"Eigentlich wollte ich Radrennfahrer werden"

- Udo Jürgens, Max Raabe, Chris de Burgh - beim Mini-Jubiläum des "Festival unter Sternen" (13. bis 17. Juni), das heuer bereits zum fünften Mal auf Schloss Herrenchiemsee steigt, geben sich die Stars die Klinke in die Hand. König Ludwig II. hätte seine Freude gehabt! Am letzten Tag der Open-Air-Woche tritt der belgische Startenor Helmut Lotti, 37, auf.

Herr Lotti, was erwartet Ihre Zuhörer im Schlossgarten?

Im ersten Teil werde ich Elvis singen und "Croonen", also das Repertoire von Dean Martin, Perry Como und Nat King Cole, aber vor allem Elvis. Im zweiten Teil mache ich eine musikalische Weltreise durch Lateinamerika, Afrika, Russland. Popmusik werde ich auch vortragen, aber nur ein bisschen. Es wird ein Durchschnitt durch mein Repertoire.

Mit klassischer Musik sind Sie sehr früh in Berührung gekommen, mit fünf Jahren standen Sie erstmals auf einer Opernbühne.

Das stimmt, aber das hatte mit Gesang nichts zu tun. Mein Großvater war damals in Gent Opern-Direktor. Ich musste nur eine Treppe run- terlaufen und "Tante Rika, Tante Rika" rufen. Das war eine ganz kleine Rolle in der Operette "Friederike" von Franz Lehär.

Trotzdem sind Sie kein Opernsänger geworden?

Ich bin kein Tenor, auch wenn das gerne geschrieben wird. Aber ich habe nie Gesang studiert. Ich habe keine ausgebildete Stimme. Ich habe aber immer schon gerne gesungen, in der Schule, bei Kommunionfeiern, in der Kirche - immer wenn es etwas zu singen gab, dann war ich da. Es hat mir Freude gemacht, aber eigentlich wollte ich Radrennfahrer werden. Ich liebe diesen Sport. Ich sehe mir heute noch gern die Flandern-Rundfahrt an, toll! 

Viele Ihrer Lieder handeln von der Liebe, glauben Sie selbst noch daran?

Ja natürlich! Wenn wir daran nicht mehr glauben, was ist dann das Leben? Wir müssen an die große Liebe glauben.

Sie haben die Suche nach zwei gescheiterten Ehen noch nicht aufgegeben?

Ich bin nicht auf der Suche. Wenn man die große Liebe sucht, findet man sie nie. Man muss einfach warten, was kommt. Die Liebe trifft einen immer überraschend.

Sind Sie denn gerade frisch verliebt?

Nein, ich bin momentan alleine. Aber ich bin trotzdem nicht auf der Suche - um Gottes Willen! Endlich mal Ruhe (lacht).

Haben Sie vor Auftritten Lampenfieber?

Ja, früher war das extrem. Aber ich wollte immer unbedingt singen, auch wenn mir zugleich die Knie geschlottert haben.

Ist das heute noch so?

Wenn ich etwas Neues aufführe, was ich noch nicht so gut kenne, dann ja. Etwa ab der Mitte einer Tournee kommt die Routine, dann ist es nicht mehr so schlimm.

Haben Sie ein Geheimrezept dagegen?

Ganz ruhig atmen, mehr kann man nicht tun. Es gehört einfach dazu.

Sie sind derzeit enorm erfolgreich. Haben Sie manchmal Angst, dass das irgendwann vorbei sein könnte.

Ja natürlich. Man ist immer nur so erfolgreich wie das letzte Projekt oder die letzte Platte. Wenn diese nicht gut ist, wollen einen die Menschen nicht mehr hören. Aber noch haben die Leute zum Glück Freude an meinen Liedern.

Hier finden Sie nähere Informationen über das "Festival unter Sternen" auf Schloss Herrenchiemsee:

> www.festival-unter-sternen.de

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