Dramatiker Wolfgang Bauer tot

- Graz/Wien - Der österreichische Schriftsteller Wolfgang Bauer, einer der wichtigsten Dramatiker des Landes, ist am Freitag im Alter von 64 Jahren gestorben. Dies betätigten Freunde der Familie der Nachrichtenagentur APA. Er wurde durch sein Theaterstück "Magic Afternoon" Ende der 60er Jahre einem größeren Publikum als provokanter Gegenwartskritiker bekannt. Der Autor erlag vermutlich einem Herzleiden. Sein Werk wurde in mehr 24 Sprachen übersetzt und in 35 Ländern aufgeführt. Es umfasst neben Dramen und Gedichten auch den Roman "Fieberkopf", Kurzprosa, Essays, Kritiken, Filme und Fernsehstücke.

Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel meinte zum Tode des Schriftstellers am Wochenende, Bauers Tod bringe "eine der gewichtigsten Stimmen der österreichischen Nachkriegsliteratur zum Verstummen". Bauer sei ein "Motor der literarischen Avantgarde in Österreich" gewesen. Der österreichische Schriftsteller Peter Handke nannte Bauer "in jungen Jahren das einzige Genie in Österreich".

Bauer galt in den frühen 60er Jahren als Bürgerschreck und Anarchist. In seiner Heimatstadt Graz trat er erstmals im "Forum Stadtpark" auf den Plan, der Wiege der österreichischen DichterAvantgarde. Doch der Durchbruch kam erst auf dem Umweg über Deutschland. 1968 schockierte Bauers Drama "Magic Afternoon" bei der Uraufführung in Hannover Publikum und Kritik. Nach wenigen erfolgreichen Jahren an internationalen Theatern aber wurde es still um den früheren "Realismus-Schocker".

Anarcho-Dichter, surrealer Esoteriker, Nestroy der BeatGeneration - das waren Einordnungen, die Bauer charakterisieren sollten. In "Magic Afternoon" und dem Nachfolge-Erfolg "Change" zeichnete der junge Autor ein tristes Bild seiner Generation, das hart mit deren revolutionärem Selbstverständnis kontrastierte. Der Protest versickerte danach in Ziellosigkeit, die Jugend verlor sich im Leerlauf, übrig blieben Sex und Gewalt. In provokativ ruppiger Sprache schlug Bauer bei seiner Darstellung einen neuen, oft ins Plumpe gehenden, satirischen Ton an.

In den 70er Jahren war er in deutschsprachigen Theatern mit seinen Stücken und als Regisseur präsent. Doch seit den 80er Jahren, als er seine surrealen Ansätze verstärkte, verschwanden seine Stücke fast von den Spielplänen. Sein letztes Stück "Foyer" war im vergangenen Jahr beim Grazer Festival für Gegenwartskunst "steirischer herbst" uraufgeführt worden.

Neben Dramen verfasste Bauer auch Hör- und Fernsehspiele, Drehbücher und Gedichte. Er wurde unter anderen mit dem PeterRosegger-Literaturpreis (1970) und dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur (1995) ausgezeichnet.

Handke sagte, Wolfgang Bauer sei "in jungen Jahren das einzige Genie in Österreich" gewesen. Mit seinem immer surrealistischer werdenden Werk habe der Autor dann aber "vielleicht zu sehr das Genie gesucht und noch erreichen wollen. Und das war fast tragisch", urteilte der in Paris lebende Handke am Samstag laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Der Grazer Schauspieldirektor Matthias Fontheim meinte, mit ihm verliere die Theaterwelt "einen der wichtigsten österreichischen Dramatiker der Nachkriegszeit". In Graz waren viele von Bauers Stücken aufgeführt worden.

Schriftsteller Gerhard Roth würdigte Bauer als "Mensch, der die Ideologien abgelehnt hat, weil sie ihm die Sicht auf die Existenz verstellt haben". Er sei "seinen ganz eigenen, persönlichen Weg in der Literatur gegangen, ohne sich von Erfolg oder Misserfolg beeinflussen zu lassen. Er hat das realistische Theater auf einen Höhepunkt gebracht und Ansätze für ein neues Theater gefunden, das erst später nach seinem Tod zu entdecken sein wird."

Sein späteres Werk mit den zunehmend surrealen oder fantastischen Stücken sei "vom Theater bislang nicht entsprechend verstanden und gewürdigt worden", meinte Roth. "Es ist möglich, dass man das Gelächter, das in diesen Stücken zu hören ist, von einem Lebenden weniger annimmt, als wenn es aus dem Totenreich kommt."

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