News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich

News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich
+
Christine Kaufmann (72) ist in der Nacht auf Dienstag an Leukämie gestorben.

Schauspielerin wurde 72 Jahre alt

Christine Kaufmann gestorben: Sie hat ihr ganzes Leben nur gekämpft

  • schließen
  • Maria Zsolnay
    Maria Zsolnay
    schließen

München - Christine Kaufmann ist im Münchner Klinikum Bogenhausen an Leukämie gestorben. Ein Rückblick auf das Leben der Schauspielerin, die immer wieder kämpfen musste.

Eigentlich hat Christine ­Kaufmann († 72) ihr ganzes Leben immer nur gekämpft. Erst in ihrer Ehe mit Tony ­Curtis, dann um ihre Kinder Allegra und ­Alexandra. Danach um ihre Karriere und wie sie ihre Familie durchbringt – bis zuletzt unterstützte sie ihre Liebsten. Sie kämpfte um noch drei Ehen, die immer in einer Scheidung mündeten. Und zuletzt kämpfte Christine Kaufmann um das Erbe ihrer Kinder, das ihnen nach dem Tod von Tony Curtis († 85) zugeständen hätte. Und jetzt, am Schluss, ging es um Christine Kaummanns Leben. Um ihren Körper – ihr einziger Besitz, wie sie kürzlich sagte.

Aber da hat sie schon nicht mehr gekämpft, zumindest nicht sichtbar. Wenn sie noch sehr am Leben gehangen wäre, hätte sie offensichtlicher gekämpft, da ist sich ihr Bruder Hans-Günther Kaufmann sicher. Er hätte es gespürt, wenn sie unbedingter dableiben hätte wollen.

Christine Kaufmann starb im Klinikum Bogenhausen

In der Nacht zum Dienstag ist die Schauspielerin im Klinikum Bogenhausen an Leukämie gestorben.

Vielleicht war Christine Kaufmann auch längst des Kämpfens müde. Denn, obwohl sie von ihrer Diagnose Blutkrebs wusste, hatte sie nicht mehr viel dagegengesetzt, ja es nicht einmal allen Angehörigen erzählt. Und sie nahm PR-Termine mit gewohnt strahlendem Lächeln wahr – trotz ihres Hustens. Sprach über Schönheit und dies und das. An Disziplin und Stärke hielt die Schauspielerin bis zuletzt fest. Bis sie eben am 17. März in ihrer Wohnung zusammenbrach und Enkel Raphael (14) sie bewusstlos fand.

Bis dahin hatte sich Christine Kaufmann nie das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen. Alles hat sie gemeistert. Irgendwie. Und keiner notwendigen Auseinandersetzung ist sie aus dem Weg gegangen. Sie war eine mutige Kämpferin. Diese Eigenschaft der Kaufmann stand seit mehr als 60 Jahren in jeder Frauenzeitschrift geschrieben. Denn mit ihren Dramen war sie immer Identifikationsfigur und eine gute Geschichte. Damit hat sie auch Geld verdient.

Christine Kaufmann hatte einmal alles, und am Ende nicht mehr viel. Sie lebte genügsam in ihrer kleinen Zweizimmer-Wohnung in der Nähe des Elisabethmarktes. Erst kürzlich sind Tochter ­Allegra und der geliebte Enkel Raphael (14) noch dazugezogen – die beengten Verhältnisse kosteten wohl auch viel Energie.

Denn die Kaufmann musste noch arbeiten. Sie schrieb an einem Buch, und jeden Tag postete sie Beautytipps im Internet, verkaufte Kosmetik und den Traum von Schönheit für ältere Frauen, deren perfekteste Werbebotschafterin sie selbst war. Mit 54 Jahren zog sie sich sogar noch mal für den Playboy aus, 25 Jahre nach ihrem ersten Shooting für das Männermagazin. Mit Nacktheit oder Storys über Sex im Alter hatte sie nie ein Problem – die Kaufmann gehörte seit ihrer Kindheit immer schon der ganzen Welt, Scheu hat sie erst gar nicht entwickeln brauchen.

Es ging immer nur um das Aussehen von Christine Kaufmann

Seit sie mit sieben oder acht zum ersten Mal vor der Kamera stand, ging es immer nur um eines: ihr Aussehen. Und um das Haar in der Suppe. Denn nicht ihre Schönheit war immer das Thema, sondern der Makel – die Nase, das breite Becken, die Augenringe. „Ich hatte das Gefühl, dass ich nur aus Fehlern bestehe“, erzählte sie einmal der tz-Kolumnistin bei einem Tee in ihrer kleinen Wohnung in der Kurfürstenstraße. „Das erste Mal, dass ich meine Schönheit genießen konnte, war in meiner Ehe mit Tony Curtis. Zum ersten Mal wurde ich nicht auf meine Fehler aufmerksam gemacht.“

Freilich: am Ende blieb sie dann eben auf diese Schönheit oft reduziert – als „lebendes Schmuckstück“. Auch dies immer ein Kampf – gegen die Makel, gegen die Reduktion auf das Äußere, auch wenn sie damit ihr Geld verdient hat.

Es war immer ein Bild wie aus einem Film, wenn Christine Kaufmann durch die Stadt radelte – aufrecht, wie sie ist. Mit kirschroten Lippen und einem tollen Kleid. Ja, sie hatte viele Liebhaber, und am Ende blieb doch nur eine große Liebe übrig, die beständigste ihres Lebens: der 14 Monate ältere Bruder Hans-Günther Kaufmann. Im Chiemgau und in München sind sie als Flüchtlingskinder einer Französin und eines deutschen Offiziers aufgewachsen und gemeinsam durch Pfützen getanzt, später, in Hollywood völlig losgelöst durch den Supermarkt. Szenen von Freiheit. Und Freiheit war immer ein Thema, nachdem Christine Kaufmann nie gefragt worden war, ob sie das Rosen-Resli werden wollte. Die Mutter hat’s bestimmt. „Ich will frei sein!“ – der Satz könnte ebenso über ihrem Dasein stehen, wie der dauernde Kampf.

Mit Haltung ist sie durchs Leben gegangen, egal, wie unwegsam der Weg war.

Nur jetzt, jetzt musste sie sich fügen. In einem Interview hat sie einmal gesagt: „Vielleicht ist Sterben eine ganz tolle Reise. Vielleicht ist es wirklich der ultimative Orgasmus.“ Möge es zumindest eine angenehme Reise ins Jenseitige gewesen sein. Und sie hat es mit Anmut getan.

Christine Kaufmann: Große Lieben, großes Leid

Ein „erotisches Buch für Frauen“ wird es werden: Christine Kaufmann schrieb in den letzten Monaten an ihren Liebesgeschichten, wie sie der tz verriet. Über ihre Affären mit Helmut Dietl, ­­Patrick Süskind und Peter Zadek (blieb ihre große unerfüllte Liebe) wollte sie auspacken, aber auch über ihre „Hörigkeit von Männern“, wie Tony ­Curtis oder Klaus Zey, zwei ihrer Ehen, die scheiterten.

Vielleicht war es bei Curtis der Altersunterschied von 20 Jahren oder der Egotrip des Weltstars: Nach nur fünf Jahren ging die Ehe in die Brüche, ein erbitteter Streit um die Töchter Alexandra und Allegra belastete Kaufmann jahrelang. Es folgten Kurzehen mit dem Regisseur Achim Lenz und Musiker Reno ­Eckstein. Besonders glücklich und erfüllt sei keine gewesen, wie sie sagte. Oft fühlte sie sich finanziell und emotional augebeutet. Anders bei ihren Affären. Alles rief sie sich noch einmal in Erinnerung: „Ich habe keine Lust zu sterben, bevor ich nicht alles aufgeschrieben habe“, sagte sie. Doch niemand ahnte, was sie wirklich damit meinte....

Christine Kaufmann: Als Kinderstar nach Hollywood und zurück

Mit 70, da werde sie ihren größten Triumph feiern, scherzte Schauspielerin Christine Kaufmann vor einigen Jahren in einem Interview. Dann komme sie groß heraus: Sie werde dann die Einzige sein, die Rollen wie Miss Marple übernehmen könne, „weil es sonst keine alt aussehenden Frauen geben wird“. Wie zum Beweis ihrer einstigen These, stand sie vor drei Jahren als Geisterbeschwörerin in Noël Cowards Schauspiel Funkelnde Geister im Landestheater Linz auf der Bühne. „Das macht mich glücklich. Ich wollte immer die Rolle der komischen Alten spielen, die schon Margaret Rutherford gegeben hat“, so Kaufmann. Es sollte ihre letzte Rolle sein.

Von Kindesbeinen an stand die in der Steiermark geborene Tochter eines ehemaligen deutschen Offiziers und einer französischen Maskenbildnerin im Rampenlicht. Erste Schritte ins Showleben macht sie – gemanagt von ihrer ehrgeizigen Mutter – mit sieben Jahren im Ballett des Münchner Gärtnerplatz-Theaters.

Nach einem Filmdebüt im Zirkusfilm Salto mortale spielt sie sich als Neunjährige im Streifen Rosen-Resli unter der Regie von Harald Reinl in die Herzen der Kino-Zuschauer. Die Karriere als Kinderstar war für sie allerdings alles andere als verlockend. „Einerseits wurde ich gefeiert, andererseits kritisiert.“ Mit 15 Jahren dann die höchste Auszeichnung: Für ihr Hollywooddebüt in Stadt ohne Mitleid (1961) erhält Kaufmann einen Golden Globe. Die Kritik feiert sie, die an der Seite von Kirk Douglas ein Kleinstadtmädchen spielt, das Opfer einer Vergewaltigung wird. Es folgen Hollywoodstreifen wie 90 Minuten nach Mitternacht (1962) oder Taras Bulba (1962).

Zurück in Deutschland gelingt ihr das Comeback: Sie ist in TV-Serien wie Der Kommissar und Derrick zu sehen, spielt in Werner-Schroeter-Filmen und dreht 1981 mit Rainer­Werner Fassbinder Lola und Lili Marleen. Unvergessen auch ihr Auftritt als „Olga“ in der Erfolgsserie Monaco Franze – ihrem größten Erfolg im deutschsprachigen Raum, wie sie einmal verraten hat

Ulrike Schmidt, Maria Zsolnay, Katja Kraft

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Lesben werden nicht aus Versehen schwanger“
Die Musikerin Beth Ditto möchte ihr erstes Baby bekommen. Doch das geht nicht ohne Planung.
„Lesben werden nicht aus Versehen schwanger“
Beth Ditto: "Lesben werden nicht aus Versehen schwanger"
Die Musikerin möchte mit ihrer Ehefrau eine Familie gründen. Schon bald soll es nach dem Willen der Ex-Gossip-Frontrau soweit sein.
Beth Ditto: "Lesben werden nicht aus Versehen schwanger"
Bonnie Tyler singt bei Sonnenfinsternis in den USA
Am Montag beginnt eine Sonnenfinsternis, die in weiten Teilen der USA zu sehen sein wird. Die britische Sängerin Bonnie Tyler soll hierfür mit ihrem Mega-Hit "Total …
Bonnie Tyler singt bei Sonnenfinsternis in den USA
Nicht mehr blond? Daniela Katzenberger schockt Fans mit neuer Frisur
Die Fans haben Daniela Katzenberger (30) mit ihren typisch blonden, langen Haaren kennen und über die Jahre lieben gelernt. Damit ist jetzt Schluss.
Nicht mehr blond? Daniela Katzenberger schockt Fans mit neuer Frisur

Kommentare