Die Dreifaltigkeit des Pop wird 150

München - Im Sommer 1958 erblickten drei der größten Popstars aller Zeiten das Licht der Welt: Madonna (16. August), Prince (7. Juni) und Michael Jackson ( 29. August). Sie setzten Maßstäbe in Sachen Selbstinszenierung. Eine Würdigung zum Hundertfünfzigsten.

Wie eine Bombe schlug die Nachricht nicht gerade ein: Madonna kann nicht kochen. "Das Einzige, was sie kann, ist knuspriger Reiskuchen", petzte Bruder Christopher Ciccone dem Daily Mirror. Nun traut man der Diva ja vieles zu, kochen gehört sicher nicht dazu. Madonna Louise Ciccone, die an diesem Samstag 50 Jahre alt wird, war zusammen mit Michael Jackson und Prince Teil einer Dreifaltigkeit, die in jeder Hinsicht neu definierte, was man sich im Pop erlauben darf.

Ein Megastar dieser Kaliber konnte man wohl nur in den 80er-Jahren werden. Der Turbo-Kapitalismus drängelte auf der Überholspur, die Oberflächen glänzten, neue Technik begeisterte. Und: Musik kam ins Fernsehen. Am 1. August 1981 wurde MTV auf die Menschheit losgelassen. Zu der Zeit war Madonna, ein mutterloses, katholisch erzogenes Mädchen aus Pontiac im US-Staat Michigan, noch Tanz-Studentin und putzte Klingeln bei Plattenfirmen. Wenige Jahre später sollte sie ihr Bekenntnis in einem Superhit formulieren: "I live in a material world, and I am a material girl."

Zuvor waren Künstler auf Zeitung und Radio angewiesen, um sich im öffentlichen Bewusstsein festzubeißen. Madonna war die Erste, die die Mattscheibe konsequent für sich nutzte: In Videos inszenierte sie sich mal als Flittchen, mal als Büßerin. Spießer schäumten, gleichzeitig kleidete sich eine ganze Mädchengeneration wie sie - Leggins, die untoten Beinkleider, man sieht sie heute noch. Madonna erfand sich im Zwei-Jahres-Rhythmus neu, entwickelte sich zu ihrem eigenen Konzern. Mit zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein wurde sie Ikone des Feminismus und Vorbild für all die übrigen Sternchen.

Michael Jackson aus Gary, Indiana, regierte zu dieser Zeit längst als King of Pop. Mit geschmeidigem Stimmchen, den Alben "Off the Wall" und "Thriller" und von Disko-Klängen à la Stevie Wonder beeinflussten Songs schoss er in Höhen, in denen die Luft dünn wurde. Deshalb legte er sich schon mal gerne ins Sauerstoffzelt. Männlein? Weiblein? "Jacko" ließ eifrig an seiner Physiognomie herumschnippeln.

Aber nicht nur in Sachen Spinnerei sprengte er den Rahmen. Die Liste ist lang: "Thriller", meistverkauftes Album aller Zeiten. "Thriller"-Video, ein Mini-Monsterfilm, sehr teuer, etabliert das Musikvideo als Kunstform. "Moonwalk", der irre Tanz des Begnadeten, bedient sich bei James Brown, Fred Astaire und dem Pantomimen Marcel Marceau und setzt Show-Maßstäbe.

Geschlechter-Unterschiede interessierten Prince Rogers Nelson aus Minneapolis, Minnesota, nicht die Bohne. Das Multitalent vereinigte in seiner Erscheinung heterosexuellen Machismo mit schrill-schwulen Outfits. Oft hatte er außer Brusthaar und Damenslip nichts an. Auf Alben wie "Purple Rain" und "Sign O' The Times" ging es denn auch deftig zu. Der Prince-Song "Darling Nikki" rief Tipper Gore, die Gattin von Al Gore, auf den Plan: Ihre Initiative sorgte dafür, dass jeder Tonträger mit unartigen Texten einen albernen schwarzen Aufkleber verpasst bekam, der Eltern warnte ("Parental Advisory"). Er wurde natürlich zur Kaufempfehlung für Pubertierende.

Heute stehen die drei, die die Welt veränderten, recht unterschiedlich da. Michael Jackson entwickelte sich nach einem guten ("Bad") und einem harmlosen ("Dangerous") Album künstlerisch wie privat zu einem bedauernswerten Fall. Prozesse wegen angeblichen Kindesmissbrauchs taten ihr Übriges, um seinen Ruf zu ruinieren. Jackson ist zum King of Klatschspalten geworden.

Prince haderte derweil mit seiner Plattenfirma, gab sich drollige Namen wie "Symbol" oder "Der Künstler, der mal Prince hieß" und trug den Schriftzug "Sklave" auf der Backe. Fortan veröffentlichte er Musik im Internet und wurde so zum Vorreiter aktueller Strömungen der Vermarktung.

Und Madonna? Das Geburtstagskind schwächelt seit ein paar Jahren. Express-Adoption, Zungenküsse mit Britney Spears, Porno-Chic - kalter Kaffee. Selbst schuld: Die Skandal-Latte liegt ihretwegen ziemlich hoch. Musikalisch arbeitet die Unternehmerin immer noch mit trendigen Produzenten - was dabei rauskommt, langweilt bisweilen.

Doch obwohl, oder vielleicht gerade weil Madonna die am wenigsten Geniale in unserer 150-jährigen Dreifaltigkeit ist, traut man ihr einen kreativen Schub jederzeit zu. Beim Erschnuppern von Erfolg macht Frau Ciccone keiner was vor - auch wenn sie langsam eingestehen muss, dass sie nicht die ewige Jugend gepachtet hat. Eine amüsante Vorstellung wäre das allerdings schon: Madonna setzt sich zur Ruhe und stellt sich, um ihre Ehe zu retten, fortan für Gatte Guy Ritchie und Kinder Lourdes, Rocco und David an den Herd. Und jeden Tag gibt's knusprigen Reiskuchen...

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