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Der neue Bond-Bösewicht: der österreichische Schauspieler Christoph Waltz.

Interview zum neuen Bond-Film "Spectre"

Christoph Waltz: "Der beste Bösewicht? Ich!"

München - Ab Donnerstag ist Christoph Waltz als Bond-Bösewicht in "Spectre" zu sehen. Merkur-Redakteur Marco Schmidt hat ihn zum großen Interview getroffen. 

Der Durchbruch kam mit Quentin Tarantino: Seine Glanzrollen in den Tarantino-Filmen „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“ katapultierten Christoph Waltz nach einer jahrzehntelangen Durststrecke in die erste Hollywood-Liga und bescherten dem gebürtigen Wiener zwei Oscars. Ab Donnerstag ist der 59-Jährige als Bond-Bösewicht in „Spectre“ zu sehen. Zu unserem Interview im Hotel Adlon empfängt er uns in dunkelbraunem Cord-Anzug und bordeauxrotem Hemd wie ein Gentleman: mit Handschlag und einem Lächeln, das – anders als auf der Leinwand – gar nicht diabolisch wirkt, sondern ausgesprochen freundlich. Er entpuppt sich als ungewöhnlicher Gesprächspartner, der gern erst einmal die Frage hinterfragt.

Was war der erste James-Bond-Film, den Sie je gesehen haben?

Daran kann ich mich nicht erinnern. Ich finde, ich bin viel zu jung für diese Frage!

Waren Sie denn ein Bond-Fan?

Nicht alles, was man gern sieht, muss man gleich als Fan bejubeln. Einige Filme haben mir gut gefallen, andere nicht so sehr. Ich habe Bond eigentlich stets vor allem als Phänomen betrachtet.

Hätten Sie sich je vorstellen können, in einem 007-Film mitzuspielen?

Nein, weil das Phänomen immer so präsent war, dass ich mich nie persönlich in diesen Zusammenhang gesetzt habe. Ich betreibe diese Sache schon zu lange, um nicht zu wissen, dass solche Hoffnungen, Wünsche und Aspirationen nichts bringen.

Produzentin Barbara Broccoli meinte, sie hätte Sie erst dazu verführen müssen, den Bond-Schurken zu spielen. Wieso haben Sie gezögert, ihr Angebot anzunehmen?

So funktioniert das nicht. Es gibt keinen Anruf mit einem Angebot. Barbara und ich kennen uns seit Jahren, wir treffen einander immer wieder, und wie das so ist: Man ahnt ein gegenseitiges Interesse, bringt das dann irgendwann zur Sprache... Wie Verführung eben funktioniert. Aber wer weiß – vielleicht habe ich sie ja verführt?

Was hat Sie bei den Dreharbeiten am meisten überrascht?

Mich überrascht nur wenig, weil ich stets mit allem rechne. Wenn wir uns morgen in Timbuktu begegnen, würde mich das auch nicht überraschen. Aber mich hat verwundert, mit welcher Hingabe und Herzlichkeit so ein riesiges Projekt geführt werden kann. Das liegt an Barbara: Sie ist die Seele des Unternehmens.

Lesen Sie hier unser zweites Interview zum neuen Bond:

Daniel Craig über den neuen Bond: "Küsserei war schrecklich"

Worin besteht für Sie das Phänomenale an James Bond?

24 Filme in 52 Jahren mit fünf Reinkarnationen der Hauptfigur – so etwas gibt es kein zweites Mal. Exzeptionell finde ich auch, wie Bond in die jeweilige Zeit eingegliedert ist. Das hilft ihm zu überleben und ist in der Wirtschaft ganz ähnlich, wie ich mir habe sagen lassen: Große Firmen, die es versäumen, sich den Bedürfnissen der Zeit anzupassen, gehen unter. Es gibt eben heute kein wirkliches Verlangen nach einem Dieselmotor mehr! Aber der wichtigste Grund für das Phänomen Bond dürfte sein, dass die Filme einen Kasperltheater-Reflex bedienen.

Wie meinen Sie das?

Bei Bond gibt es verschiedene Archetypen, die in einem bestimmten Konfliktverhältnis zueinander stehen – wie im Volkstheater: Kasperl, Gretel, die Großmutter, der Polizist, das Krokodil... Ich kann mich genau erinnern, als Kind mal ein politisch korrektes Kasperltheater gesehen zu haben. Da war der Polizist freundlich und hat niemanden geschlagen, und es kam überhaupt kein Krokodil vor! Ich war empört. Ich fühlte mich betrogen, weil ein profundes Bedürfnis nicht befriedigt wurde.

Das heißt, im Bond-Universum sind Sie das Krokodil?

Ja, absolut, das ist meine Funktion. Und die übernehme ich sehr gerne!

Die meisten Bond-Bösewichte haben eine skurrile, kultverdächtige Eigenheit – etwa eine weiße Perserkatze auf dem Arm. Oder eine haarsträubend fiese Frisur wie Javier Bardem in „Skyfall“. Oder sie weinen blutige Tränen wie Mads Mikkelsen in „Casino Royale“. Sie hingegen sehen als Franz Oberhauser in „Spectre“ ganz gewöhnlich aus – wie der freundliche FPÖ-Funktionär von nebenan...

Ich finde, die Bösen machen einem dann am meisten Angst, wenn sie ganz normal ausschauen. Bloß weil das Krokodil sein Maul nicht aufreißt, heißt das ja noch lange nicht, dass es keine Zähne hat!

Aber die spektakulär ausstaffierten Bond-Schurken sind ebenfalls eine Art Kasperltheater-Tradition. An sie erinnert man sich auch eher als beispielsweise an Mathieu Amalric in „Ein Quantum Trost“.

Da wäre ich, ehrlich gesagt, ein bisserl überfordert gewesen, mich schon an die Legende zu erinnern. Als Schauspieler habe ich eine viel lohnendere Aufgabe: die Grammatik der Figur zu analysieren.

Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Jeder Mensch hat ja seine eigene Grammatik. Und das Interessanteste an meiner Arbeit ist es, die spezifische Grammatik des jeweiligen Individuums zu finden. Aus einem Drehbuch lässt sich viel mehr herausholen als das, was man auf den Seiten lesen kann. Und wir Wiener sind es gewohnt, zwischen den Zeilen zu lesen, denn wir sprechen auch zwischen den Zeilen: Wir meinen nie das, was wir sagen! Insofern haben wir Wiener es im Lauf der Zeit gelernt, Bedeutung zu extrahieren, die nicht bloß buchstäblich ist. Und genau das ist im Prinzip der Kern meiner Arbeit.

Wer ist für Sie der beste Bond-Bösewicht aller Zeiten?

Ich! (Lacht.)

Das Schicksal Ihrer Filmfigur bleibt am Ende von „Spectre“ offen. Halten Sie es für möglich, sich von Barbara Broccoli zu einer Rückkehr ins 007-Universum verführen zu lassen?

Das ist derzeit überhaupt kein Thema. Und das meine ich ausnahmsweise ganz ehrlich. Mit „Spectre“ sind wir noch eine Weile beschäftigt. Es war und ist eine sehr intensive Arbeit. Und danach werden wir alle erst einmal verschnaufen.

Wenn Sie zurückblicken: Worauf führen Sie Ihren kometenhaften Aufstieg in Hollywood zurück?

Was meinen Sie? Schicksal? Kismet? Glück? Ich kann Ihnen einen ziemlich genauen Prozentsatz sagen, zu dem Glück an dieser Sache beteiligt ist: einhundert Prozent. Und das ist sogar noch eine vorsichtige Schätzung!

Marco Schmidt

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