"Die Bühne ist mein Zuhause" - Ein Interview mit dem Jubilar

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<P>Sie stehen seit über acht Jahrzehnten auf der Bühne. Was ist Ihr Erfolgsrezept?<BR><BR>Johannes Heesters: Ein Schauspieler darf nie sagen: Heute habe ich keine Lust. Das merkt das Publikum sofort. Natürlich hat man, gerade im Alter, ab und zu seine Wehwehchen, aber da muss man durch. Auf der Bühne darf man sich nie Müdigkeit anmerken lassen, sondern muss arbeiten. Und ich habe immer gearbeitet.<BR><BR>Haben Sie denn nie ans Aufhören gedacht?<BR><BR>Heesters: Viele meiner Kollegen haben mit 65 gesagt: Ich hör auf, dann hab ich Zeit für mich. Zu Hause ist dann der erste Monat schön, der zweite noch schöner, der dritte schon ein bisschen langweilig, im vierten bekommt man Kopfschmerzen . . . Und plötzlich ist man alt. Ich hab das nicht gemacht. Und ich hatte Recht.<BR><BR>Wenn Sie auf Ihre lange berufliche Laufbahn zurückblicken, was war der schönste Moment?<BR><BR>Heesters: Das kann ich so gar nicht sagen. Ich hab eine wunderbare Karriere hinter mir, tolle Rollen gespielt. Das Schönste war eigentlich, dass die Abende fast immer ausverkauft waren. In unserem Beruf ist es die Hauptsache, ein volles Theater zu haben. Nichts ist frustrierender, als vor einem halb leeren Saal zu spielen.<BR><BR>Ihre Töchter sind beide musisch begabt. Wiesje ist Pianistin und hat eine eigene Musikschule, Nicole ist selbst eine erfolgreiche Schauspielerin. Hat Sie das gefreut?<BR><BR>Heesters: Ich habe mich nicht gesträubt, aber ich habe gesagt: Bleibt dabei! Vor euch steht ein großer Tisch mit Blumen, Geschenken vom Publikum, Applaus. Arbeitet immer, damit die Blumen nicht verwelken und der Applaus nicht verklingt. </P><P>Und manchmal, wenn ich heimkam und aus dem einen Zimmer hörte ich Beethoven, aus dem anderen irgendeinen großen Dichter, da ertappte ich mich bei dem Gedanken: Und du? Du machst Operette! Man könnte fast sagen, ich hatte ein bisschen Minderwertigkeitskomplexe gegenüber meinen Töchtern.<BR><BR>Was wünschen Sie sich zum hundertsten Geburtstag?<BR><BR>Heesters: Ich wünsche mir, dass niemand nach dem 5. Dezember sagt: Jetzt hau ab, alter Junge. Du bleibst uns zwar in Erinnerung, aber es langweilt uns, dich zu hören. Ich möchte weitermachen. Die Bühne ist mein Zuhause.</P><P>Das Gespräch führte Melanie Brandl.<BR><BR></P>

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