Biografie: Lisa Fitz und das Knie vom Strauß

München - In ihrer Biografie geht Lisa Fitz mit den Frauen hart ins Gericht und wettert gegen die "Heulsusen". Die Garnierung ist eine Story über ein "pikantes Treffen" mit Franz Josef Strauß.

Die Kabarettistin Lisa Fitz hat was gegen Frauen - nicht gegen alle, aber gegen “Solarluder mit Lizenz zum Hautkrebs“ oder “das Mutti - ein Neutrum“. “Es grassieren Putzfimmel, Sauberkeitswahn, Desinteresse an Politik, neurotisch limitierte Fokussierung auf Haushalt und Kinder“, schreibt sie in ihrer gerade im Heyne-Verlag erschienenen Biografie “Der lange Weg zum Ungehorsam - Erinnerungen für die Zukunft“. Die meisten Hausfrauen lesen ihrer Ansicht nach nur “Frau-ohne-Hirn-Blätter“, Harry Potter und Rosamunde Pilcher. Man glaube gar nicht, wie selten es Frauen “mit Witz und Esprit“ gebe, deren “IQ über Saunatemperatur liegt“. Dass sie selbst sich zu den raren Ausnahme-Exemplaren zählt, daran lässt die Fitz, die Mitte September ihren 60. Geburtstag feiert, keinen Zweifel.

Selbstreflexion überflüssig

Denn ihre Autobiografie wirkt wie eine einzige Hommage an sie selbst. Die meisten anderen Promis, die ihre Lebensgeschichte zwischen zwei Buchrücken pressen wollen, geben sich zumeist noch einen selbstkritischen Anschein. Lisa Fitz aber hält sich mit solchen Dingen nicht auf. Selbstreflexion? Wozu?

Sie inszeniert sich als starke Frau, als freche Frau, als “Powerfrau“ - und beschreibt die Bewunderung, mit der ihre Geschlechtsgenossinnen sie mitunter betrachten. “Wo haben Sie nur die Power her?“, fragte die zierliche Frau im grauen Anorak und sah mich bewundernd an“, heißt es auf Seite 360. Das Ziel ihres Buches: “beschreiben, wie weibliche Kraft entsteht“.

Seitenhiebe für Kollegen

Und dafür gibt die 59-Jährige in detailreichen Erinnerungen und langen, gestelzten Dialogen einen Einblick in ihre Kindheit in der Elisenstraße in Krailling bei München, an die Rebellion in der Jugend und an die Eckpunkte ihrer Karriere - inklusive RTL-“Dschungelcamp“ und “Schulmädchenreport“.

“Ich war das einzige Mädchen im Film, das Nein sagte und den Sex verweigerte - immerhin“, rechtfertigt sie ihren Auftritt in den Schmuddelfilmchen der 70er - und gibt auch gleich noch den Kollegen einen Seitenhieb mit auf den Weg: “Meine Kolleginnen Gundi Ellert, Jutta Speidel und Konstantin Wecker hatten wesentlich Schärferes zu spielen und mögen heute nicht mehr so gerne daran erinnert werden. Mit Recht.“

Schwieriges Verhältnis zur Mutter

Zwischendurch beschreibt Fitz das Entsetzen als sie herausfand, dass ihre Elisenstraße früher Adolf-Hitler-Straße geheißen habe. Sie huldigt ihrem Mentor Dieter Hildebrandt und ihrer geliebten Mutter, mit der das Verhältnis nicht immer leicht war.

Jungen Kollegen, die sich heute Comedians nennen, sagt sie, was sie von ihnen hält: “Ich könnte kotzen, wenn ich das geistlose Geschwalle dieser Garderobenkomiker und Betriebsfeierclowns höre.“ Und sie fügt hinzu: “Gegen diese Proletenkomiker mit ihren Dumm-dumm-Geschossen, ihren hirnlosen Proll-Gag-Kalaschnikows, sind Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer geradezu charmante Feingeister.“

Puff-Besuch und erster Orgasmus

Das spannendste an Lisa Fitz' neuem Buch sind für viele sicher ihre Männergeschichten. Die Autorin lässt ihre Leser gerne teilhaben am ersten Kuss, am ersten Orgasmus und nimmt sie - Charlotte Roche lässt grüßen - mit zum Puff-Besuch.

Aufsehen erregen wird wahrscheinlich vor allem das Kapitel über Bayerns Übervater Franz Josef Strauß (1915-1988), der - so erinnert sich Fitz heute - Gefallen an der jungen Lisa gefunden und sie höchstselbst angerufen und zum Date in die “Osteria Romana“ in Schwabing eingeladen habe.

Das Knie vom Strauß

Strauß sei mit ihrem Vater Walter Fitz, einem bekannten Strauß-Imitator, befreundet gewesen. Nachdem der dem Ministerpräsidenten eine CD mit einer Widmung seiner Tochter geschenkt habe, habe er sie angerufen und zum Essen eingeladen, erzählt sie. “Auf einmal, wir hatten den Hauptgang gerade hinter uns, spürte ich unter dem Tisch einen Druck an meinem Bein“, schreibt Lisa Fitz. “Es war das Knie vom Strauß.“

Später seien die beiden mit einem Pärchen in eine Wohnung gegangen. “Ein Mann muss nicht schön sein, um sexuelle Ausstrahlung zu haben. Und die hatte FJS“, schreibt Fitz, die damals Mitte zwanzig war. Nach einem “feuchten Duz-Kuss mitten auf den Mund“ aber will Lisa Fitz gerade noch die Kurve gekriegt haben. “Bussi, Franz - den Abend mit dir werde ich nie vergessen. Und noch heute frage ich mich zuweilen, ob ich nicht vielleicht doch...“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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