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Ottfried Fischer

Neue Serie: Red ma moi!

Besuch bei Otti Fischer: „I bin a bairischer Poet“

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Wir haben den Kult-Schauspieler und Kabarettisten Ottfried Fischer in seiner Wohnung besucht. Ein Gespräch über Poesie, über Schwabing und die Beatles.

München - Was gibt’s besseres als ein gutes Gespräch? An Ratsch, an Schmaaz, wie der Bayer sagt. Einfach mal nur reden – über Gott und die Welt. Ohne Ziel. Unser Redakteur Armin Geier trifft sich mit interessanten Leuten, um genau das zu tun. Sein Motto: Red ma moi! Das kann mit dem Promi sein, aber auch mit dem Münchner, der einfach was Gutes zu erzählen hat. Heute beginnen wir mit Ottfried Fischer (63).

Ein Wohnhaus in Schwabing, es ist ein kalter Januarmorgen. Lautlos zieht mich der Aufzug im Treppenhaus nach oben. Fünfter Stock. Die Tür öffnet sich – und ich stehe direkt in Ottfried Fischers Wohnung.

Respekt! Du hast ja einen eigenen Aufzug. Ist ja wie in einem Penthouse in Hollywood.

Fischer (lachend): Kumm rei. Ja, den brauch ich schon. Ich geh mich ja schwer. Ist sehr praktisch. (Bei diesen Worten hebt er eine seiner Krücken, die ihn stützen.)

Hast du einen Unfall gehabt?

Fischer: Nein, nein. Meine Knie sind kaputt. Dazu kommen noch die anderen Wehwehchen.

Muss ich mir Sorgen machen?

Fischer: Na – noch ned. Des werd scho wieder.

Und, wie läuft’s so?

Fischer: Ich toure natürlich noch. Das brauche ich. Da lass ich mir von meinem Körper nix vorschreiben. So, setz ma uns…

Do schau her – dein Schreibtisch ist ja noch chaotischer als meiner in der Redaktion.

Fischer: Des muss so sein. Ich schreib ja den ganzen Tag.

Was denn? Geschichten?

Fischer: Weniger. Oft Gedichte.

Echt? Dass du Dichter bist, wusste ich jetzt ned.

Fischer: Die wurden auch noch nicht veröffentlicht. Sind aber keine Schüttelreime (Otti grinst frech. Ich hingegen brauche ein paar Momente, bis ich den Witz verstehe.)

Haha – du meinst wegen Parkinson. Jetzt komm ich mit. („Depp!“, beschimpfe ich mich selbst in Gedanken).

Fischer: Mogst oans hearn? A Gedicht?

Logisch.

Unterm S-Bahnbogen

Als Trost das Leid dir nun die Seele bleicht,

Verlust verdrängt, zu lang zu schwach gespürt

Leis´Altlast langsam einer Lösung weicht,

Gleichwohl ein Rest von Poesie dich rührt.

Gedichte selbst verfangen im Vergleich,

Wie mit Verlust mit Stock und Taschentuch,

Seh´n Trümmer einer Liebe einst so reich,

Verrat am Leben, wie durchs off´ne Buch.

Verführung blitze manchmal fremd als Bein

Doch reichte selbst auch als Verdacht nie aus.

Wehleid hoch zum S-Bogen-Bogen schrein!

Doch Züge nehmen nichts mit sich hinaus.

(copyright O. Fischer)

Fischer: Wart a mal (Otti zieht zielsicher ein Blatt aus einem Stapel). Das heißt ‚Unterm S-Bahnbogen‘. (Er beginnt zu lesen – siehe Kasten rechts).
Sehr schön! Sehr melancholisch.
Fischer: Ja, da geht’s ja um Liebeskummer. Und Liebe tut doch immer weh. Irgendwie.
Irgendwie irgendwann imma.
Fischer: Die Gedichte würde ich gern veröffentlichen. Das soll mein nächstes Projekt werden. So ein Bändchen. Mit Illustrationen.
Kling gut. Was ist mit Fernsehen? Hast du da was am Laufen?

Fischer: Na, die wollen mich ned. Mogst a Nusshörndl? An Kaffee – oder a Weißbier?
An Kaffee nehm ich. Danke. Aber wie? Die wollen dich ned?
Fischer: Naja, Ottis Schlachthof hätte ich schon weitergemacht. Trotz Erkrankung. Den Zuschauern hat es doch gefallen, oder?
Zweifelsohne! Aber das war nicht gewünscht?

Fischer: Kann man so sagen. Ich red zu schnell und man versteht mich nicht, sagte mal einer zu mir.
Aber du hast doch schon immer zu schnell geredet.

Fischer: Stimmt! (er lächelt)

Vielleicht muss man echter Bayer sein, um dich zu verstehen.

Fischer: Haha, des werds sei. Aber des hat System. Als du geschrieben hast, dass der BR nichtmal das Jubiläumskonzert der Spider Murphy Gang dieses Jahr überträgt – da bin i fast vom Stuhl gefallen.

Und du hast gleich öffentlich protestiert dagegen…

Fischer: Ja, des geht doch gar ned. Jeder mog die Spiders. Und dann ignoriert man die? Traurig.

Der Gerhard Polt hat mal zu mir gesagt, dass das Fernsehen an Qualität nimmer interessiert ist.

Fischer: Der Gerhard hat eh immer Recht.

Wenn du fernsehschaust, und in die tausendste Wiederholung von einer deiner Serien reinschaltest – schaust du das an?

Fischer: Ja – das ist wie wenn du ein altes Fotoalbum findest. Aber ich schau selten Fernsehen.

Dein Lieblings-Werk?

Fischer: Irgendwie und Sowieso. Da passiert in jeder Folge etwas Besonderes. Und alle Folgen zusammen sind wie ein großer, langer Film. Das war wunderbar. Bogners Meisterwerk.

„Zur Freiheit“ hab ich geliebt.

Fischer: Auch gut. Aber des hod auch mal a Länge gehabt. Irgendwie und Sowieso nicht.

Später haben dich Klamauk-Komiker parodiert, weil dein Spiel in Der Bulle von Tölz so steif war. Hat dich das geärgert?

Fischer: Ned wirklich. Damals war meine Parkinson-Erkrankung ja noch nicht öffentlich.

Die wussten nicht, was sie tun…

Fischer: Sozusagen. Außerdem ist das ruhige, stille Schauspielen in Amerika eine ganz hohe Kunst (Otti lächelt – und starrt regungslos nach vorne. Mit montoner Stimme sagt er: „Hat jemand den Tatort gesichert?“)

Die Aufzugstür öffnet sich. Danny tritt herein, Ottis Neffe. Der 24-Jährige schaut hin und wieder nach seinem Onkel, erledigt auch mal Einkäufe. „Ich hab den Leberkäs dabei“, ruft er uns zu. Wir nicken zufrieden. Danny verschwindet in die Küche.

Seit wann wohnst du eigentlich in Schwabing?

Fischer: Seit 1979. Ich liebe diesen Stadtteil. Hab übrigens auch darüber ein Gedicht geschrieben.

Gibt es dein Schwabing noch? Das von früher. Mit diesem Schwabinger Geist?

Fischer: Ja, aber man muss suchen. Die Städteplaner sind halt der natürliche Feind der Stadt. Dass die beispielsweise jetzt den Elisabethmarkt so umbauen wollen, ist ein Unding. Solche Orte machen Schwabing aus.

Die Kneipen, die Jazz-Clubs – früher war viel mehr los.

Fischer: Jetzt muss sich halt alles irgendwie lohnen. Des war früher anders. Da ging’s auch mal nur um die Kunst. Ned ums Geld. (Danny stellt in diesem Moment Otti eine Leberkäs-Semmel vor die Nase. Er beißt genüsslich rein.)

Wenn man sich in deiner Wohnung umschaut, dann springt einen Kunst überall ins Gesicht. Bilder, Bücher, Schallplatten…

Fischer: Das ist mir halt wichtig. Meine Therapie. Ich lese viel. Wenn ich was anschaue, dann Filme oder alte Songs auf Youtube.

Was hat’s mit dem Bild von John Lennon und seiner Yoko auf sich? Nackert.

Fischer: Ich war und bin schon immer ein großer Beatles-Fan. Deswegen hängen die da.

Aber Yoko? Ich mag die ned. Die ist schuld, dass die Beatles auseinander sind.

Fischer: Haha, ja – irgendwie kann man sie im Studio stänkern hören (imitiert eine geifernde Frauenstimme): „Nein, John, mach das nicht – der Paul darf da viel länger singen als du. Komm, wir gehen“.

Eben! Und schee wars a ned.

Fischer: Ich war aber von der Beatles-Fraktion. Die anderen mochten die Stones lieber. Mick und Keith waren zwar cooler, aber auch musikalisch schlampiger. Und ich bin ein Perfektionist.

Und du warst doch immer der Revoluzzer.

Fischer: Daher habe ich auch ein Bild vom Che Guevara am Kühlschrank hängen. Mogst a Cola?

Oh ja!

Fischer: Konnst da ausm Kühlschrank holen.

(Ich geh in die Küche). Da hängt a ja, da Che! Und das neben einem tz-Artikel.

Fischer: Ja, der motiviert mich jeden Tag. Also der Che. Haha.

Nach dem Cola muss ich leider wieder los. In die Redaktion.

Fischer: Ich hab den Vorteil, dass ich nix mehr arbeiten muss – nur wann i mog.

I ned. Soll ma nächste Woche mal zum Wallner gehen – Weißwürst essen?

Fischer: Super Idee.

Ich ruf dich an.

Fischer: Einwandfrei.

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