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Dragqueen Marcel Kaupp hat die RTL-Castingshow „Das Supertalent“ gewonnen.

Bohlen vermisst „das große Gefühl“

Casting-Finale: Dragqueen ist „Supertalent“

Köln - Dragqueen Marcel Kaupp hat die RTL-Castingshow „Das Supertalent“ gewonnen. Der Kölner bekam von den Fernsehzuschauern die meisten Stimmen und setzte sich damit gegen die anderen elf Finalisten durch.

Eine echte Liebeserklärung von einem Jurymitglied - das hatte es bisher auch beim „Supertalent“ noch nicht gegeben. Nachdem Dragqueen Marcel Kaupp als Frau verkleidet den Whitney-Houston-Hit „One Moment in Time“ gesungen hatte, gesteht Modedesigner Guido Maria Kretschmer dem 26-jährigen Kölner mit verklärtem Blick: „Jedesmal wenn ich Dich treffe, denke ich: Ach, der könnte mein Freund werden!“ Danach kann es eigentlich nicht mehr schief gehen, und tatsächlich wird Kaupp von den Zuschauern prompt zum „Supertalent 2014“ gewählt.

Co-Juror Bruce Darnell („Der Gluck steht vor der Tür“) umarmt ihn nach seinem Auftritt, und selbst die spröde Lena Gercke spart nicht mit Anerkennung. Lediglich Jurypräsident Dieter Bohlen knurrt, Whitney Houston habe das doch selbst ungleich besser gesungen. Ihm fehle da „das ganz große Gefühl“.

Bohlens eigener Favorit wird nur Zweiter: der Sänger Andreas Hruska aus Niederbayern. „Er hat mich wirklich sehr, sehr zufrieden gemacht in meinem Herzen“, gesteht er. Ebenfalls in Verzückung versetzen ihn die „Filieri Brüder“ aus Weeze am Niederrhein: „Ich glaub', ihr seid das beste Duo seit Modern Talking.“ Aber selbst dieses höchste aller Komplimente kann das Fernsehvolk nicht überzeugen.

Blamabel endet der Abend für den in Marbella wohnenden Mädchen-Schwarm Patrick Müller-Klug (16). Ihn straft Bohlen mit den Worten ab: „In deinem Gesicht steht die Sonne von Marbella, in deinen Stimmbändern der Regen von Hamburg.“ So ist das Finale der alljährlichen Begabtensuche auch diesmal wieder ein Wechselspiel von Glück und strenger Heimsuchung.

Neben den üblichen Kalauern entfahren Bohlen mindestens zwei überraschende Äußerungen. An einer Stelle sagt er, den französischen Gitarristen Laurent Kremer habe er ins Finale geholt, weil er „auch mal nicht so was vordergründig Kommerzielles zeigen“ wollte. Bohlen also Förderer unerkannter Talente jenseits des Mainstreams? Hört, hört!

Die zweite Bemerkung fällt nach dem Auftritt des Zauberers Christian Farla. Solche Nummern, so Bohlen, kenne er aus Las Vegas, „aber größer, fetter. Hier für's Supertalent war's ok.“ Darf man dies als Hinweis darauf verstehen, dass der von RTL durchgängig als „Poptitan“ titulierte Bohlen nur zu gut um die Beschränktheit seines Formats weiß? Und dass ihn dies zumindest augenblicksweise frustriert?

Wie stets versteht es RTL, den Höhepunkt des monatelangen Ausleseprozesses bis tief in die Nacht hinzuziehen und auf diese Weise Werbeblock um Werbeblock dazwischen zu schieben. Erst nach Mitternacht steht der per Telefonvoting ermittelte Sieger fest. Und noch ehe der Name bekanntgegeben wird, denkt Dieter Bohlen schon an die nächste Staffel. „Habt Mut, Leute“, spornt er die Zuschauer an und erinnert an den Gewinner von vor sechs Jahren: „Der Michael Hirte zum Beispiel, den kannte ja vorher kein Mensch. Jetzt hat er ein Haus, zwei Kinder, 'ne hübsche Frau. Das ist schon ganz schön.“ RTL wartet auf Bewerbungen.

dpa

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