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Schon zu Lebzeiten ein Mythos: Clint Eastwood gewann als Produzent und Regisseur vier Oscars.

Interview zum 85. Geburtstag

Eastwood exklusiv: "Schau nie zurück!"

München - Er könnte schon längst seinen wohlverdienten Ruhestand genießen, aber nicht einmal zum 85. Geburtstag gönnt er sich eine Pause. Arbeit statt Party hieß es für Clint Eastwood am Sonntag. Das exklusive Interview:

 Irre, was er noch immer für ein Pensum abliefert. Allein im letzten Jahr drehte der Jubilar zwei Filme – in Doppelfunktion als Regisseur und Produzent. Und dann waren da noch Schlagzeilen, nach denen er angeblich Affären mit gleich zwei (halb so alten) Frauen hat. Woher nimmt dieser Mann bloß die Energie? Dierck Sindermann, tz-Korrespondent in Hollywood, hakte nach. Und Eastwood verzieht sein Gericht zu seinem typisch schiefen Dirty-Harry-Grinsen: „Das Geheimnis ist, dass ich den alten Mann nicht reinlasse.”

Woher stammt denn diese Weisheit?

CE: Von einem Typen, den ich vor Jahren mal am Set getroffen habe. Er war weit über 90, sah aber aus wie 60. Er hat mir geraten, immer nach vorne und nicht zurück zu schauen.

Sonst haben Sie kein Rezept fürs Jungbleiben?

CE: Doch, viel Schlaf. Bloß nicht morgens schon um 5 oder 6 aufstehen. Das war noch nie was für mich. Und man muss einfach den Drive haben, immer weiter zu machen.

Damit ist das Thema Pensionierung also tabu? 

CE: Und ob! Ich habe einfach noch zu viel Spaß an meinem Job. Es gibt Leute in Hollywood, die würden mich gerne in Rente gehen sehen. Aber für mich kommt das nicht infrage. Ich brauche die Herausforderung.

Wie lange noch?

CE: Ich mache weiter, bis der große Boss da irgendwo die letzte Klappe fallen lässt. Ich hoffe, dass es aber noch eine Weile dauern wird. Zumal ich die Gene meiner Mutter geerbt habe. Die ist 97 geworden.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

CE: Ich habe vor nichts und niemandem Angst. Wenn überhaupt, dann mache ich mir Sorgen um andere. Primär um meine Familie. Dass ihr was zustoßen könnte. Aber ich weiß, dass man Schicksalsschlägen gegenüber machtlos ist. Also nützt es nichts, sich darüber zu sehr einen Kopf zu machen.

Familie (Eastwood hat acht Kinder von sechs Frauen!) ist für Sie das Wichtigste im Leben?

CE: Ganz klar. Je älter man wird, desto wichtiger ist das für einen. Familie und gute Freunde sind die beste Stütze. Nicht viel weniger wichtig ist mir allerdings auch die Fähigkeit, weiter so aktiv zu sein, wie ich es noch bin.

Gibt es Dinge, die Sie nicht mehr tun können?

CE: Eher Dinge, die ich nicht tun will! Am Ende von Jersey Boys tanzen alle Schauspieler zu Oh What A Night auf der Straße. Und einer hat vorgeschlagen, dass ich mich im Hitchcock-Stil unter die Menge mische. Aber ich habe es sehr bestimmt abgelehnt. Ein Mann muss seine Grenzen kennen (lacht)

Auch nach über 25 Jahren sind Sie für viele immer noch Dirty Harry. Wie oft bekommen Sie von Fans die alten Sprüche wie „Ist heute dein Glückstag, Punk?” zu hören?

CE: Einige scheinen mich immer noch mit ihm zu verwechseln …

Immerhin haben Sie auch privat den Ruf, richtig taff zu sein. Wie viel Harry Callahan steckt in Clint Eastwood?

CE: Ich knurre bestimmt nicht meine Freunde mit ,Na los doch, make my day!’ an. Privat bin ich auf jeden Fall anders als meine Filmrollen. Was ja wohl auch gut ist, wenn man bedenkt, dass ich ein paar ziemlich durchgeknallte Typen gespielt habe.

Ihr Sohn Scott ist gerade mit seiner Rolle in „Kein Ort ohne dich” in die Cowboy-Fußstapfen seines Vaters getreten. Haben Sie ihm Tipps gegeben?

CE: Nein. Er ist eher der Typ, der mir Tipps gibt (lacht). Im Ernst, ich bin sehr glücklich darüber, dass er jetzt im Kommen ist. Ich habe seine Karriere genau beobachtet und er ist mir mit seinen 27 Jahren um zehn Jahre voraus. Ich war in seinem Alter froh, wenn ich eine kleine Gastrolle in einer TV-Serie bekam. Er macht das sehr gut!

„Jersey Boys“ spielt in den 1960-ern, ein Jahrzehnt, in dem es kulturell und politisch richtig rund gegangen ist. Bei Ihnen auch?

CE: Ich war eher der eckige Typ. Während andere mit Drogen experimentierten, habe ich mich lieber an mein Bier gehalten. Ich war mir nämlich ziemlich sicher, dass das andere Zeug mir den Boden unter den Füßen weggezogen hätte.

Hatten Sie trotzdem Spaß? 

CE: Aber klar. Es war eine tolle Zeit für mich. Ich habe in Rom und London gedreht. Da ging es auch gut ab.

Genießen Sie gerade Ihr Single-Leben in vollen Zügen?

CE: Mein Single-Leben? Ich habe in letzter Zeit so viel gearbeitet, dass ich überhaupt kein Zeit hatte, etwas Ausgefallenes zu unternehmen.

Dierck Sindermann

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