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Schauspielerin Christine Kaufmann spricht im Interview mit dem Münchner Merkur, wie sie den Entzug ihrer beiden Töchter durch Ex-Ehemann Tony Curtis erlebte.

"Ich war eine Mutter ohne Alltag"

Christine Kaufmann: Tony Curtis entzog mir die Kinder

München - Fast neun Jahre lang durfte Christine Kaufmann ihre beiden Töchter kaum sehen. Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht die Schauspielerin ganz offen darüber, wie sie den Entzug ihrer Kinder durch Ex-Ehemann Tony Curtis erlebte.

Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Kind verschwindet? Wenn es entführt wird? Oder verschleppt vom leiblichen Vater? „Aktenzeichen: XY ... ungelöst – spezial“ (ZDF, Mittwoch, um 20.15 Uhr) zeigt vier Vermisstenfälle, die eines gemeinsam haben – den unendlichen Schmerz über den Verlust. Zu Gast im Studio ist die Münchner Schauspielerin Christine Kaufmann (68). Sie war einst mit Hollywoodstar Tony Curtis (1925 – 2010) verheiratet, die Ehe hielt fünf Jahre. Nach der Scheidung entzog ihr Curtis die Kinder Alexandra und Allegra. Sie kehrten erst im Erwachsenenalter zur Mutter zurück. Ein Gespräch über Macht und Ohnmacht.

Frau Kaufmann, Ihr Ex-Mann Tony Curtis hat Ihnen fast neun Jahre lang beide Töchter vorenthalten. Was fühlten Sie?

Ich habe versucht, mich ins Nicht-Fühlen zu retten. Ich habe mich auf meine Arbeit konzentriert, ich bin viel Theaterspielen gegangen. Ich, die einst mit Vergnügen meine Karriere aufgegeben hatte für die Kinder, war plötzlich eine Mutter ohne Alltag.

Gehen wir zum Anfang zurück. Nach der Trennung von Curtis lebten Sie wieder in Deutschland, er in den USA – wo er bald beschloss: Die Kinder bleiben bei mir. Was taten Sie?

Ich ging sofort zum Anwalt. Tony hatte seine Drohung wahrgemacht – ich musste mich dringend beraten lassen. Aber welche Chancen hatte ich denn? Die Mädchen besaßen US-Pässe – so wie er. Und er besaß auch noch Massen an Geld. Das fehlte mir. Ich hatte ihm bei der Scheidung gesagt: Behalt’ alles – zahl’ nur den Unterhalt für die Kinder. Ich wollte einen fairen Schlussstrich.

Sie überließen ihm Alexandra und Allegra?

Ja. Ich dachte, sie hätten es dort besser als bei mir. Sie hätten dort eine Familie, Tony hatte ja wenige Tage nach unserer Scheidung wieder geheiratet. Ich habe mich damals oft an den „Kaukasischen Kreidekreis“ erinnert. Das Theaterstück von Bertolt Brecht, in dem eine Mutter aus Liebe auf ihr Kind verzichtet. Ich wollte das Beste für Alexandra und Allegra.

Haben das Ihre Töchter auch so gesehen – damals und heute?

Ich war immer ehrlich zu ihnen. Und das Wichtigste, was eine Mutter in so einer Situation machen kann, ist, ihre Kinder spüren zu lassen: Ich gebe Euch nie auf! Ich vergesse Euch nicht! Ich bin fest davon überzeugt, dass zwischen mir und meinen Töchtern stets ein magisches Band war, das nie abgerissen ist.

Wie oft durften Sie Ihre Töchter sehen?

Sechs Wochen im Jahr, keinen Tag länger. Und ich musste stets in die USA reisen. Meine Kinder und ich haben dann gemeinsam die Zeit in den Staaten verbracht. Wir haben zum Beispiel mal in einem alten Feuerwehrhaus in San Francisco gewohnt, sind an der Feuerleiter heruntergerutscht. Ich habe meinen Mädchen oft Märchen vorgelesen, wir haben die Märchen auch nachgespielt. Es war immer eine wunderbar intensive Zeit...

Und als diese Zeit dann vorbei war?

Dann blieben mir bis zum nächsten Wiedersehen im Jahr darauf nur noch Briefe. Ich schrieb meinen Töchtern, meine Töchter schrieben mir – und ich habe jeden Brief von ihnen bis heute aufgehoben. Mehr als 40 Stück.

Haben Sie mit Ihren Töchtern nicht telefoniert?

Selten. Ich fand das Telefonieren unerträglich. Jedes Mal, wenn ich auflegen musste, wurde mir bewusst, wie weit meine Kinder von mir weg sind. Es war furchtbar.

Wann merkten Sie, dass Ihre Kinder nicht so glücklich sind, wie Sie ursprünglich gehofft hatten?

Nach etwa vier Jahren. Irgendwann sagte Alexandra zu mir: „Mein Vater ist verrückt, meine Stiefmutter ist verrückt. Du bist die Einzige, die nicht verrückt ist – dabei sagen alle anderen, Du seist es.“ Nach und nach kam heraus, dass Tony drogensüchtig ist und seine neue Frau eine Alkoholikerin. Die beiden hatten allen eine glückliche Ehe vorgegaukelt. Aber nichts daran war echt.

Was machten Sie?

Ich suchte mir eine größere Wohnung in Deutschland, richtete instinktiv ein Nest für mich uns meine Töchter ein. Ich wusste: Sie würden zu mir zurückkommen, schon bald.

Und dann kamen sie – nachdem Tony Curtis erneut geschieden wurde.

Ja, zuerst Alexandra und rund eineinhalb Jahre später auch Allegra. Bis heute bin ich einfach nur glücklich, Mutter sein zu dürfen. Und Großmutter. Und bald sogar Ur-Großmutter!

Welche seelischen Narben haben Sie von den neun Jahren Trennung?

Ich selbst habe keine. Ich sehe das als Erfahrung an – die mich rücksichtsvoller gemacht hat. Und vorsichtiger. Aber bei meinen Kindern gibt es Narben. Selbst wenn sie es mir nicht sagen: Ich denke, sie machen mir Vorwürfe, dass ich mich damals von ihrem Vater getrennt habe. Dass ich so ungestüm war.

Haben sie Recht?

Es ist tatsächlich so: Wenn Menschen Kinder bekommen, sollten sie zusammenbleiben, sich durchbeißen, egal, wie hart es ist. Ich habe das nicht geschafft. Zwei Jahre blieb ich noch bei Tony, obwohl ich ihn längst nicht mehr geliebt habe.

Welche Vorwürfe machen Sie sich konkret?

Einen – dass ich nach der Scheidung geglaubt habe: Wenn ich auf all das Geld verzichte, was mir laut Gesetz zusteht, dann sind meine Töchter versorgt. Kurz vor seinem Tod hat Tony allerdings alle seine Kinder enterbt – auch die aus anderen Ehen. Und das alles nur zugunsten seiner letzten Frau, mit der er keine Kinder hatte. Ja, es war ein Fehler, damals so zu handeln.

Das Gespräch führte Barbara Nazarewska.

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