Diana-Biografie erregt mit pikanten Details Aufsehen

London - Eine einsame und mediengeile Prinzessin. Ein Prinz, der sich wünscht, ein Tampon zu sein, und eine eiskalte Königin. Das sind die Zutaten einer neuen, Aufsehen erregenden Biografie über Diana, Prinzessin von Wales, die an diesem Montag erschienen ist.

Sex, Lügen und Intrigen üben auch noch zehn Jahre nach Dianas Tod eine enorme Anziehungskraft aus, an der in diesem Jahr jeder etwas verdienen will. In Großbritannien, einem Land, das nach Dianas Tod im August 1997 in kollektiver Trauer versank, sorgt der Wälzer bereits für deftigen Gesprächsstoff.

Die US-Journalistin Tina Brown geht in "Diana - Die Biografie" mit der "Prinzessin der Herzen" über 700 Seiten hart ins Gericht. Für die ehemalige Chefin der "Vanity Fair" und des "New Yorkers" ist Diana einerseits der gütige Engel, der Aids-Kranken die Hand gab und durch Minenfelder marschierte, andererseits aber eine rachsüchtige, hinterhältige und ungebildete Frau, die sich zum großen Teil selbst ins Unglück ritt.

Nach Browns Auffassung ging Diana die Ehe mit Prinz Charles weniger aus Liebe als aus Berechnung ein. Schon früh keimte in ihr der Anspruch, "wie ein Superstar behandelt zu werden", schreibt Brown nachdem sie mehr als 250 Vertraute für das Buch befragt hat. Diana habe sich in die naive Idee eines Prinzessinnen-Lebens verliebt und nicht in ihren Mann. Das "Dummchen Diana" wollte der Welt beweisen, dass sie auch anders kann. Aber "sie trug nicht nur die Bürde ihres eigenen Kindheitstraums, sondern auch die Last der Träume des ganzen britischen Volkes", analysiert Brown. 

Früh erkannte Diana, dass die Ehe schon zu Beginn zerrüttet war. So sagte sie auch später, sie habe sich vor der Hochzeit im Juli 1981 "wie ein Lamm auf dem Weg zur Schlachtbank" gefühlt. Denn das Prinzenherz schlug nicht für seine schöne, blutjunge Ehefrau, sondern für eine weitaus ältere Dame: Camilla. Von Anfang an lebte Diana "eine Ehe zu dritt", wie sie einst sagte. Ein erfüllendes Sexleben hatte allerdings nur Camilla mit Charles. Diana musste sich mit "Roll-on/Roll-off"-Sex begnügen, der sich später vollkommen einstellte, offenbart Brown dem staunenden Leser. Doch Diana zog trotz allem nicht die Notbremse. Sie setzte auf einen abgrundtiefen Rosenkrieg, der größtenteils in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde und nach Browns Auffassung die Monarchie zeitweise ins Wanken brachte.

Aus Frust und Einsamkeit trieb es Diana in die Arme verschiedener Liebhaber. Bei ihrem Leibwächter Barry Mannakee suchte Diana als erstes Trost. Den Reitlehrer James Hewitt "vögelte sie aus Protest" und zahlreiche andere Diana-Männer waren "austauschbare, vertrottelte Aristokraten", zitiert Brown Vertraute.

Die Prinzessin selbst war laut Brown ein "Yellow-Press-Junkie", der Reporter gezielt anrief, um die Berichterstattung zu lenken. Was Charles und das Königshaus in die Verzweiflung trieb. "Wir sind eine Seifenoper", bemerkte Charles einst, der selbst mit Enthüllungen über seinen Wunsch, Camillas Tampon zu sein, Schlagzeilen machte.

Doch als der Kampf um die Bilder immer erbarmungsloser wurde, wurden auch Diana die Kameras, die sie lange so gut zu beherrschen wusste, zum Verhängnis. Am 31. August 1997 starb die Prinzessin zusammen mit ihrem Freund Dodi Al-Fayed bei einem Autounfall in einem Tunnel in Paris, nachdem sie von Paparazzi verfolgt worden war.

Im letzten Kapitel schlägt Brown dann auch versöhnlicherer Töne an und würdigt Dianas Vermächtnis und ihre Wärme, die in der eisigen Palast-Atmosphäre nicht gewünscht war. "Mit Dianas Tod hat der Monarchie die Stunde der Wahrheit geschlagen, denn es konnte nicht länger ignoriert werden, wie realitätsfremd sie geworden war."

Obwohl sich das Buch rasant liest, hätten es weniger als 700 Seiten auch getan, zumal sich viele Details wiederholen. Brown betrieb einen enormen Rechercheaufwand. In ihrem Bemühen um Glaubhaftigkeit belegt sie Zitate und Behauptungen mit Fußnoten. Dabei wird klar, wie viel und wie ausführlich über Diana bereits geschrieben wurde. Und es zeigt auch, dass die Sensationsgier nach Dianas Leben und Leid wohl so bald nicht verschwinden wird.

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