Selbstironie statt Gangster-Attitüde: Holunder, Roger, Sepalot, Cajus und Schu (v. l.) gehen künftig getrennte Wege. dpa

Bandauflösung nach über 20 Jahren

Blumentopf: Weiteres Abschiedskonzert in München

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München - Es war ein Schreck für die Fans der Münchner Hip Hop-Combo Blumentopf: Vor gut einer Woche gab die Band bekannt, dass sie sich auflöst - nach über 20 Jahren. Die Abschiedskonzerte waren in Rekordzeit ausverkauft - jetzt gibt es einen weiteren Termin im Münchner Zenith.

„Niemals wird es wieder so werden, wie es war.“ Die ersten Zeilen des Blumentopf-Klassikers „6 Meter 90“ sind in den vergangenen Tagen viel zitiert worden. In dem Stück aus dem Jahr 1997 machte sich der Topf über die Massenhysterie unter Mädchen nach der Auflösung von Take That lustig. 18 Jahre später weinen nun die Fans der Münchner HipHop-Band, die vergangene Woche nach 23 Jahren via Facebook ihre Trennung verkündete. Das Video wurde inzwischen mehr als eine halbe Million Mal angesehen. Nur acht Stunden dauerte es, um das Abschiedskonzert auszuverkaufen – obwohl es erst in einem Jahr stattfindet.

Blumentopf: Weiterer Konzert-Termin für die Fans

Um den Fans die Trauerarbeit zu erleichtern, gibt es nun einen zweiten Termin, am 9. Oktober 2016. Leider wieder im Zenith, obwohl doch eigentlich die Muffathalle zwei Jahrzehnte lang das Wohnzimmer der Gruppe war. Die Münchner (beziehungsweise Freisinger) hatten in den Neunzigern gemeinsam mit Main Concept den eher entspannten Hip-Hop-Sound ihrer Stadt geprägt. Statt Gangster-Attitüde herrschte Selbstironie, was in der testosterongeschwängerten Szene nicht alle goutierten. Man rappte auch mal mit der Münsinger Blaskapelle oder ging auf Freestyle-Tour – ein ganzer Abend mit improvisierten Texten. Großartig! Und mit ihren „RAPortagen“ nach Fußball-Länderspielen in der ARD wurden sie einem Millionenpublikum bekannt.

Doch natürlich stellt sich irgendwann die Frage, ob Hip-Hopper in Würde altern können. Rapper Holunder, der sich 1997 mit langen Haaren und voluminöser Wollmütze über seine kleine Schwester und Take That lustig machte, fährt zwar noch immer Skateboard, kämpft aber mit einer hohen Stirn, hat Familie und einen Doktortitel in Biophysik. Kollege Cajus betreibt mit seiner Freundin ein Café am Walchensee. Beides keine typischen Beschäftigungen im Rap Game. „Roger und Schu“ dagegen sind als Duo auf Tour. So hat man sich, in aller Freundschaft, nach 23 Jahren auseinanderentwickelt. Trotzdem haben sie mit ihrem letzten Studioalbum „Nieder mit der GBR“ im Jahr 2012 der Konkurrenz nochmal gezeigt, wie entspannt und intelligent Rap-Musik sein kann. Damit ist jetzt Schluss. Es ist ein Jammer.

„Die Erde dreht sich weiter, so als ob nichts gewesen wär“, heißt es am Ende von „6 Meter 90“ nüchtern. Da hat sich die kleine Schwester aus Verzweiflung über Take That schon aus dem Fenster gestürzt. So weit müssen Topf-Fans nicht gehen. Sie dürfen sich ja ein Jahr lang auf zwei Abschiedskonzerte freuen.

Zusatzkonzert am 9. Oktober 2016 im Zenith; Karten: 01806/ 57 00 00.

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