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Entertainer und CSU-Sympathisant: mit Wahlkämpfer Franz Josef Strauß.

Bewegtes Leben

Entertainer wird 80 Jahre alt: Der wunderbare Herr Blanco

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Es ist, als sei er immer schon da gewesen. Der Schlagersänger Roberto Blanco, Botschafter unverwüstlicher Fröhlichkeit in der Bonner Bundesrepublik und Musterbild gelungener Integration, wird 80 Jahre alt.

München - Ganz oben war er nie und in die Feuilletons – wie sein verstorbener Kollege Udo Jürgens – hat er es auch kaum geschafft. Doch er war schon immer da, der Mann mit dem dunklen Teint, den farbenfrohen Sakkos, den schillernden Westen, dem gekonnten Hüftschwung und dem unverwüstlichen Ballermann-Charme. Am heutigen 7. Juni wollte Roberto Blanco seinen 80. Geburtstag auch standesgemäß feiern – mit einer Megaparty mit 400 Gästen im Westin Grand Hotel. Doch zur schönen Jahreszeit sind zu viele Promis im Urlaub, zur Wiesn-Zeit hat Blanco selbst viel zu tun – also hat er den 14. Oktober als Ausweichtermin bestimmt. Heute wird es der Jubilar gemütlicher angehen lassen, wie seine Ehefrau Luzandra Strassburg (39) verrät – auch das passt ja zum Wahl-Münchner Blanco: „Nach dem Frühstück bummeln wir über den Viktualienmarkt, gehen in den Biergarten.“

Immer gut gelaunt: Roberto Blanco begrüßt seine Fans am Rande der Handtaschen-Weitwurf-WM 2015 in Bottrop.

Wie kaum ein anderer Künstler gehört der Entertainer zum Inventar der Bonner Republik. Er war ein Aushängeschild gelungener Integration, schon lange, bevor man darüber zu diskutieren begann, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei oder sein sollte. Als ihn Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) unlängst als „wunderbaren Neger“ titulierte, nahm es Blanco sportlich und meinte versöhnlich, der Politiker hätte besser „Farbiger“ sagen sollen, dann hätte er sich viel Ärger erspart.

Blanco ist beides: Weltbürger, der mehrere Sprachen beherrscht, und bodenständiger Volkskünstler, der durch die Provinz tingelt und mit der CSU sympathisiert. So erinnert sich der ehemalige Finanzminister Theo Waigel an einen Benefizauftritt für Kinder – er als Nikolaus, Blanco als Krampus –, bei der der Entertainer seinen typischen Spruch gebracht habe: Wir Schwarzen müssen zusammenhalten. „Es hat uns viel Spaß gemacht“, sagt Waigel.

...  als Krampus mit Theo Waigel als Nikolaus.

Roberto Blanco kam am 7. Juni 1937 in Tunis zur Welt. Zusammen mit seinem Vater, einem kubanischen Folklore- und Varieté-Künstler, und seiner Stiefmutter – die leibliche Mutter war zwei Jahre nach seiner Geburt gestorben – kam er in der Welt herum, lernte Ägypten, Griechenland, Italien und die Türkei kennen. Ein Medizinstudium in Madrid brach er nach zwei Semestern ab.

Zu seiner eigentlichen Berufung als Sänger kam er erst in Deutschland, wo er sich 1957 beim ARD-Wettbewerb „Dem Nachwuchs eine Chance“ gegen eine Phalanx von Konkurrenten durchsetzte. Seither ist er aus Deutschlands Schlagerszene nicht mehr wegzudenken. Schon ein Jahr nach seinem Überraschungssieg war er Teil des Tour-Ensembles der berühmten Sängerin Josephine Baker und brachte seine erste von zahllosen Schallplatten heraus. Er trat im Fernsehen auf, war in Kinofilmen zu sehen, war Dauergast in der ZDF-„Hitparade“ und sang Schlagerklassiker wie „Ein bisschen Spaß muss sein“, „Heute so, morgen so“ oder die Schnulze „Der Puppenspieler von Mexiko“.

Roberto Blanco mit Tuba...

Blancos offensive Fröhlichkeit, mit der er, sicher ungewollt, das rassistische Klischee des ewig singenden und tanzenden Äquatorial-Bewohners bedient, überdeckte manche privaten Eskapaden. Als er sich 2012 von seiner langjährigen Frau Mireille trennte, kam es zu einem Rosenkrieg, in dessen Verlauf ihm sogar die Verhaftung drohte. Mit seinen Töchtern aus erster Ehe hat Blanco keinen Kontakt mehr, mit Ex-Frau Mireille sowieso nicht, dafür mit seinem unehelichen Sohn Robin, jetzt 17 Jahre alt. 2013 heiratete der dreifache Vater die deutlich jüngere Luzandra, eine gebürtige Kubanerin.

Zu seinem Geburtstag macht Blanco seinen Fans ein Geschenk mit standesgemäßem Namen: „Eina geht no rein“, heißt der neue Song, den er heute im Internet veröffentlicht. Eine „rassige Power-Walzer-Nummer“, sagt Produzent Al Walser, der mit Blanco in Kalifornien an einem Comeback-Album bastelt.

Gerne hätte man den Künstler gefragt, was er vom Aufstieg populistischer Bewegungen hält, von der AfD und der von der CSU propagierten Einwanderungs-„Obergrenze“. Interviewanfragen blieben jedoch unbeantwortet. Wenn sich Blanco bisher zu politischen Fragen äußerte oder zu der Rolle als „Vorzeigeschwarzer“, die ihm immer wieder angetragen wurde, blieb er meist seinem Spaß-Motto treu. Als Kommentar zu Herrmanns „Neger“-Fauxpas präsentierte er sich in Jan Böhmermanns Satire-Sendung „Neo Magazin Royal“ neben einem Berg von Schokoküssen. Sein Nachname Blanco (spanisch für „weiß“) ist freilich keine ironische Anspielung auf seine Hautfarbe. Roberto Blancos leibliche Mutter, eine kubanische Tänzerin und Sängerin, hieß ganz einfach: Mercedes Blanco.

Von Georg Etscheit und Maria Zsolnay

Lesen Sie auch das große Interview vom April, das wir mit Roberto Blanco geführt haben.

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