Erfolg für Grönemeyer in der Royal Albert Hall

London - Bob Dylan hat hier ein legendäres Konzert gegeben. Paul McCartney ist in der Royal Albert Hall bejubelt worden, genau wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Led Zepplin und Pink Floyd. In der Nacht zum Freitag hat endlich auch ein deutscher Rockstar den britischen Musiktempel erobert und die Leute zum Toben gebracht: Herbert Grönemeyer.

 "Danke, danke, herzlichen Dank für diesen unvergesslichen Abend", rief der 51-Jährige nach fünf langen Zugaben. Der deutsche Superstar aus dem Ruhrpott war sichtlich gerührt von der enormen Resonanz auf seine erste Live-Show in Großbritannien, das seit neun Jahren seine zweite Heimat ist.

Am Anfang war dem Stargast Lampenfieber anzumerken. Er begrüßte sein Publikum auf Englisch, schien sich aber nicht sicher zu sein, wie viele da unten im Saal schon mal einen seiner Songs gehört haben. Doch der sofort tosende Beifall, die kenntnisreichen Zurufe mit Songwünschen und nicht zuletzt die Fanschals des VfL Bochum und des Ruhrstadions machten rasch klar: Londons Musiktempel - errichtet zu Ehren des deutschen Ehemanns von Queen Victoria, Albert von Sachsen- Coburg und Gotha - war fest in deutscher Hand.

Kaum jemand unter den fast 5000 Gästen, die sich Karten zwischen umgerechnet 30 und 100 Euro geleistet hatten, war Brite. Grönemeyer, der seit Jahren in London in einem eigenen Studio produziert und immer wieder Textpassagen auf Englisch sang, mag dies als Wermutstropfen empfunden haben.

Anmerken ließ er sich davon aber nichts. Munter moderierte der immer lockerer werdende Star seine Show vor allem in der Sprache seiner Wahlheimat - und erzählte den vornehmlich deutschen Fans unter anderem, dass "we Germans" grüblerische Leute seien, die es lieben würden, sich über alles Sorgen zu machen und ihre Sorgen tiefgründig zu analysieren.

Davon war freilich angesichts der herrlich-ausgelassenen Stimmung in der Royal Albert Hall überhaupt nichts zu spüren. "Vor zwei Wochen waren wir in der Semper-Oper in Dresden, aber dies hier ist noch zwei Stufen besser", freute sich der deutsche Londoner.

Wie sehr Grönemeyers Fans - unter ihnen wurde auch der Wahl- Londoner Profi-Kicker Michael Ballack gesichtet - seine Klassiker lieben und wohl auch, wie bodenständig so mancher von ihnen ist, wurde spätestens klar, als er den Song seiner "Hometown" anstimmte: "Bochum, ich komme aus dir, Bochum, ich häng an dir...", sang er über die Stadt mit dem "Pulsschlag aus Stahl". Da trocknete so mancher eine Träne der Rührung am Fanschal.

Es war eben doch ein Heimspiel für den fließend englisch parlierenden Mann mit der Mitgliedsnummer 4630 beim VfL Bochum, auch wenn es auf britischem Boden ausgetragen wurde. Doch ohne Zweifel zeigte Grönemeyer dabei mit Oldies wie "Flugzeuge im Bauch" und auch mit neuen Songs wie "Stück vom Himmel" echte internationale Klasse.

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