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In seinem neuesten Film "Legend of Tarzan" spielt Christoph Waltz den Offizier Leon Rom.

Interview mit Oscar-Preisträger

Christoph Waltz: "Könnte mir vor Sorge in die Hose scheißen!"

Los Angeles/London - In seinem neuesten Film "Legend of Tarzan" spielt Christoph Waltz den Offizier Leon Rom, der den Dschungelhelden zum Preis von Diamanten und Sklaven ans Messer liefert. Wir haben mit ihm gesprochen.

Tarzan 2016: In der 60. (!) Version (TV-, Animations- und Videospiel- Varianten nicht gezählt) sind die Belgier die Bösewichte. Genauer gesagt deren Kolonial-König Leopold II.. Noch genauer gesagt dessen Kongo-Schergen Captain Leon Rom, der als ranghoher Offizier im ausgehenden 19. Jahrhundert tatsächlich maßgeblich an den sogenannten Kongogräuel beteiligt war.

Im Film liefert Rom den Dschungelhelden zum Preis von Diamanten und Sklaven ans Messer. Wer könnte diesen Erz-Fiesling besser spielen als – genau – Christoph Waltz. Der Austro-Deutsche mit Wohnsitz in London lässt in "The Legend of Tarzan" wie einst als Nazi-Offizier Hans Landa (Inglourious Basterds) seinen perfiden Killer-Charme spielen.

Sie scheinen sich auf Bösewichte spezialisiert zu haben.

Christoph Waltz: Und was ist daran schlimm? (lacht) Ich suche mir nicht nach diesen Gesichtspunkten eine Rolle aus. Ich bin aber auch kein Moralapostel, der sagt: So einen Part spiele ich nicht, weil er so böse ist. Überhaupt vermeide ich das B-Wort. Wenn man jemand als Bösewicht bezeichnet, dann ist die Diskussion beendet. Ich will aber mit meinen Rollen erreichen, dass man über sie diskutiert.“

Als was würden Sie Leon Rom bezeichnen, der den Spitznamen „Schlächter des Kongo“ hatte?

Waltz: Als einen Antagonisten. Als jemanden, der die ganze Handlung, das ganze Drama in Bewegung setzt.

Ihr Co- Star Margot Robbie muss Sie in einer Szene anspucken.

Waltz: Ja – auch wenn sie sich davor gescheut und vorher entschuldigt hat. Es gibt Schlimmeres als von Margot Robbie angespuckt zu werden. Und bevor Sie jetzt auf falsche Gedanken stehe nicht darauf (grinst).

In der aktuellen Version von Tarzan wird ein dunkles historisches Kapitel verarbeitet – Rohstoffausschlachtung, Versklavung, Massenmord an den schwarzen Einheimischen durch weiße Europäer.

Waltz: Das war der Grund, warum ich das Projekt angenommen habe. Es ist Entertainment mit etwas Tieferem dahinter, einer politischen Botschaft. Wie hat Bertold Brecht gesagt: „Alles was in der Öffentlichkeit geschieht, ist politisch.“

Soziale Medien spielen bei der Vermarktung von Filmen eine immer größere Rolle. Lassen Sie sich da einspannen?

Waltz: Nein. Ich verweigere mich den Sozialen Medien, weil ich sie anti-sozial finde. Ehrlich! Und was ich so über Facebook lese, das ist schon längst kein harmloses kleines Online-Forum mehr, wo man sich auf ein Bier verabredet. Es ist zu einem Monstrum geworden. Ich habe ihm von Anfang an nicht getraut. Und überhaupt finde ich meine Meinung nicht so wichtig, als dass ich sie der ganzen Welt kundtun müsste.

Sie leben seit 15 Jahren in London. Was sagen Sie zum Brexit? Machen Sie sich um Europas Zukunft Sorgen? 

Waltz (stöhnt laut auf): Ich könnte mir vor Sorge in die Hose scheißen! Es ist einfach grotesk, was geschehen ist. Ein Austritt aus der EU ist nicht nur kontraproduktiv – (er hebt seine bis dahin leise Stimme an und brüllt) es ist wirklich bescheuert! Wirklich bescheuert! Diese verdammten Pensionäre aus Chelsea, die sich das selbst eingebrockt haben. Allen voran David Cameron, der dieses ganze Unheil in Bewegung gesetzt hat.

Das Thema scheint Sie aufzuregen?

Waltz: Hören Sie bloß auf! Dass man Idioten geglaubt hat, die argumentiert haben, dass man die Grenzen schützen muss. Haben die eigentlich schon mal festgestellt, dass sie auf einer Insel leben? Es gibt also keine wirklichen Grenzen, die sie schützen müssen.

Können Sie als Europäer nachvollziehen, warum ein Donald Trump in den USA so viele Anhänger hat?

Waltz:Ich kann es nicht erklären. Es raubt einem den Atem. Man könnte natürlich geschichtliche Parallelen dazu ziehen, wo andere Populisten Ängste in der Bevölkerung geschürt und sie gegen Gruppierungen aufgehetzt haben. In Europa haben wir damit ja so einige Erfahrungen gemacht und werden hoffentlich nicht noch einmal in eine solche Falle tappen.

Sind Sie ein Optimist?

Waltz: Wie kann man optimistisch sein, wenn man sieht, wie die Menschen mit unserem Planeten umgehen und den Klimawandel ignorieren. Jeder Einzelne muss für sich selbst entscheiden, ob er unsere Erde besser verlassen will als er sie vorgefunden hat. Wir müssen Eigenverantwortung zeigen – jeder Einzelne.

Christoph Waltz - Neue Rolle in "Downsizing"

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