Bundesgerichtshof überprüft Abdruckverbot für Foto von Oliver Kahn

Karlsruhe - Auf eine Klage von Oliver Kahn hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag über den Schutz der Privatsphäre von Prominenten gegen Pressefotos verhandelt. Der Bayern-München-Torwart war bei einem Spaziergang mit seiner Freundin auf einer öffentlichen Strandpromenade im südfranzösischen St. Tropez abgelichtet worden.

Kahn will vor Gericht den Schutz seines Persönlichkeitsrechts durchsetzen. Das Oberlandesgericht Hamburg hatte den neuerlichen Abdruck des vor zwei Jahren in der Zeitschrift "Frau im Spiegel" erschienenen Bildes untersagt. Der BGH wird im Laufe dieses Dienstags sein Urteil verkünden.

Thomas von Plehwe, Rechtsanwalt des "Frau im Spiegel"-Verlags Ehrlich&Sohn, beklagte mit Blick auf die jüngsten Urteile des BGH eine "unerquickliche Lage" für die Verlage. Der BGH habe eine "gewisse Akzentverschiebung" vorgenommen und den Schutz der Privatsphäre Prominenter stärker betont. "Es wird schwierig für die Verlage zu beurteilen, wo die Grenze verläuft." Der Bericht über Kahn berühre die "Ehebruchthematik" - also einen Gegenstand, über den die Presse bisher legitimerweise habe berichten dürfen. Bei einer Abwägung der Interessen müsse zudem die Prominenz des langjährigen Nationaltorhüters beachtet werden.

In einem ähnlichen Fall hatte der BGH kürzlich der Freundin von Herbert Grönemeyer Recht gegeben, die gegen ein Foto vom Stadtbummel in Rom geklagt hatte. Im März hatte der BGH in mehreren Urteilen zu Caroline und Ernst August von Hannover neue Leitlinien vorgegeben, nach denen der "Informationswert" der Berichte ein entscheidendes Kriterium für die Zulässigkeit von Fotos ist. Auslöser war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom Juni 2004, der einen stärkeren Schutz der Privatsphäre in Deutschland angemahnt hatte.

Neben den Kahn-Fotos war unter anderem zu lesen: "Unser Torwarttitan tauscht verliebte Blicke mit seiner Freundin." Eine Woche zuvor habe er sich im Urlaub mit seiner Noch-Ehefrau in Sardinien entspannt. Kahns Anwalt sprach dem Bericht jeglichen Informationswert ab. Auch der damit verbundene Hinweis auf den "Jetset-Magnet St. Tropez" enthalte keinerlei Neuigkeitswert. Von Plehwe entgegnete, nach der im Grundgesetz geschützten Pressefreiheit sei es allein Sache der Medien, dies zu beurteilen: "Das kann nur die Presse entscheiden, dazu ist der Jurist nicht berufen."

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