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Amanda Knox packt aus.

Autobiografie und TV-Auftritt

"Eisengel" Amanda Knox packt aus

San Francisco - Sex, Mord, Haft, Freispruch und ein neuer Prozess: Das Justizdrama um Amanda Knox hat viele Seiten. Jetzt packt die bekannte US-Studentin in einem Buch und einem TV-Interview aus.

Als Amanda Knox nach vier Jahren in italienischer Haft in ihre Heimatstadt Seattle (US-Bundesstaat Washington) zurückkehrte, fehlten ihr die Worte. Bei einem jubelnden Empfang von Familie und Freunde am Flughafen sagte die damals 24-jährige Studentin mit zittriger Stimme, sie sei „wirklich überwältigt“. Sie wolle sich bei allen bedanken, „die an mich glaubten, mich verteidigten und meine Familie unterstützen“. Viel mehr brachte sie nicht heraus. Das war im Herbst 2011. Nun bricht der „Engel mit den Eisaugen“, wie Knox von den Medien getauft wurde, sein langes Schweigen.

An diesem Dienstag kommt ihre Autobiografie „Waiting to Be Heard“ (dt. Titel „Zeit, gehört zu werden“, Droemer-Knaur-Verlag) unter anderem in Deutschland, Frankreich, Österreich und in ihrem Heimatland auf den Markt. Am selben Tag strahlt der US-Sender ABC ein Interview mit der 25-Jährigen aus.

Als Mordverdächtige in einem schlagzeilenträchtigen Justizdrama erregte Knox weltweit Aufsehen. Die hübsche Amerikanerin mit den blauen Augen studiert im Spätherbst 2007 im italienischen Perugia, als dort ihre britische Mitbewohnerin Meredith Kercher mit durchschnittener Kehle, halbnackt und von Messerstichen übersät tot aufgefunden wird. Die Rede ist von wilden Sexspielen. Knox und ihr damaliger Freund Raffaele Sollecito beteuern ihre Unschuld. 2009 werden sie in einem Indizienprozess zu über 25 Jahren Haft verurteilt. In einem abgetrennten Verfahren wurde der Ivorer Rudy Guede wegen Beihilfe zum Mord zu 16 Jahren Haft verurteilt.

2011 spricht das Gericht in Perugia Knox und Sollecito in einem Berufungsprozess aber wieder frei. Der Verteidigung gelang es, Lücken und Widersprüche der Ermittlungen aufzudecken, vor allem bei angeblichen DNA-Beweisen. Knox kehrt nach Hause zurück. In diesem März wurde der Freispruch jedoch gekippt, der Prozess soll nun neu aufgerollt werden.

Das sind die Fakten einer komplexen Story mit vielen Rätseln, die Knox jetzt aus ihrer Sicht beantworten will. Beim Sender ABC steht sie der Star-Moderatorin Diane Sawyer Antwort und Rede. Ein kurzer Ausschnitt vorab zeigt Knox im ärmellosen, eisblauen Kleid mit offenen Haaren, für die Kamera zurechtgemacht. Die Sendung am Dienstagabend dürfte Millionen Zuschauer vor den Bildschirm locken.

Auch ihr Buchverleger hofft auf reißenden Absatz. Der Washingtoner Star-Anwalt Bob Barnett, der schon den US-Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton zu literarischen Erfolgen verholfen hat, handelte für Knox einen Vertrag über einen Vorschuss von vier Millionen Dollar aus. Ihre Enthüllungen würden die Leser „bis ins Mark schockieren“, prophezeite Barnett kürzlich im Branchenblatt „Hollywood Reporter“. Die deutsche Ausgabe ist 542 Seiten stark.

Sie wolle „die Dinge richtigstellen“, schreibt Knox nach Angaben der „New York Times“ in ihrem Buch. Die Zeitung hatte schon vor der Veröffentlichung Zugriff auf eine Kopie von „Waiting to Be Heard“. In der Mordnacht habe sie mit ihrem Freund in dessen Wohnung Marihuana geraucht und einen Film geschaut, gibt Knox demnach als Alibi an. Nach stundenlangen Polizeiverhören, in denen sie auch geschlagen worden sei, habe sie widersprüchliche Aussagen gemacht, räumt Knox ein, beteuert aber ihre Unschuld. Sie sei naiv und verängstigt gewesen. Weiter schreibt sie über Selbstmordmordpläne hinter Gitter und wirft einem hochrangigen Gefängnisangestellten sexuelle Belästigung vor.

In der neuesten Ausgabe der US-Zeitschrift „People“ (26. April) offenbart Knox, dass sie immer noch von Ängsten und Verzweiflung eingeholt werde. Das würde ihr Herz zum Rasen bringen und sie lähmen, gibt die 25-Jährige an. Inzwischen studiert sie wieder und ist mit einem früheren Freund zusammen. Zu dem neuen Prozess will Knox nicht nach Italien reisen. Auch wenn der „Eisengel“ nun auspackt, ist es bestimmt nicht das letzte Wort in dem ungeklärten Mordfall.

dpa

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