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Professor Florian Holsboer (links) war ein enger Freund von Gunter Sachs, der oft in seinem Münchner Fotostudio und in seinem Haus am Tegernsee war.

„Ein unglaublich liebenswerter Mensch“

München - Professor Florian Holsboer, ein guter Freund von Gunter Sachs, spricht im Merkur-Interview über dessen Leben abseits von Glamour und Jetset.

Den meisten Menschen ist Gunter Sachs vor allem als berühmtester Playboy Deutschland ein Begriff. Doch der studierte Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler liebte nicht nur schöne Frauen, sondern auch Kunst und Wissenschaft. Unter anderem interessierte er sich sehr für die Arbeit des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, mit dessen Direktor, Professor Florian Holsboer, er gut befreundet war. Mit dem Wissenschaftler hatte er noch für den gestrigen Tag ein Treffen am Tegernsee vereinbart, wo Sachs im Bad Wiesseer Ortsteil Abwinkl ein Haus besaß. Den gebürtigen Franken zog es oft nach Bayern, immer wieder ließ er sich bei gesellschaftlichen Anlässen in München und am Tegernsee sehen. Wir haben mit Florian Holsboer gesprochen.

Wann haben Sie vom Tod von Gunter Sachs erfahren?

Wir hatten vereinbart, am Freitag zu telefonieren, um uns für ein Abendessen am Wochenende in Bad Wiessee zu verabreden. Aber als ich versucht habe, ihn zu erreichen, ging er nicht an sein Handy. Am Samstag habe ich dann durch Bekannte erfahren, was passiert ist. Ich bin tief unglücklich, ich habe einen guten Freund verloren.

Können Sie sich seinen Freitod erklären?

Hat Gunter Sachs in letzter Zeit bedrückt gewirkt?

Ich habe ihn vor etwa fünf Wochen zum letzten Mal getroffen. Er bei mir zu Hause einen Krankenbesuch gemacht, weil ich einen Skiunfall hatte. Da war er sehr eloquent, schlagfertig und witzig – so, wie wir ihn immer gekannt und geliebt haben.

Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben

Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben

Er war immer wieder in München und am Tegernsee. War Bayern einer seiner Lebensschwerpunkte?

Gunter hatte mehrere Lebensschwerpunkte. Er war ein Mensch, der nie an einem Ort seßhaft wurde. Privat hing sein Herz, glaube ich, vor allem an Gstaad, an seinem Schweizer Chalet. Aber was das Berufliche und seine Kontakte anging, war vor allem München ein ganz wichtiger Ort für ihn. Sein Studio dort war sein beruflicher Mittelpunkt. Er war ja ein bienenfleißiger Mensch, der ständig Projekte hatte. Gunter war nicht nur ein renommierter Fotograf, sondern auch ein sehr gebildeter Mensch und ein Förderer der Wissenschaft und der Kunst.

Das hört sich nicht nach dem leichtlebigen Playboy an, den viele bis zuletzt in ihm gesehen haben.

Er war, jedenfalls seitdem ich ihn kenne, kein Vertreter dieses aufgedrehten Schickimicki-Jestset. Leute um sich zu scharen, nur weil die prominent sind, hatte er nicht nötig. Gunter hat in einer anderen Liga gespielt. Schöne Frauen hatte er natürlich schon gerne um sich – aber das waren immer Frauen mit unglaublicher Klasse, wie Brigitte Bardot und Mirja Sachs. Er war eben ein Ästhet. Und er war ein unglaublich liebenswerter, herzensguter Mensch, der jedem, der in Not war, seine Hilfe angeboten hat. Man muss außerdem sagen, dass der Ausdruck „Playboy“ in seiner Jugend noch eine andere Bedeutung hatte. Heute ist das ja eher etwas Negatives. Damals, nach diesen schweren Zeiten des Weltkriegs, war das anders. Da hat es viele in Deutschland aufgebaut, dass es eine so schillernde Gestalt wie Gunter Sachs gab.

Gunter Sachs hatte ein Haus am Tegernsee, genauer im Bad Wiesseer Ortsteil Abwinkl. War das bayerische Idyll ein Gegenpol zum Leben in der weiten Welt?

Ich glaube, er ist in Bad Wiessee nie richtig heimisch geworden. Er hat zwar dort gewohnt, wenn er zum Arbeiten in München war. Aber wenn er sich in die Natur zurückziehen wollte, ist er eher nach Gstaad gefahren.

Was glauben Sie, woher kam sein unglaublicher Schlag bei Frauen?

Gunter war kein Mann, der mit Champagner und Kaviar um sich geworfen hätte, um Frauen zu verführen. Er hat durch seine Weltgewandtheit bestochen, durch seinen Humor und durch seine Intelligenz. Das ist für Frauen von solch hohem Niveau ja sehr anziehend.

Was haben Sie am meisten an ihm bewundert – und was war auf der anderen Seite seine größte Schwäche?

Ich habe vor allem seine Klugheit bewundert. Damit meine ich nicht nur Bildung und Intelligenz, sondern auch seine Herzensklugheit. Er war sehr sensibel. Wenn irgendetwas los war, brauchte man gar nicht viel zu sagen. Das hat er schon am Tonfall gemerkt. Sein Freund zu sein, hat einem Sicherheit gegeben. Man wusste, wenn etwas passiert, rufe ich den Gunter an – und der hilft mir.

Hatte er auch Schwächen?

Seine Hauptschwäche war seine unermessliche Ungeduld. Unpünktlich durfte man bei ihm überhaupt nicht sein. Und er war sehr schnell beleidigt, wenn etwas nicht so lief, wie er es sich vorgestellt hat. So etwas hat er sehr stark auf sich bezogen, und sich das Leben damit manchmal schwer gemacht.

An welche Begebenheit mit Gunter Sachs denken Sie besonders gerne zurück?

Ich habe vor einiger Zeit geheiratet und in einem indischen Lokal in Schwabing gefeiert. Alle Gäste sollten sich im Stil der Bollywood-Filme verkleiden. Gunter hat das sehr ernst genommen – er sah wirklich toll aus. Und er hatte uns als Hochzeitsgeschenk aus Südfrankreich eine Bauchtänzerin mitgebracht, die hat den Abend wirklich sensationell bereichert. Das war eben Gunter.

Interview: Andreas ZimniokEinen Freitod kann man sich nie wirklich erklären. Man kann nur versuchen, zu verstehen, was in einem Menschen in dem Augenblick vorgegangen sein mag.

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