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Cher feiert am Freitag ihren 70. Geburtstag.

Porträt zum Geburtstag

Cher wird 70: Sängerin, Schauspielerin und Stilikone

München - Cher hat sich immer wieder selbst erfunden. Die Sängerin, Schauspielerin und Stilikone feiert am Freitag ihren 70. Geburtstag.

Es scheint eine leichte Übung zu sein, sich über Cher lustig zu machen, und manche Menschen erliegen der Versuchung allzu bereitwillig. Die Sache ist nur: Aller Spott verpufft wirkungslos, denn die besten Sprüche über Cher kommen von ihr selbst. Es sei ein beschissener Job, Cher zu sein, hat sie einmal beiläufig bemerkt, aber „irgendeiner muss es ja machen“. Und so macht ihn eben Cherilyn Sarkisian, geboren heute vor mutmaßlich 70 Jahren in Kalifornien. So ganz genau weiß man es nicht, aber das Spiel mit Ungewissheiten gehört bei Cher zum Geschäftsmodell.

Cher wird 70: Mit "I got you Babe" Welthit gelandet

Das exotische Aussehen verdankt sie indianischen und armenischen Vorfahren, sonst bekommt Cher nicht allzu viel mit von zuhause. Der Vater, ein Lastwagenfahrer, macht sich früh aus dem Staub, die Mutter, ein Möchtegern-Model, stürzt sich von einer Ehe in die nächste. Cher büchst früh aus, heiratet mit 18 den Musiker Sonny Bono. Im Jahr 1965 landen sie mit dem Duett „I got you Babe“ einen Welthit und gelten als Vorzeige-Hippie-Paar. Es kommen die ersten Schönheitsoperationen – bei beiden. „Wir wussten, dass wir keine ausgewiesen schönen Menschen waren, und deshalb haben wir etwas dagegen getan“, erklärte Cher kürzlich in einem Interview. Das gehöre eben zum Showgeschäft. Und überhaupt: Selbst wenn sie sich ihre Brüste auf den Rücken operieren lasse, sei das ihre Angelegenheit und gehe niemanden etwas an.

Mitte der Siebzigerjahre trennt sich das Traumpaar des Folk-Rock, und eigentlich erwartet alle Welt Wunderdinge vom männlichen Teil des Ex-Duos; Cher hat niemand auf der Rechnung. Es kommt anders. Als Solokünstlerin macht sie erst richtig Karriere. Mit „Half Breed“ und „Dark Lady“ kommt sie an die Spitze der US-Charts. Ein Kunststück, das ihr übrigens in jedem Jahrzehnt gelingen wird – ein einsamer Rekord.

Als es in den späten Siebzigern nicht mehr so läuft mit der Musik, sattelt Cher um aufs Filmgeschäft. Sie hatte zwar schon Gastauftritte in Filmen und eine eigene Fernsehshow mit Ex-Mann Sonny, man traut ihr dennoch nicht viel zu. Robert Altman gibt ihr in „Komm zurück Jimmie Dean“ 1982 gegen viele Bedenken eine Chance – und Cher erweist sich als verdammt gute Schauspielerin. Im Politthriller „Silkwood“ (1983) hält sie mühelos mit Großmeisterin Meryl Streep mit, und für das bewegende Familiendrama „The Mask“ (1985) wird sie bei den Filmfestspielen in Cannes zu Recht als beste Schauspielerin ausgezeichnet, 1988 erhält sie für „Mondsüchtig“ sogar den Oscar.

Cher wird 70: Auf ihren Körper ist sie stolz

Gerade als es richtig gut läuft mit dem Kino, hört sie damit auf und macht wieder Musik. Erfolgreich natürlich. Neben dem neuen, rockigen Klang sorgt sie vor allem mit ihren Kostümen für Aufsehen, die mitunter sehr luftig ausfallen. Bei „Wetten, dass...?“ im ZDF will sie im Nichts einer sehr weitmaschigen Netzstrumpfhose auftreten, Moderator Thomas Gottschalk gelingt es noch, Cher eine Lederjacke umzuhängen, dennoch sieht man ziemlich viel. Auf ihren Körper ist sie stolz, sie trainiert jeden Tag und hat einen deutschen Leibkoch, der für die richtige Ernährung sorgt. Das Angenehme bei Cher ist, dass sie zu ihrer Eitelkeit steht.

Musikalisch kultiviert Cher schon früher als andere Künstler den House-Sound und die Clubmusik für ihre Arbeit. Insgesamt verkauft sie bis heute rund 100 Millionen Tonträger und absolviert außerordentlich erfolgreiche Konzertreihen. Zu ihrem Spiel gehören natürlich auch immer neue Abschiedstourneen und gezielte Provokationen, um im Gespräch zu bleiben. Die Anfeindungen, die sie über Jahrzehnte zu überstehen hatte, haben sie womöglich erst richtig angetrieben. „Die meisten Menschen, die mich beleidigen wollten, sind heute verschwunden. Aber ich bin immer noch da“, hat sie dem „Spiegel“ vor einigen Jahren einmal gesagt. Die Frau wird weitermachen, das steht fest. Bis überhaupt keiner mehr da ist, der sie beleidigen will.

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