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Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt tanzen Walzer. Foto: Britta Pedersen

Bundespresseball am Brandenburger Tor

Der 64. Bundespresseball feiert seine Premiere in Berlins bekanntestem Hotel, dem Adlon am Brandenburger Tor. Das Thema des Abends ist der neue Ort - aber auch Terrorismus und die Reaktionen darauf.

Berlin (dpa) - Nur 70 Schritte sind es vom Ort der Trauer bis zur Medien- und Politparty. Vor der französischen Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin breitet sich auch zwei Wochen nach den Terror-Anschlägen in Paris ein Meer von Blumen und Kerzen aus.

Direkt gegenüber im Hotel Adlon feiern rund 2300 Gäste am Freitagabend den 64. Bundespresseball - diesmal unter noch stärkeren Sicherheitsvorkehrungen als sonst.

Auf dem roten Teppich vor dem Adlon steht Ahmad Mohammed, Berlins bekanntester Leibwächter. Sonst beschützt der muskulöse frühere Kampfsportler und jetzige Inhaber einer Sicherheitsfirma Hollywoodstars und Sportler. Nun begrüßt er Gäste und blickt in Taschen. "Bitte öffnen Sie ihren Mantel, bitte öffnen Sie ihre Tasche", sagt er lächelnd. "Ich danke Ihnen vielmals, vielen Dank. Danke Sir." Die Bezeichnung "Berlins höflichster Leibwächter" wäre an diesem Abend nicht übertrieben.

Prominente und weniger prominente Gäste aus Medien, Politik und Wirtschaft lassen sich ansonsten vom Thema Terrorgefahr wenig beeindrucken. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte kurzfristig ab, weil er an der Trauerfeier in Paris teilnahm. Der Tenor der anderen Gäste lautet aber: Jetzt erst recht.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), im blau-schwarzen Kleid auf dem roten Teppich, sagt: "Ich schenke diesen Verbrechern doch nicht meine Lebensfreude und Lebenslust." Die Schauspielerin Marie Bäumer (schwarzer Hosenanzug mit Schlitz-Dekolleté) meint: "Ich würde es mal ein bisschen mit den Israelis halten: Jetzt erst recht feiern."

Auch Bundespräsident Joachim Gauck, der mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt erscheint und wie üblich den Ball mit einem Walzer eröffnet, spricht die Kerzen vor der Botschaft an und die Gewalt: "Wir wollen trotz dieser Dinge auch feiern. Wir wollen unser normales Leben leben."

Zu der politischen Prominenz gehören auch Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der durch den Hintereingang kommt, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Auch AfD-Chefin Frauke Petry lässt sich den Ball nicht entgehen.

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD), mit Babybauch unter rotem Kleid, ist derzeit noch auf der Suche nach einem Mädchennamen: "Das diskutieren wir noch in der Familie."

Das Adlon, erstmals Gastgeber des Balls der Bundespressekonferenz und ihrer 800 Hauptstadtjournalisten, kommt gut an. Nach der ungemütlichen Stimmung im früheren Flughafen Berlin-Tempelhof im vergangenen Jahr schätzen Journalisten, Manager, Politiker und Lobbyisten offensichtlich die beiden verschachtelten Adlon-Etagen mit diversen Bars, einem großen Ballsaal, einem Dinnersaal und drei Restaurants. An 30 Essensstationen warten Fleisch, Sushi, Austern und Pralinen.

"Wir haben in den letzten Tage vier Thanksgiving-Dinner hinter uns", erzählen US-Botschafter John B. Emerson und seine Frau. "Wir essen heute alles, außer Truthahn."

Parallel läuft der Hotelbetrieb weiter. Erstaunte Gäste in Daunenjacken und mit vollen Rucksäcken checken ein. Zwei ältere Herren in Cordhosen sitzen lange in der Lobby und betrachten Menschen in Smokings und Abendkleidern, die sich an der Bar drängen. Die befürchteten Staus auf Treppen und Gängen bleiben weitgehend aus.

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