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Bestseller-Autor Dan Brown.

Bestseller-Autor im Interview

Dan Brown über Snowden und Geheimdienste

Miami - Auch wenn Bestseller-Autor Dan Brown Sympathien für Edward Snowdens Enthüllungen hat, zeigt er ebenso Verständnis für die Geheimnisse von Regierungen.

Bestseller-Autor Dan Brown (49) hat Verständnis für die Geheimnisse von Regierungen. Er habe Sympathien für Edward Snowdens Enthüllungen, „aber die Wirklichkeit ist, dass manche Informationen aus einem bestimmten Grund geheim sind“, sagte der US-Schriftsteller im Interview der Nachrichtenagentur dpa in Miami. In seinen Romanen kommt der Symbolforscher Robert Langdon düsteren Kirchen-Geheimnissen und globalen Verschwörungen auf die Spur, so auch im neuesten Werk „Inferno“, das seit Monaten in den Bestseller-Listen steht.

Im Interview erklärt Brown, warum Verschwörungstheorien und Religionen beliebt sind und nach welchem Kriterium er seine Bücher schreibt.

Fühlen Sie sich als Sklave ihres eigenen Erfolgs? Würden Sie gern mal andere Arten von Geschichten schreiben?

Brown: Ich mag den Weg, auf dem ich bin. Aber ich kann mir auch vorstellen, etwas anderes zu schreiben, auf eine andere Art oder mit anderen Charakteren. Ich habe zwei Technologie-Thriller geschrieben - das könnte ich noch einmal machen. Mich würde es nicht stören. Ich habe einen ganzen Strauß von Ideen, an denen ich gerade feile.

Es scheint, als gäbe es zur Zeit eine Menge verborgener Wahrheiten in unserer Gesellschaft. Sollten wir alle ein bisschen werden wie Ihr Romanprotagonist, Robert Langdon?

Brown: Es gibt viele Dinge, die hinter den Kulissen passieren, für die wir die Augen aufhalten müssen, gerade in der Welt der Technik, Privatsphäre, Politik, Regierungen. Die NSA-Angelegenheit wird immer relevanter. In „Inferno“ geht es viel um die Zukunft der Welt - auch etwas, worüber die Menschen nachdenken sollten.

In Ihrem neuen Buch geht es auch um eine „moralische Krise“.

Brown: Es ist schwer zu leugnen, dass wir eine Umweltkrise erleben, eine Bevölkerungskrise, eine ethischen Krise in vielerlei Hinsicht. Es ist mir egal, welche Position jemand wählt, aber man sollte Stellung beziehen, denn wenn man einfach still dasitzt und nicht selbst handelt, dann wird man zum Teil des Problems. Das hat Dante schon in der „Göttlichen Komödie“ gesagt.

Ist Edward Snowden eine Art Robert Langdon?

Brown: In meinem allerersten Roman „Digital Fortress“ ging es genau um diese Angelegenheit: Dass jemand die Geheimnisse der NSA erzählt. Das ist jetzt 15 Jahre her. „Digital Fortress“ stellte die Frage: Wie viel Privatsphäre würdest du im Namen der nationalen Sicherheit opfern? Snowden arbeitet in dieser Grauzone. Seine Geschichte ist faszinierend. Ich verstehe seinen Standpunkt vollkommen, aber ich bin nicht ganz einverstanden mit seinen Methoden.

Was wird als Nächstes passieren?

Brown: Ich glaube nicht, dass es eine enorme Veränderung geben wird, weil Geheimnisse fundamental für die Leitung einer Regierung, eines Verteidigungsprogramms sind. Mir gefällt es, [was Snowden macht], aber ich denke, die Wirklichkeit ist, dass manche Informationen aus einem bestimmten Grund geheim sind. Das Gute [an den Enthüllungen] ist, dass die Bevölkerung versteht, was vor sich geht und entscheiden kann, ob sie das gut findet.

Warum sind Verschwörungstheorien eigentlich so beliebt?

Brown: Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, im Gegenteil. Ich bin Skeptiker, ich glaube nicht an Aliens und solch verrücktes Zeug. Ich glaube, dass der menschliche Geist ein physisches Bedürfnis nach dem Gefühl hat, dass jemand die Kontrolle hat und nicht alles einfach zufällig passiert. Da kommt die Religion ins Spiel. Es fühlt sich gut an, dass ein Gott die Fäden in der Hand hält und über uns wacht. Das macht eine Verschwörungstheorie aus: Etwas Schlechtes geschieht. Es ist zu schmerzhaft, um mir vorzustellen, dass es aus purem Zufall passiert ist. Also erfinde ich die Fäden, die das Ereignis auf etwas Anderes zurückführen. Wenn etwas Schreckliches geschieht, ist es manchmal schlicht Pech. Aber das ist für uns schwer zu begreifen.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Vatikan nach den Kontroversen über Ihre Bücher?

Brown: Meine Hoffnung ist, einen Dialog, eine Debatte in Gang zu setzen. Ich begrüße Kritik und Kontroversen, weil sie die Leute zum Reden bringen. Ich habe den Eindruck, dass ich bei meinen Recherchen versuche, fair zum Vatikan und zu Opus Dei zu sein. Der Vatikan hat sich viel über die Idee beschwert, dass Jesus verheiratet gewesen sein könnte. Verständlich. Ich brauche das nicht, dass jemand „Sakrileg“ liest und sagt: „Ich glaube das komplett und vergesse die Bibel“. Das Ziel ist, dass Menschen sagen: „Ich habe so noch nie darüber nachgedacht. Es ist ein anderer Weg, die Dinge zu sehen.“

Was halten Sie vom neuen Papst?

Brown: Er scheint fortschrittlich zu sein. Ich wünsche ihm enormen Erfolg, der Vatikan muss in die moderne Zeit eintreten, und er macht den Eindruck, dass er das versteht. Sie [die Kirche] muss in punkto Transparenz und Verständnis Fortschritte machen. Seit der Vatikan die meisten seiner Regeln aufgestellte, hat sich die Welt sehr verändert.

Stört Sie eigentlich das manchmal etwas abwertend gemeinte Etikett „Bestseller“-Autor?

Brown: Ich erschaffe das Buch, dass ich selbst lesen will und folge dafür meinem eigenen Geschmack. Das ist, was ich mag. Man hofft, dass andere Leute denselben Geschmack haben. Manche tun es, andere nicht, das ist die Natur der Kunst, das ist Teil des Dialogs.

dpa

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