Ein Buchprüfer für den spanischen König

Madrid - Was macht König Juan Carlos mit seinem Geld? Diese Frage ist in Spanien schon häufig gestellt worden, aber sie blieb stets unbeantwortet.

Nach der spanischen Verfassung bekommt der Monarch aus dem Staatshaushalt jedes Jahr eine bestimmte Summe für sich und die Angehörigen der königlichen Familie zugeteilt. Mit diesem Geld - im laufenden Jahr sind es 8,3 Millionen Euro - darf der König anstellen, was er will. Darüber muss er weder der Regierung noch dem Parlament Rechenschaft ablegen.

Er muss nicht einmal sagen, welchen Anteil davon er für sich selbst behält und was für die Königin Sofía, den Kronprinzen Felipe oder die Infantinnen Elena und Cristina abfällt. Die kleineren Linksparteien hatten im Parlament mehrfach Aufklärung über die königlichen Finanzen verlangt, aber ihre Anfragen wurden von den großen Parteien stets zurückgewiesen.

Nun ergriff der König überraschend selbst die Initiative. Er ernannte von sich aus einen "Buchhalter", der die Ausgaben des Königshauses kontrollieren soll. "Juan Carlos wird damit der erste Monarch in der spanischen Geschichte sein, dessen Buchhaltung überwacht wird", schreibt die Zeitung "El Mundo".

Damit ist das Tabu der königlichen Finanzen allerdings noch nicht gefallen. Der Rechnungsprüfer Seiner Majestät - ein 72-jähriger, pensionierter Finanzexperte namens Oscar Moreno Gil - wird nämlich nicht das Parlament oder die Öffentlichkeit über die Ausgaben des Palastes informieren, sondern nur den Monarchen selbst. Die Ernennung eines Buchprüfers sei ein "interner Vorgang", mit dem die Arbeit des Königshauses effektiver gemacht werden soll, heißt es in Palastkreisen.

Die Presse geht jedoch davon aus, dass hinter der Initiative mehr steckt als eine bürokratische Maßnahme. Der Fraktionssprecher der Katalanischen Linksrepublikaner (ERC) im Madrider Parlament, Joan Tardà, meint: "Damit wird erstmals anerkannt, dass die bisherige Regelung nicht normal war." Die Monarchie-Gegner hatten wiederholt Anstoß daran genommen, dass der König "über 100 Mal so viel Geld bekommt wie der Ministerpräsident". Das seien "Verhältnisse wie im Mittelalter".

Dabei gilt das spanische Königshaus im Vergleich zu den gekrönten Häuptern in anderen Ländern als ausgesprochen sparsam. Nach einer Aufstellung der Zeitung "El Economista" geben die Briten, Monegassen, Schweden oder Norweger mehr für ihre Monarchen aus als die Spanier. Der Staatspräsident in Frankreich koste viermal so viele Steuergelder wie der spanische König. "Die Monarchie ist billiger als die Republik", lautet die Schlussfolgerung das Blattes.

Juan Carlos konnte mit der Einsetzung eines Finanzprüfers die Debatte über seine Ausgaben jedoch nicht stoppen. Das Königshaus könnte ruhig einen Schritt weitergehen, befand die Zeitung "El País". "Es sollte sich an den Monarchien in anderen Ländern ein Beispiel nehmen und das Parlament über seine Finanzen unterrichten."

"El Mundo" mahnte, das Königshaus solle etwas zur Aufbesserung seines Images tun: "Die Monarchie steht bei den Spaniern zwar nach wie vor in hohem Ansehen. Aber Umfragen zeigen, dass in der Bevölkerung die Sympathie für die Royals zu sinken beginnt. Bei den jungen Leuten ist dieser Trend sogar besorgniserregend."

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