Bob Dylan, Richard Gere und andere Legenden am Lido

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Venedig (dpa) - Bob Dylan (66) ist eine amerikanische Legende, seit fast fünf Jahrzehnten ist der einstige "Protestsänger" im Musikgeschäft - der Mann verkörpert das Lebensgefühl von Generationen. Eigentlich merkwürdig, dass erst jetzt ein erster Fictionfilm über ihn in die Kinos kommt.

"I'm Not There", heißt der Streifen von Hollywood-Regisseur Todd Haynes, und allein die Besetzung lässt einen den Atem anhalten. Richard Gere, Heath Ledger, Christian Bale, plus Cate Blanchet, Charlotte Gainsbourg und Julianne Moore, so viele Stars sind sonst selten nebeneinander zu sehen. Beim Filmfestival in Venedig läuft der Beitrag im Rennen um den Goldenen Löwen - als Favorit gilt er trotzdem nicht.

"Wenn es einen Künstler gibt, den man noch in 200, 300 Jahren kennt, dann ist das Bob Dylan - nicht Picasso." Normalerweise lässt sich der ruhig und grau gewordene Gere nicht zu solch gewagten Aussagen hinreißen. Sage und schreibe sieben Schauspieler stellen den wandlungsfähigen Megastar Dylan in seinen verschiedenen Lebensphasen dar. Doch große Namen sind keine Erfolgsgarantie für einen großen Film. Streckenweise beinahe brav wird der Kontext der "wilden Jahren" erzählt, immer wieder TV-Bilder über Vietnam, die Protestgeneration, alles in gelungen Bildern - aber alles schon bekannt, manches wirkt in dem Streifen wie gelähmt. Ein paar Takte Dylan-Songs sagen mehr als alle filmischen Versuche, sich der Legende zu nähern.

Schöne Bilder produziert auch Wes Anderson in "The Darjeeling Limited", eine Art Road Movie mit der Eisenbahn durch Indien. Owen Wilson (der wegen seines mutmaßlichen Selbstmordversuchs nicht an den Lido kommen konnte), Adrien Brody und Jason Schwartzman spielen drei Brüder auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung und ihrer verrückten Mutter. Das Ganze ist witzig und kunterbunt - für einen Löwen dürfte es dennoch kaum reichen. Ebenfalls eher zurückhaltend aufgenommen wurde am Lido "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford", eine Art "psychologischer Western" von Regisseur Andrew Dominik. Auch Jesse James ist eine amerikanische Legende, ein Gangsterheld aus dem Far West des 19. Jahrhunderts, auch hier spielten Superstars wie Brad Pitt - doch der Film kommt reichlich gebremst und unterkühlt daher.

Als echte Überraschung feiern die Kritiker dagegen "La Graine et le mulet" des aus Tunesien stammenden Regisseurs Abdellatif Kechiche - ein Film wie ein Kontrapunkt zu den großen Themen, den großen Stars und dem großen Aufwand der US-Produktionen. Eigentlich passiert nicht viel, es geht um eine nordafrikanische Einwanderfamilie in Frankreich, ihr ganz normales Leben, einschließlich der kleinen Behinderungen und Erniedrigungen, die sie erleiden. "Ich denke an die Generationen von arabisch-französischen Einwanderern", meint der Regisseur. Rührige Kritiker sehen ihn ihm schon den Gewinner des Goldenen Löwen, vermutlich etwas voreilig.

Doch im Brennpunkt am Lido stehen diesmal die großen Themen, allen voran der Irakkrieg. Das Thema brennt unter den Nägeln, lange hat es gedauert, bis das Tabuthema in die Kinos kommt. Nach "Redacted" von Hollywood-Regisseur Brian De Palma ("Mission: Impossible") hat der "Kriegsheimkehrerfilm" von Paul Haggis "In the Valley of Elah" langen Beifall erhalten; beide Streifen stellen die USA an den Pranger. Einen Löwen wären die Filme schon wert.

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