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Daniel Craig als James Bond und Lea Seydoux als Madeleine Swann in einer Szene des neuen Bond-Kinofilms "Spectre".

"Spectre" kommt am Donnerstag ins Kino

Daniel Craig über den neuen Bond: "Küsserei war schrecklich"

München - 007-Darsteller Daniel Craig wirkt etwas abgekämpft beim Interview im Hotel Adlon. Doch seinen Sinn für Humor hat er nicht verloren, wie sich schnell herausstellt.

Dunkelblaues Jackett, schickes Einstecktuch, Designer-Jeans: Elegant wie eh und je begrüßt uns Daniel Craig anlässlich der Deutschland-Premiere seines vierten 007-Abenteuers „Spectre“ zum Interview im Berliner Nobelhotel Adlon. Doch seine stahlblauen Augen blitzen nicht so munter wie bei früheren Begegnungen – der coole 47-Jährige wirkt etwas abgekämpft. Ist er etwa amtsmüde? Kürzlich ließ er verlauten, er würde sich lieber die Pulsadern aufschlitzen, als noch ein fünftes Mal Bond zu spielen. Zum Glück stellt sich im Verlauf unseres Gesprächs bald heraus, dass der kernige Kerl zumindest seinen britischen Sinn für Humor nicht verloren hat.

Starten wir gleich mit der Frage, die die Fans derzeit am meisten beschäftigt: Werden Sie zurückkehren?

Nach Berlin? Ja, jederzeit! (Lacht.) Und was Bond betrifft: Den viel zitierten Pulsadern-Spruch habe ich spontan losgelassen, als man mich zwei Tage nach den anstrengenden achtmonatigen „Spectre“-Dreharbeiten fragte, ob ich Lust auf einen weiteren 007-Einsatz hätte. Heute kann ich Ihnen nur ehrlich antworten: Ich weiß es nicht. Wenn dieser ganze Interview-Marathon vorbei ist, möchte ich erst mal eine Weile nicht an James Bond denken müssen.

Erinnern Sie sich noch an den ersten 007-Film, den Sie je gesehen haben?

Ja, das war „Liebesgrüße aus Moskau“. Die spektakulären U-Boot-Szenen haben sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.

Finden Sie, dass ein Macho wie James Bond als Held noch zeitgemäß ist?

Nun ja, ich hoffe, dass ich den Macho-Mythos ein wenig zerstört habe! Trotz seiner rauen Schale und einiger misogyner Sprüche ist Bond in meinen Augen kein lupenreiner Chauvinist – er hat durchaus auch eine weiche, sensible Seite. Aber wenn es Zeit für Action ist, dann ist er bereit, es krachen zu lassen.

Welche Actionszene in „Spectre“ hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Der knallharte Zweikampf im Zug. Wir haben die Sequenz sechs Wochen lang geprobt, weil jede Bewegung exakt einstudiert werden musste. Es war fast wie eine Tanz-Choreografie, und mein Tanzpartner war der Wrestler Dave Bautista: ein wahres Monstrum von einem Mann – aber ich habe ihm ordentlich Kontra gegeben!

Und wie war die Arbeit mit Christoph Waltz? Wie haben Sie sich eingegroovt?

Wir haben heiße Musik aufgelegt, Aftershave aufgetragen, ein bisschen getanzt... (Lacht.) Im Ernst: Jeder von uns beiden hat mindestens 30 Jahre Berufserfahrung. Wir wissen, worauf es ankommt. Und wenn Christoph loslegt, dieser Meister des Sinistren, dann liegt die Messlatte sofort sehr hoch – er spornt dich zu Höchstleistungen an. Doch er ist nicht nur ein brillanter Schauspieler, sondern auch ein liebenswerter Mensch. Mit ihm zu arbeiten ist die reinste Freude!

Lesen Sie hier das zweite Interview zum neuen Bond:

Christoph Waltz: "Der beste Bösewicht? Ich!"

Was ist Ihnen bei „Spectre“ am schwersten gefallen?

Die Küsserei war schrecklich... (Lacht.) Nein, am schlimmsten fand ich es, meine Familie zu vermissen, weil die Dreharbeiten dreimal so lang gedauert haben als bei einem „normalen“ Film. Ansonsten kann ich nur sagen: Es ist harte Arbeit, man muss viele Überstunden machen und bekommt oft zu wenig Schlaf – aber ich liebe diesen Job! Ich genieße das Zusammenspiel mit tollen Kollegen. Und hier waren neben Christoph ja noch andere Hochkaräter wie Ralph Fiennes, Léa Seydoux oder Monica Bellucci am Start.

Waren Sie nervös vor Ihrem Kuss mit Monica?
Nein. Wir haben beide herzhaft gelacht, und nach zwei Versuchen war die Szene im Kasten. Leider, denn mit Monica hätte ich gern noch ein bisschen länger gedreht...
Sie sind auch Koproduzent des Films. Heißt das, Sie durften sich die Bond-Girls aussuchen?

Na klar! Das ist doch das Einzige, was mich an dem Projekt wirklich interessiert! (Lacht.) Tatsächlich habe ich diesmal eine Menge Vorschläge gemacht – das betraf die Story, die Dialoge, Bonds Anzüge, die Einrichtung seiner Wohnung... Es ist eine große Schwäche von mir, dass ich meine Klappe nicht halten kann: Ich muss zu allem meinen Senf dazugeben. Das war auch schon bei meinem ersten Bond-Film vor zehn Jahren so. Ich dachte: Wenn diese Rolle von nun an mein Leben bestimmen wird, dann will ich sie wenigstens mitgestalten.

Inwieweit hat 007 Ihr Leben verändert?

Auf geradezu unermessliche Weise! Beispielsweise habe ich Orte gesehen, an die ich sonst nie gekommen wäre. Ich residiere hier im Hotel Adlon, das ich mir einst keinesfalls hätte leisten können. All das ist völlig unglaublich.

Andererseits können Sie nicht mehr wie früher unerkannt durch die Stadt laufen.

Stimmt. Als ich vor 18 Jahren hier in Berlin mit Heike Makatsch „Obsession“ gedreht habe, konnte ich ungestört überall hingehen – und das habe ich auch fleißig ausgenutzt. Ich erinnere mich an wunderbare Gespräche mit allen möglichen Leuten in diversen Kneipen. Diese Zeiten sind für mich natürlich vorbei. Aber es gibt keinen Grund zum Jammern: Die Schattenseiten des Ruhms werden durch die Vorzüge locker aufgewogen.

Im kommenden Herbst kehren Sie zu Ihren Theater-Wurzeln zurück: In einer Off-Broadway-Produktion von Shakespeares „Othello“ in New York spielen Sie an der Seite von David Oyelowo den Jago. Eine saftige Bösewicht-Rolle zur Abwechslung?

Ich finde die Figur gar nicht so böse. Es ist alles eine Frage des Standpunktes: Ich sehe in Jago jemanden, dem man im Leben übel mitgespielt hat. Dabei geht es bei meiner Rückkehr auf die Bühne nicht primär darum, mal wieder andere Schauspieler-Muskeln zu bewegen – ich bin einfach ein großer Fan des Theaterregisseurs Sam Gold und wollte unbedingt mit ihm arbeiten. Außerdem ist „Othello“ ein grandioses Stück.

Wie kommen Sie nun nach dem Bond-Rummel zur Ruhe?

Ganz einfach: Ich gehe nach Hause und verbringe Zeit mit meiner Familie. Ich habe ein nettes Heim – da gibt es immer viel zu tun. Vor allem aber ist es mir jetzt wichtig, die Familienbande wieder zu reaktivieren.

Seit den Dreharbeiten zu „Dream House“ vor fünf Jahren sind Sie mit Ihrer Kollegin Rachel Weisz liiert. Würden Sie gern mal wieder mit ihr arbeiten?

Das ist nicht die Frage, glaube ich. Die große Frage ist, ob sie noch mal mit mir arbeiten möchte! (Lacht.)

Marco Schmidt; Quiz: Stefan Sessler

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