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Dieter Pfaff spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über zehn Jahre als Seelendoktor Bloch und warum er diese Rolle liebt und so lange wie möglich spielen will

"Seelendoktor Bloch" im Interview

Dieter Pfaff: "Wir sind alle kleine Psychologen"

München - Dieter Pfaff spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über zehn Jahre als Seelendoktor Bloch und warum er diese Rolle liebt und so lange wie möglich spielen will.

Er ist das Schwergewicht unter den Fernsehpsychologen – seit zehn Jahren ist der Held der ARD-Filmreihe „Bloch“ den seelischen Nöten seiner Patienten auf der Spur, dabei hat der von Dieter Pfaff gespielte, hochsensible Familienvater selbst jede Menge Probleme. In seinem neuen Fall mit dem Titel „Der Fremde“ (ARD, heute, um 20.15 Uhr), bekommt es Maximilian Bloch mit dem Unternehmer Lorenz Haller zu tun, der vor vielen Jahren sein bester Freund war und der nach einem Schlaganfall ein völlig anderer geworden zu sein scheint. Haller wird gespielt von Vadim Glowna, der nur wenige Monate nach den Dreharbeiten überraschend starb. Dieter Pfaff, geboren 1947 in Dortmund, zählt seit vielen Jahren zu den renommiertesten Schauspielern Deutschlands, er überzeugte unter anderem in der ZDF-Krimireihe „Sperling“ und ist im Ersten außer als Bloch auch als „Der Dicke“ zu sehen.

Seit zehn Jahren spielen Sie den Psychotherapeuten Bloch. Glauben Sie, dass im Prinzip jeder Mensch eine Meise hat?

Nein, das glaube ich nicht. Die meisten sind wohl normal, wobei sich natürlich sofort die Frage stellt, wie man „normal“ definiert. Eine befreundete Psychologin, die in einer Anstalt tätig war, hat mir mal erzählt, dass man dort alles an Macken beobachten kann, was einem auch sonst an den Mitmenschen so auffällt – nur viel stärker ausgeprägt.

Man liest immer wieder, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen zunimmt. Warum, glauben Sie, ist das so?

Ich denke, das hat damit zu tun, dass wir in einer sehr verwirrenden Welt leben, die vielen Menschen keinen Halt mehr bietet. Früher haben den noch die Kirchen gegeben, da gibt es ja auch den wunderbaren Begriff der Seelsorge. Aber die Glaubwürdigkeit von Kirchen ist zurückgegangen, und die Psychologie hat die dadurch entstandene Lücke nicht füllen können. Anders als etwa in Amerika kostet es viele Leute auch sehr viel Überwindung, sich bei seelischen Problemen Hilfe beim Psychotherapeuten zu holen.

Wo gehen Sie hin, wenn Ihnen etwas auf der Seele liegt?

Zu meiner Frau und zu meinen Freunden. Bei manchen Problemen kann einem allerdings niemand helfen – und wenn ich ernsthafte psychische Probleme hätte, würde ich schon fachlichen Rat in Anspruch nehmen. Wobei ich nicht glaube, dass einen eine Therapie von den Dingen, die einen belasten, völlig befreit. Sie bringt einem nur bei, wie man damit umgeht, und das kann ein sehr langer Prozess sein.

Gab es in Ihrem Leben schon Situationen, in denen Sie mit dem Gedanken an eine Therapie gespielt haben?

Klar, an so was denkt man immer mal wieder. Ich habe allerdings tatsächlich noch nie an einer Therapiesitzung teilgenommen, auch nicht in Vorbereitung auf die Rolle als Bloch.

Für viele Schauspieler ist das Spielen von Rollen eine Art Therapie, um zum Beispiel eine angeborene Schüchternheit zu überwinden. Wie ist das bei Ihnen?

Ich glaube auch, dass ich ein eher schüchterner Mensch bin und diese Scheu vor der Kamera überwinde. Die Schauspielerei hat ja was mit Katharsis, mit Reinigung zu tun, und ich denke schon, dass das bei mir auch zutrifft. Ich habe in den vergangenen Jahren ja viele Filme und Figuren mitentwickelt, mit denen ich Dinge abgearbeitet habe, die mich beschäftigen. So ist das auch bei Bloch. Ich wollte früher mal Psychotherapeut werden, und dann wurde eine Rolle draus – nicht die schlechteste Lösung, wie ich finde.

Hat sich Bloch in den zehn Jahren so entwickelt, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Eigentlich schon, wobei so eine Figur manchmal auch ganz andere Wege geht, als man ursprünglich glaubt. Du gibst etwas von dir in so eine Figur hinein, doch sie gibt dir auch etwas zurück – und sie entwickelt immer ein Eigenleben.

Mögen Sie den Bloch?

Ja. Man kann nicht jemanden spielen, den man nicht mag. Man muss schon schauen, dass man seine Figur auch liebt, sonst geht es nicht. Uns war bei der Figur wichtig zu zeigen, dass jemand, der als Psychotherapeut arbeitet, auch selber Probleme haben kann – und die hat Bloch ja zur Genüge.

Bitten Zuschauer Sie um psychologischen Rat?

Ja, das kommt vor, dass ich in Briefen um Rat gefragt werde. Den kann ich natürlich nicht erteilen, weil ich kein Psychotherapeut, sondern Schauspieler bin. Ich will in diese Rolle auch nicht hineingedrängt werden.

Verständlich. Aber ertappen Sie sich nicht manchmal doch dabei, dass Sie Leute aus ihrem Umfeld analysieren?

Ich versuche das nach Möglichkeit zu vermeiden. Wir sind schließlich alle kleine Psychologen – so wie wir auch alle kleine Bundestrainer sind.

Wie lange wollen Sie den Bloch noch spielen?

Keine Ahnung. So lange uns noch gute Geschichten einfallen, würde ich sagen.

Und wie lange verträgt das Fernsehen noch so eine sperrige Figur?

Ich hoffe noch lange, denn wenn es keine sperrigen Figuren mehr im Fernsehen gibt, dann sieht’s duster aus. Man braucht doch Filme mit Ecken und Kanten, die einen herausfordern – sonst ist das doch total langweilig.

Das Gespräch führte Martin Weber

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