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Caitlyn Jenner.

Vom Mann zur Frau

Caitlyn Jenner im Interview: "Bruce lebt in mir weiter"

Los Angeles - Vom Mann zur Frau: Caitlyn Jenner (66) spricht im Interview über ihren Wandel und die spektakuläre Transformation zur Society-Lady, die weltweit Schlagzeilen machte.

Der beige Rock in Wildlederoptik mit hoch angesetztem Front-Schlitz gibt den Blick auf lange, wohlgeformte Beine frei. Die weiße Satinbluse ist am Hals zugeknotet – die Fingernnägel sind im selben Ton lackiert. Dezentes Make-up verleiht dem Gesicht weiche Züge – die Stimme klingt melodisch. Caitlyn Jenner (66) strömt Eleganz aus. Daran, dass sie einst als Bruce Jenner olympisches Gold im Zehnkampf holte (1976), erinnert kaum etwas. Die spektakuläre Transformation zur Society-Lady machte weltweit Schlagzeilen. Wie das den Menschen Bruce bzw. Caitlyn körperlich und psychologisch verwandelt hat, demonstriert die 66-Jährige jetzt auch wieder im deutschen Fernsehen. Am 21. März startet die zweite Staffel ihrer Reality-Serie I am Cait (20.15 Uhr, E! Entertainment):

Was bedeutet es für Sie, eine Frau zu sein?

Caitlyn Jenner: Ich kann endlich mein wahres Ich zeigen. Mein ganzes Leben hat diese Frau in mir gelebt und jetzt habe ich die Möglichkeit, sie vorzuzeigen.

Ist Bruce ganz weg?

Jenner: Nein. Er lebt in mir weiter. In vielen Dingen bin ich ja immer noch dieselbe Person wie früher.

Hand aufs Herz, gibt es Eigenschaften von Bruce, die Sie als Caitlyn vermissen?

Jenner: Ganz ehrlich? Nein! Natürlich war die Umwandlung und die Namensänderung am Anfang traumatisch. Aber ich habe noch immer die gleichen Ansichten und dieselben Beziehungen mit Menschen wie vorher. Ich fliege weiterhin Flugzeuge oder gehe zum Pferderennen. Was Bruce konnte, kann Caitlyn auch.

Warum haben Sie mit der Verwandlung zur Frau so lange gewartet?

Jenner: Ich musste erst an den Punkt kommen, an dem meine Kinder erwachsen und meine Lebensumstände geordnet waren. Als ich dann noch meinen Frieden mit Gott geschlossen hatte, habe ich gesagt „O.k., jetzt werde ich mein wahres Ich zur Schau stellen“.

Bei einer Familie wie Ihrer kann man das nicht heimlich, still und leise tun.

Jenner: Das war mir bewusst. Deshalb wollte ich auch mit meinem öffentlichen Outing anderen Transsexuellen helfen. Wissen Sie, Menschen die im Körper des falschen Geschlechts gefangen sind, begehen Selbstmord oder werden sogar ermordet. Ich will ein Zeichen setzen und ein Vorbild sein. Deshalb auch die Reality-Show. Privatsphäre hatte ich ja eh kaum noch.

Wie hat sich das ausgewirkt?

Jenner: Die Medien sind brutal. Ich wurde in den letzten drei Jahren auf die übelste Art und Weise verleumdet und verrissen. Das Schlimmste war, dass sie meine Pläne geoutet haben, ehe ich mit meinen Kindern und mit meiner Mutter darüber gesprochen hatte.

Wie haben Ihre Kinder reagiert, als Sie ihnen von Ihrer geplanten Geschlechtsumwandlung erzählt haben?

Jenner: Meine Kids waren fantastisch. Ich habe es zuerst meinem Sohn Brandon erzählt, der nur meinte: „Dad, ich war noch nie stolzer auf dich als jetzt“. Größere Sorgen hatte ich, es meinen Töchtern Kylie und Kendall zu erzählen – sie sind ja noch jünger. Sie waren aber einzig und allein um mich besorgt, weil sie mich lieben.

Wie haben Ihre Freunde Ihr Outing aufgenommen?

Jenner: Unglaublich positiv. Die erste Rückmeldung kam von Lady Gaga, die getwittert hat, wie stolz sie auf mich ist. Und dann folgten Elton John und Jennifer Lopez, die nur Positives zu sagen hatten. Da habe ich realisiert, dass alles gut wird.

Was sind Ihre größten Ziele als Frau?

Jenner: Eines habe ich schon erreicht – das Glück zu finden. Und dann will ich unbedingt einmal die Golden Globes moderieren. Bitte setzen Sie sich doch bei Ihren Kollegen für mich ein (lacht!).

Sie haben sich auch als überzeugte Republikanerin geoutet. Sind Sie ein Fan von Donald Trump?

Jenner: Um es klarzustellen: Ich werde den republikanischen Kandidaten im Wahlkampf gegen Hillary Clinton unterstützen, egal wer es ist. Er wird jede Hilfe brauchen (lacht).

In der Vorschau zu Ihrer Sendung sagen Sie, dass Sie sich nicht vorstellen können, mit Frauen zusammenzukommen. Sprich, Sie wollen Männer daten?

Jenner: Ich wäre grundsätzlich offen dafür, weil es schön wäre, mit einem Partner das Leben zu teilen. Aber es müsste schon ein sehr besonderer Mann sein.

Aber im Moment sind Sie doch Single?

Jenner: Ich habe es nicht eilig. Ich bin ja auch völlig eingebunden und habe zudem schon eine Familie und meine Kinder. Die halten mich täglich auf Trab.

Und was müsste Man(n) tun, um bei Ihnen zu landen?

Jenner: Unternehmungslustig sein. Früher habe ich es immer gehasst, abends wegzugehen. Doch als Caitlyn liebe ich es, mit meinen Girls in gute Restaurants oder zu tollen Events zu gehen. Ich lerne auch gerade von meiner Freundin Candis Salsa tanzen.

Interview: Dierk Sindermann

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