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Die Bediensteten der Queen wollen unbezahlte Sonderaufgaben nicht mehr übernehmen und drohen den Royals mit Streik.

Auf Schloss Windsor

Bedienstete drohen Queen Elisabeth II. mit Streik

London - Job bei der Königin, königliche Bezahlung? Gewerkschaftern zufolge kann davon jedenfalls auf Schloss Windsor keine Rede sein. Sie wollen den Royals ihren ersten Arbeitskampf einbrocken.

Schloss Windsor ist ein schöner Arbeitsplatz. Historische Mauern zwischen gepflegten Rasen, ein riesiger Park direkt vor den Toren, die Queen schaut sehr regelmäßig vorbei, und mit dem Zug ist es nur eine halbe Stunde nach London. Mehr als eine Millionen Besucher wollen jedes Jahr das älteste und größte bewohnte Schloss der Welt sehen, auf dem seit fast 1000 Jahren Monarchen residieren. Herumgeführt werden sie unter anderem von Aufsehern, die beim royalen Haushalt angestellt sind. Und deshalb gibt es Ärger.

„Von den Wärtern wird erwartet, dass sie diese zusätzliche Aufgaben unbezahlt übernehmen“, erklärt Richard Simcox von der Gewerkschaft PCS, in der hauptsächlich Angestellte der Regierung und öffentlicher Körperschaften organisiert sind. Mit den Führungen nehme der Palast Geld ein - deswegen sollten die Wärter dafür auch extra bezahlt werden.

Der Unmut ist so groß, dass dem Königshaus erstmals ein Arbeitskampf droht. Seit Dienstag werden Stimmzettel verschickt. Bei PCS zeigt man sich überzeugt davon, dass die Angestellten für ein „kollektives Handeln“ stimmen. Das sei zwar kein Streik, aber wenn die betroffenen Wärter - es sind 45 - die Extras wegließen, „würde das den Betrieb auf jeden Fall stören“, meint Simcox. 120 der rund 200 Angestellten auf Windsor sind gewerkschaftlich organisiert. Doch es geht nur um die Aufseher, die nicht unmittelbar für die Königsfamilie arbeiten.

Gut gewählter Zeitpunkt

Der Zeitpunkt ist clever gewählt: In Großbritannien tobt der Parlamentswahlkampf, und Löhne sind ein Thema. Zu Ostern ist die Queen traditionell auf Windsor. Am 21. April wird sie 89 Jahre alt, um den Dreh dürfte auch ihr neues Urenkelchen - das zweite Kind von Prinz William und Kate - geboren werden. Alle Welt schaut auf die Royals. Als knauseriger Arbeitgeber dazustehen kommt da nicht gelegen.

Unter dem Knauser-Verdacht steht das britische Königshaus ohnehin. Kürzlich suchte Elizabeth II. einen Chauffeur. Sieben Tage die Woche sollte der für Ihre Majestät bereitstehen, aber nur 23 000 Pfund brutto pro Jahr kriegen. Und damit wäre die Arbeit noch besser bezahlt als etwa die der Haushaltshilfe für den Buckingham-Palast, die derzeit gesucht wird. Exakt 14 513 Pfund und 16 Pence pro Jahr sind das Einstiegsgehalt, abzüglich Wohngeld. Für 40 Stunden Arbeit pro Woche, Montag bis Sonntag. Das sind keine 20 000 Euro im teuren London.

Auf Windsor kann das Personal etwas tun

Freie Mahlzeiten hin oder her, das klingt nicht sehr attraktiv. Andererseits hat vor eineinhalb Jahren ein unabhängiger Bericht gezeigt, dass der königliche Haushalt Angestellten mehr als 44 000 Pfund im Jahr zahlt, mehr als der Durchschnittslohn im Land. Für die gesuchte Haushaltshilfe wird das erst mal nicht gelten.

„Es gibt die gleichen Probleme in anderen Haushalten der Royals, aber nur auf Windsor sieht sich das Personal gerade in der Lage, etwas dagegen zu tun“, sagt Gewerkschaftssprecher Simcox. Die Arbeitgeber haben dafür kein Verständnis. Die Extraaufgaben seien freiwillig, teilt der Royal Collection Trust mit. Die Wärter seien gut bezahlt, die Sozialleistungen überdurchschnittlich.

Davon abgesehen: „Wir nehmen nicht an, dass es bei den Führungen für Besucher des Schlosses irgendwelche Störungen gibt“, sagt ein Sprecher weiter. Klingt wie ein ganz gewöhnlicher Arbeitskampf. Auch wenn es um einen ganz ungewöhnlichen Arbeitsplatz geht.

dpa

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