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Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt schwangen beherzt das Tanzbein.

Premiere in Tempelhof

63. Bundespresseball: Stimmung am Flughafen

Berlin - Erstmals feierte der Bundespresseball im alten Flughafen Tempelhof. Der Ort löste bei manchen nostalgische Erinnerungen aus - und bei anderen spöttische Bemerkungen über Berlins BER-Dilemma.

Die Zeiten, in denen Sozialdemokraten als schlecht gekleidet galten, sind vorbei. Familienministerin Manuela Schwesig widerlegte bei ihrem Auftritt am Freitagabend auf dem Bundespresseball derartige Vorurteile: Glitzerndes goldenes Kleid, goldenes Ohrgehänge und überaus spitze goldene Schuhe. Auf dem roten Teppich vor der großen Halle des früheren Flughafens Tempelhof folgte das Geständnis: „Ich habe das Kleid gesehen und im Internet bestellt, weil ich keine Zeit hatte loszurennen.“

Konkurrenz musste Schwesig unter den 2000 Gästen aus Medien, Wirtschaft und Politik in diesem Jahr kaum fürchten - weder in Sachen Prominenz noch bei der Kleiderpräsentation im Blitzlicht der Fotografen. Einziger Kollege aus dem Kabinett von Angela Merkel war der freundlich-kompetente, aber wenig glamouröse Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Und Auftritte wie einst von Grünen-Frau Claudia Roth in grünen Fantasieroben fielen dieses Jahr auch aus.

Dafür erschien der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der alte Erinnerungen an den Flughafen hatte. „Als Schüler bin ich hier 1968 mit einer Basketballmannschaft gelandet, das war faszinierend.“ De Maizière hatte keine Landung, aber einen Abflug zu einem interessanten Ziel zu bieten: „Noch zu Teilungszeiten sind wir als Familie nach Paderborn geflogen und vorher quer übers Flugfeld gelaufen.“

Die jüngere Generation präsentierte Assoziationen ganz anderer Art zu dem vor Jahren geschlossenen Flughafen. „Für mich hat dieses Flugfeld große Bedeutung, weil wir es politisch so frei erhalten haben. Ich war zuletzt mit meiner Tochter zum Drachensteigen hier“, meinte die Linke-Vorsitzende Katja Kipping.

Staatstragend dagegen gab sich Bundespräsident Joachim Gauck, der den Ball umgeben von einigen Leibwächtern auch mit einem Walzer eröffnete. „Der Ball an diesem Ort ist ein Zeichen dafür, wie das alte Berlin das neue grüßt.“ Seine Lebensgefährtin Daniela Schadt tanzte in einem blauen Kleid mit langärmligen, transparenten Spitzenoberteil ein paar Schritte weiter mit dem Vorsitzenden der Bundespressekonferenz.

Polit-Promis und Stars beim 63. Bundespresseball

Polit-Promis und Stars beim 63. Bundespresseball

Die Balldesigner griffen für die 100 Meter lange und 16 Meter hohe Abfertigungshalle das naheliegende Thema Flugverkehr auf. Von Lotsen eingewiesen rollten die Taxis über das nebelumhüllte Flugfeld und hielten neben einem alten Propellerflugzeug. Garderobenmarken waren Boardkarten nachempfunden.

Auf dem Gepäckausgabeband kreisten Austern und Sushi. Allerdings doch recht schnell, so dass viele Gäste Schwierigkeiten beim Zugreifen hatten. „Das ist wie an einem richtigen Gepäckband“, meinte eine Frau. „Man steht immer falsch, und der Koffer ist wieder weg.“

400 Gäste saßen an Tischen, an denen ein viergängiges Menü serviert wurde. Der Rest flanierte zwischen Buffets, Bars, der Tanzfläche und einer Galerie einen Stock höher. Um Mitternacht wurde die Band Silly mit Sängerin Anna Loos erwartet. Die denkmalgeschützte Halle war für den eine Million Euro teuren Ball kaum verändert worden - das traf auch auf die Toiletten zu, deren grau gemusterter Linoleumboden eher wenig glamourös war.

Die meisten Gäste waren aber erstmal recht angetan von dem neuen Ort. „Endlich mal ein Berliner Flughafen, der für Stimmung sorgt“, sagte eine 40-jährige Journalistin in Anspielung auf die verschobenen Eröffnungstermine für den neuen Hauptstadtflughafen BER.

dpa

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