthaler sowie Jelena Isinbajewa fehlten bei der Gala im Palau Sant Jordi. So mussten die deutschen Sieger die Veranstaltung mitsamt der Stabhochsprung-Olympiasiegerin aus Russland retten, die anmerkte: "Voriges Jahr war ich auch hier und nichts ist passiert. Diesmal hat es geklappt. Das ist echt cool."

Die Tennisprofis Roger Federer, der als Erster überhaupt zum dritten Mal nacheinander Weltsportler des Jahres wurde und sich nur per Video bedankte, sowie Comeback-Siegerin Serena Williams und die für ihre ersten Grand-Slam-Siege bedachte Amelie Mauresmo hatten sich dagegen nicht aufraffen können, den Preis persönlich abzuholen. Auch der Amerikaner Kelly Slater fehlte als weltbester Action-Sportler, weil er einen Surf-Wettkampf zu absolvieren hatte. Von der Mannschaft des Jahres schließlich, den Fußball-Weltmeistern aus Italien, kam einzig Alessandro Del Piero vom Zweitligisten Juventus Turin.

"Wir sind eine junge Organisation und machen noch Fehler", sagte Boris Becker als Gründungsmitglied der Laureus-Akademie am Rande der Feierlichkeiten in einem Interview mit der dpa. "Aber wir sind auf einem guten Weg." Wie schwer es für die Sportler manchmal ist, während der Saison zu einer solchen Veranstaltung zu kommen, weiß der dreimalige Wimbledonsieger nur zu genau. Ein anderer Termin wäre ihm deshalb wünschenswert: "Am liebsten am Ende des Jahres."

"Ich wusste gar nicht, was für eine gigantische Veranstaltung das hier ist", sagte Beckenbauer. Der "Kaiser" ist Gründungsmitglieder der Laureus-Akademie, doch bei den Festivitäten war der "Regisseur" des WM-Sommermärchens noch nie gewesen. Seine einstigen Gegnern auf dem Fußballplatz, der Engländer Bobby Charlton und Johan Cruyff übergaben ihm den Preis für sein Lebenswerk. Den Affront des im WM-Finale von 1974 unterlegen Niederländers ("Beckenbauer war zu seiner Zeit einer der besten Fußballer in Deutschland") ließ der "Kaiser" souverän abprallen und antwortete lässig: "Es ist schön, den Preis von Sir Bobby und König Johann überreicht zu bekommen."

Auf der Durchreise zum Champions-League-Spiel seines FC Bayern beim AC Mailand genoss Beckenbauer die Auszeichnung, "die etwas ganz besonderes für mich ist". In seiner Dankesrede wurde das einstige "Fußball-Genie" (Charlton) aber auch nachdenklich. "Dass Nelson Mandela Recht hat, wenn er sagt: Sport hat die Macht, die Welt zu verändern, glaube ich zwar nicht. Aber ich bin sicher, dass der Sport die Kraft hat, die Welt zumindest zu verbessern."

Martin Braxenthaler erhöhte derweil die Zahl der deutschen Laureus-Gewinner auf fünf. Nur Michael Schumacher (2002/2004), Otto Rehhagel (2005) und Straßenfußball-Projektleiter Jürgen Griesbeck (2006) waren vor ihm und Beckenbauer ausgezeichnet worden. "Ich bin so glücklich und danke allen, die mich unterstützt haben", waren seine kurzen Worte mit dem Laureus in der Hand. "Ich hätte natürlich eine lange Rede über die Akzeptanz des Behindertensports halten können. Aber das wäre nicht der richtige Zeitpunkt gewesen", meinte der dreimalige Goldmedaillen-Gewinner der Paralympics in Turin.

Trotzdem flogen dem querschnittsgelähmten 34-Jährigen aus Traunstein, der seit Jahren der überragende Monoski-Fahrer ist, die Herzen der rund 800 Festgäste aus Show, Sport und Politik zu. "Wir wollen als Sportler ernst genommen werden", sagte der fröhliche und bescheidene Top-Athlet. Aber zu oft werde die Krankheitsgeschichte wichtiger genommen, als die sportliche Leistung. Nicht so beim Laureus-Award, der für Braxenthaler "momentan die Krönung ist".

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