Boris Becker will 2,3 Millionen Euro

- München - Das Landgericht München I befasst sich an diesem Mittwoch mit einer millionenschweren Schadenersatzklage von Ex-Tennisstar Boris Becker gegen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ"). Diese hatte im Herbst 2001 ohne Beckers Einwilligung mit seinem Foto für ihre Sonntagsausgabe geworben. Dafür verlangt Becker die bei Werbeverträgen übliche Lizenzgebühr für die Verwendung seines Porträts und Namens und setzt diese mit gut 2,3 Millionen Euro an.

Der Zeitungsverlag hatte sein neues Produkt mit einer fiktiven Titelseite beworben, die unter anderem ein Bild von Becker zeigte neben der Schlagzeile "Der strauchelnde Liebling". Ein entsprechender Artikel erschien jedoch nie. In mündlicher Verhandlung will die 21. Zivilkammer nun die Klagebegründung von Becker genauer unter die Lupe nehmen. Dazu ist auch ein Sachverständiger geladen.

Becker und seine Anwälte argumentieren, die umstrittene Werbung sei seinerzeit in Zeitungen, auf Plakatwänden, Bussen und Bahnen mit einer Gesamtauflage von über 50 Millionen Exemplaren verbreitet und per Fernsehwerbung über 25 Millionen Zuschauern gezeigt worden. Bereits bei einem Ansatz von 6 Pfennigen pro Exemplar bzw. Zuschauer komme man auf den jetzt geforderten Euro-Betrag.

Der Verlag hält nach Angaben des Gerichts allenfalls eine Lizenzgebühr im "Promillebereich" des geforderten Betrags für angemessen. Nach seiner Auffassung erlaube die Pressefreiheit auch die lizenzkostenfreie Herstellung so genannter Dummys, die den Eindruck vom äußeren Erscheinungsbild eines künftig erscheinenden Presseproduktes vermitteln sollen. Dem waren das Landgericht München I und das Oberlandesgericht (OLG) München in einem vorangegangenen Verfahren jedoch nicht gefolgt, in dem sich Becker genaue Auskunft des Verlages über den Umfang der genannten Werbekampagne erstritten hatte.

"Dem Grunde nach" hatten beide Gerichte Becker Schadenersatz zugestanden, in der zweiten Runde geht es nun um die Höhe. In der mündlichen Verhandlung vor dem OLG hatte der Vorsitzende Richter jedoch signalisiert, dass er sich höchstens 30 000 Euro vorstelle. Wie die Vorinstanz hatte der OLG-Senat befunden, dass Beckers Persönlichkeitsrecht das von der "FAZ" angeführte Grundrecht der Presse- und Meinungsfreiheit überwiege.

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