Ende einer Girl-Group:

- Hamburg - Die No Angels, Deutschlands erfolgreichste Girlgroup, gehen getrennte Wege. "Ja, es ist vorbei, wir hören auf!", sagten die vier Bandmitglieder völlig überraschend der "Bild am Sonntag". Als Grund gaben die "Engel" an, sie hätten keine Kraft und Energie mehr. Alle seien nach einem Popstar-Leben auf der Überholspur gesundheitlich angeschlagen. Das Management sprach am Sonntag von einer "kreativen Pause" im Jahr 2004. Ob sie danach je wieder zusammenfinden, ist allerdings fraglich.

Sandy (22), Vanessa (23), Lucy (27) und Nadja (21) waren vor drei Jahren bei der ersten "Popstars"-Staffel gecastet worden. Wie kaum eine andere Girlgroup in Europa stürmten sie die Charts: Mit Songs wie "Daylight in Your Eyes" und "When Angels Sing" landeten sie Nummer-eins Hits in Folge. Insgesamt verkauften sie fünf Millionen Platten. Bei ausverkauften Tourneen wurden die "Engel" von ihren Fans frenetisch gefeiert. Nur die britische Girlgroup Spice Girls hatte in den 90er Jahren ähnlich durchschlagenden Erfolg. <P>"Die No Angels haben sich entschieden, im kommenden Jahr eine kreative Pause einzulegen", sagte Peter Lanz, Sprecher des Managements. "Wir werden noch in den kommenden Wochen einige Termine wahrnehmen, aber 2004 definitiv eine Pause einlegen", so die No Angels. Es sei aber kein Auseinandergehen im Streit, betonte Lanz. "Ein Zusammenfinden 2005 ist nicht angesagt, aber auch nicht ausgeschlossen." Fans standen am Sonntag unter Schock - ähnlich wie bei dem vor Monaten von Dieter Bohlen verkündeten Ende von Modern Talking.</P><P>Zuletzt standen die No Angels am Freitag bei der Aufzeichnung von "The Dome" in Stuttgart gemeinsam auf der Bühne. Auf die Frage, wie sie sich angesichts der ahnungslosen Fans vorgekommen seien, sagte Lucy: "Ich habe mich wie eine kleine Betrügerin gefühlt. Aber wir werden uns noch bei einem Extra-Konzert von unseren Fans verabschieden." Nach dem Auftritt herrschte laut Nadja Totenstille auf der Rückfahrt. "Natürlich sind auch Tränen geflossen."</P><P>Auf die "Bild"-Frage nach den Gründen äußerten sich die Band-Mitlieder ähnlich: "Bei mir ist es die Energie, die flöten gegangen ist", sagt Nadja. "Meine Nerven sind sehr dünn geworden, ich könnte bei jeder Kleinigkeit ausrasten." Lucy schildert, ihr sei die Kraft schon im Sommer verloren gegangen. "Geist und Körper haben gestreikt. Ich war sechs Wochen nur krank - Kehlkopfentzündung, Allergie, Grippe." Und sie habe sich verändert - "nicht unbedingt zum Positiven".</P><P>"Ich bin supermüde, kann mich nicht mehr auf die wesentlichen Dinge konzentrieren", berichtet Vanessa. Sie schlafe oft nur drei Stunden in der Nacht, das zehre an den Nerven. Das fünfte Bandmitglied Jessica ging bereits vergangenes Jahr eigene Wege, nachdem sie schwanger geworden war.</P><P>Machen die No Angels jetzt solo Karriere - ähnlich wie die Spice Girls? "Wir sind Künstler - wir können nicht zwölf Monate auf der Couch liegen", sagt Nadja. "Ich möchte mir einen Proberaum einrichten", verkündet Lucy. "Ich nehme Tanzunterricht - alles andere lass ich auf mich zukommen", ergänzt Vanessa. Auch Angst vor dem Alleinsein kommt auf. Das wird manchmal sehr schmerzhaft sein, ahnt Sandy.</P><P>Erst jüngst hatte Christoph Matschie (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsmisterium, beklagt, die TV-Castingshows brächten die Jugendlichen auf eine falsche Spur. "Sie entführen die Jüngeren in eine Scheinwelt, die ihnen zum einen ein Erfolgsmodell vorgaukelt, das nur bei einigen wenigen funktioniert. Zum zweiten beschäftigen sich die jungen Leute nicht mehr mit ihren eigenen Problemen."</P><P>Der ZDF-Moderator und Publizist Peter Hahne ist da anderer Ansicht: "Was die kleinen Popstars in den diversen Casting-Shows an Abstürzen, Ängsten und Sehnsüchten im Zeitraffer erfahren, ist die extrem beschleunigte Form eines ganzen Lebensentwurfs", schreibt der 50-Jährige in der "BamS". Dazu gehörten auch Scheitern und Neuanfang. "So gesehen sind diese Shows sogar ein Stück Lebensschule."</P>

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