Bedrohter Rapper Najafi zeigt Ajatollah an

Hamburg - Der in Köln lebende Rapper Shahin Najafi steht jetzt unter Polizeischutz. Er hat Strafanzeige gegen einen Ajatollah wegen Aufrufs zum Mord gestellt.

Der iranische Großajatollah Lotfollah Safi-Golpaygani (92) hatte Berichten zufolge gegen den 31-jährigen Rapper ein Todesdekret erlassen, weil dieser in einem seiner Songs den zehnten Imam der schiitischen Muslime beleidigt haben soll. „Imam Naghi“ sei eine ironische Anlehnung an eine Facebook-Gruppe, die den Imam aus seiner Vergessenheit befreien wollte, sagte der Exil-Iraner der Zeitung. Er habe niemand beleidigen wollen.

Najafi, der seine geplante Europa-Tournee bereits absagte, lebt nun an einem geheimen Ort unter Polizeischutz. „Das ist eine Katastrophe. Ich bin nicht Salman Rushdie, der kann auch zu Hause schreiben“, sagte Najafi der „Bild am Sonntag“. Gegen den indisch-britischen Schriftsteller Rushdie war 1989 wegen seines Buchs „Die Satanischen Verse“ eine Todes-Fatwa ausgesprochen worden. Jahrelang lebte er unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Auch wenn der Iran die Affäre 2001 für beendet erklärte, wird Rushdie bis heute von Muslimen bedroht, die das Werk für blasphemisch halten.

Die Polizei habe ihm geraten, die Stadt zu verlassen, sagte der Musiker der „Bild am Sonntag“. „Ich habe Todesangst.“ Obwohl er unter Polizeischutz stehe, fühle er sich unsicher. „In der Vergangenheit hat das iranische Regime auch in Deutschland politische Morde begangen“, sagte er. Er müsse jede Sekunde auf seinen Tod warten. „Ein normales Leben kann ich nicht mehr führen.“

Naja sagte weiter, er sei Künstler und müsse auf die Bühne. Andererseits sei ihm aber auch klar, dass er “einfach aufpassen“ müsse. “Die machen keinen Spaß.“ Anfangs habe er die Situation noch falsch eingeschätzt. “Ich konnte es nicht glauben. Erst als ich im Internet das Kopfgeld sah, die 100 000 Dollar, die auf mich ausgesetzt worden sind, verstand ich wirklich, das ist jetzt Ernst.“ Diese Einschätzung teile laut dem "Spiegel" auch das nordrhein-westfälische Innenministerium.

Vor sieben Jahren musste Najafi den Angaben zufolge aus Angst vor Verhaftung aus dem Iran fliehen. Seine Lieder wurden verboten, die Alben beschlagnahmt. Laut „tagesschau.de“ werden seine Songs auf dem Schwarzmarkt gekauft oder im Internet heruntergeladen. Er gelte vielen als „iranischer Eminem“.

Für YouTube hat der Musiker eine Karikatur entworfen, die eine Moscheekuppel zeigt, allerdings in Gestalt einer Frauenbrust mit Regenbogenfahne auf der Spitze. Auch bei Facebook findet Najafi offenbar viel Zuspruch. Weit mehr als 200.000 Menschen haben den „Gefällt-Mir“- Button auf seiner Facebook-Seite angeklickt. Auch hier hat der Rapper seine Karikaturen veröffentlicht.

dapd/dpa

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