Beckers schwerstes "Match" - Strafprozess beginnt

- München - Vor dem Landgericht München I beginnt an diesem Mittwoch der Steuer-Strafprozess gegen Tennisstar Boris Becker. Die Anklage wirft dem 34-Jährigen vor, Steuern in Höhe von rund 3,1 Millionen Mark (knapp 1,6 Millionen Euro) in den Jahren 1991 bis 1993 hinterzogen zu haben. Im Falle eines Schuldspruchs droht dem dreimaligen Wimbledonsieger möglicherweise eine Freiheitsstrafe, eventuell sogar ohne Bewährung.

<P>Becker hat den Ermittlungen zufolge von 1991 bis 1993 zwar offiziell im Steuerparadies Monaco, tatsächlich aber in München gelebt. Damit wäre er in Deutschland voll steuerpflichtig gewesen. Die Anklageschrift gegen Boris Franz Becker - so lautet sein vollständiger Name - umfasst 46 Seiten. Die Akten mit den Ermittlungsergebnissen füllen allein 15 Aktenordner. Darüber hinaus liegen dem Verfahren mehr als 1000 Aktenordner mit Beweismaterial zu Grunde, das auch aus mehreren Hausdurchsuchungen stammt.</P><P>Die 4. Strafkammer mit der Vorsitzenden Richterin Huberta Knöringer hat für das Verfahren vorerst drei Verhandlungstage angesetzt. Mit Spannung wird erwartet, ob Becker - falls die Vorwürfe ganz oder teilweise zutreffen - gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis ablegen wird. Damit könnte er nach Angaben aus Juristenkreisen ein langwieriges Verfahren vermeiden und auf ein mildes Urteil hoffen.</P><P>Im Vorfeld des Prozesses hatten Spekulationen über einen entsprechenden "Deal" der Verfahrensbeteiligten - nämlich milde Bewährungsstrafe bei Geständnis und Steuernachzahlung - immer wieder für Aufsehen gesorgt. Nach Angaben des Gerichts und der Staatsanwaltschaft gibt es eine solche Verständigung aber nicht. Eine entsprechende Absprache kann jedoch auch nach Prozessbeginn getroffen werden. Solche Absprachen sind gerade in Wirtschaftsprozessen üblich, um langwierige Beweisaufnahmen abzukürzen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist aber auch bei Absprachen zwingend zu berücksichtigen, dass die Strafe schuldangemessen ist.</P><P>Becker soll unbestätigten Informationen zufolge kurz vor Prozessbeginn knapp 1,6 Millionen Euro an das Finanzamt überwiesen haben. Der Wahlmünchner und gebürtige Leimener hat sich bisher kein Wort zu dem Prozess entlocken lassen. Für die Vorbereitung des Verfahrens hat er drei Verteidiger gewonnen: die beiden Münchner Juristen Prof. Klaus Volk und Jörg Weigell sowie Prof. Erich Samson aus Hamburg.</P><P>Samson, der an der privaten, von der ZEIT-Stiftung getragenen Hamburger Hochschule "Bucerius Law School" unterrichtet, wird nach eigenen Angaben aber am Prozess nicht teilnehmen. Volk unterrichtet an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Strafrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht. Weigell hat sich unter anderem mit Veröffentlichungen zum internationalen Steuerrecht einen Namen gemacht.</P>

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