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„The Boss“, Bruce Springsteen.

Der "Boss" wird 60

Frankfurt/Main - Es hat eine Weile gedauert, bis sich der Arbeitersohn aus New Jersey zum “Boss“ der Rockmusik hochgearbeitet hat. Jetzt feiert Bruce Springsteen den 60. Geburtstag.

Nach den ersten Gehversuchen in Schülerbands ab 1965 lagen zunächst zwei von der Kritik gelobte, vom großen Publikum aber übersehene Alben auf dem Karriereweg Bruce Springsteens. Mit dem dritten Wurf, “Born To Run“ gelang ihm 1975 ein phänomenaler Durchbruch.

Heute ist Springsteen einer der wenigen, dessen Werk neben einem Bob Dylan bestehen kann. Am kommenden Mittwoch (23. September) feiert er seinen 60. Geburtstag.

Springsteen ist ein Rock-Poet, der wie kaum ein anderer die Sorgen, Nöte und Sehnsüchte des kleinen Mannes in Worten und Musik ausdrücken kann. Der Sohn eines Busfahrers niederländisch-irischer Herkunft und einer Mutter italienischer Abstammung wurde geprägt vom Arbeitermilieu und dem Katholizismus, mit dem er aufwuchs.

Die Mutter, die die Familie zusammenhielt, liebte er; gegen den Vater, der seine eigene Unzufriedenheit an seiner Umgebung ausließ, rebellierte er. “Ich habe ihm zu danken“, sagte Springsteen über seinen Vater, als er 1999 in die Hall of Fame des Rock and Roll aufgenommen wurde. “Was hätte ich denkbarerweise ohne ihn schreiben können? Wenn alles toll zwischen uns gewesen wäre, wäre das eine Katastrophe gewesen. Ich hätte einfach nur fröhliche Lieder geschrieben - ich habe das Anfang der 90er versucht und es hat nicht funktioniert. Es hat den Leuten nicht gefallen.“

Nach den ersten Alben von 1973, “Greetings from Asbury Park, N.J.“ und “The Wild, The Innocent & The E Street Shuffle“, feilte Springsteen an der Zusammenstellung seiner Band - und suchte noch nach dem großen Thema, das seine Karriere bis ins 21. Jahrhundert tragen sollte. Mit “Born To Run“ hatte er es 1975 gefunden; Springsteen drückte damit für Millionen die Rebellion gegen eine Lebensperspektive aus, die nur aus Arbeit und Langeweile zu bestehen schien.

Die Zukunft des Rock'n'Roll“

976 kam es zum großen Konflikt mit seinem Manager Mike Appel, der Springsteen 1972 entdeckt hatte. Springsteen hatte einen Vertrag unterschrieben, der ihm nur dreieinhalb Prozent am Erlös eines Albums sicherte. Appel bekam 14 Prozent. Der Musiker beauftragte Jon Landau und einen Anwalt, dagegen gerichtlich vorzugehen. Nach einem Jahr endete der Streit mit einem außergerichtlichen Vergleich; Springsteen stand es nun frei, sich ein neues Management zu suchen und seine eigenen Entscheidungen über seine Karriere zu treffen. Landau, ursprünglich Musikjournalist, wurde nun zum wichtigen Partner Springsteens.

Bei “Born To Run“ war er bereits Koproduzent gewesen. 1974 hatte er nach einem Konzert begeistert geschrieben: “Ich habe die Zukunft des Rock'n'Roll gesehen - und ihr Name ist Bruce Springsteen .“ Springsteen erfüllte diesen Ausspruch: Im Laufe der Jahre sammelte er 19 Grammys, zwei Golden Globes, einen Oscar und viele andere Auszeichnungen. Weltweit verkaufte er mehr als 120 Millionen Alben. Sein Weg auf der “Thunder Road“ hunderter Konzerte verlief aber nicht geradlinig; zwei Ehen scheiterten, seit 1988 ist er mit Patty Scialfa zusammen, die damals Background-Sängerin der E Street Band und Scheidungsgrund von Ehe Nummer zwei war. Ende 1989 ließ Springsteen die Mitglieder der E Street Band wissen, dass er sie nicht mehr brauche. Von 1984, nach “Born In The USA“, bis 1999 gab es kein Album mit der gesamten E Street Band mehr; 1995 gab es nur eine kurze Reunion.

Von 1999 bis 2000 feierten Springsteen und E Street Band mit einer Reunion-Tour ein triumphales Konzert-Comeback. Springsteen-Konzerte sind ein mehrstündiges Ereignis, bei denen er sich völlig verausgabt und mit seiner Band ein Stadion in den Bann schlägt. Auf der Bühne wird Springsteen zum “Boss“, zum absoluten Herrscher. Der Spitzname soll aus den 70er Jahren stammen, weil es immer Springsteen gewesen sein soll, der bei den Veranstaltern die Gage abgeholt und dann an die anderen verteilt habe.

Stimme des kleinen Mannes

In der Zwischenzeit veröffentlichte Springsteen Soloalben. Schon 1982 hatte er mit “Nebraska“ ein düsteres, sparsam instrumentiertes Solowerk veröffentlich. 1992 folgte mit “Human Touch“ und “Lucky Town“ ein Doppelschlag mit zwei gleichzeitig veröffentlichten Alben, die rockiger waren und Springsteen wieder ganz oben nach oben brachten.

1995 setzte “The Ghost of Tom Joad“ in der Tradition von “Nebraska“; 2005 setzte “Devils & Dust“ diese Schaffenslinie fort. Auf die Anschläge vom 11. September 2001 reagierte Springsteen mit dem 2002 veröffentlichten “The Rising“ - das erste Album mit der gesamten E Street Band nach 18 Jahren. Mühelos gelang es ihm, sich damit wieder zur Stimme des kleinen Mannes zu machen - und sich zugleich dem Druck des damaligen Präsidenten George W. Bush zu entziehen, auch ein Künstler habe in schwierigen Zeiten patriotisch zu wirken.

Springsteen hat in den 80er Jahren die Antiatomwaffen-Initiative No Nukes und in mehreren Wahlkämpfen demokratische Präsidentschaftskandidaten unterstützt. Seine Musik im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts fing Atmosphäre und Alltag der Bush-Jahre ein, ohne auf das Niveau von Agitpop abzusinken: “Magic“ 2007 und das zum Amtsantritt von Barack Obama veröffentlichte “Working On A Dream“ belebten den amerikanischen Traum von der Freiheit wieder, dem Versprechen, das jeder seines Glückes Schmied sein und von seiner “Queen Of The Supermarket“ träumen darf.

ap

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