+
Dieses Mal ohne Akkordeon und Kontrabass: Yvonne Grünwald, Elzbieta „Ela“ Steinmetz und Natalie Plöger (v. l.) treten als Elaiza für Deutschland beim Eurovision Song Contest an.

ESC-Hoffnung

Elaiza: "Hauptsache, wir werden nicht Letzte"

München - Am 10. Mai tritt das Frauentrio "Elaiza" für Deutschland beim Eurovision Song Contest an. Im Interview sprechen die drei Damen über Neo-Folk, Unheilig und fiese Kommentare.

Sie tauchten aus dem Nichts auf wie vor vier Jahren Lena Meyer-Landrut, nur dass es bei Elaiza noch schneller ging, bis sie das Ticket für den Eurovision Song Contest (ESC) in der Tasche hatten. Mit „Is It Right“ schnappten sich Elzbieta „Ela“ Steinmetz (21, Gesang), Yvonne Grünwald (29, Akkordeon) und Natalie Plöger (28, Kontrabass) zunächst bei einem Clubkonzert in Hamburg die Wildcard für den deutschen Vorentscheid am 13. März in Köln. Dort setzten sie sich in der Publikumsgunst am Ende gegen den Favoriten Unheilig durch. Am 10. Mai kämpft das Frauentrio, das sich erst vor gut einem Jahr formierte, beim ESC-Finale in Kopenhagen vor vielen Millionen Zuschauern um den Sieg.

Hand aufs Herz – schon mit dem Gewinn der Wildcard für den Vorentscheid hatten Sie nicht wirklich gerechnet, oder?

Steinmetz: Nee, das war voll die Überraschung. Die anderen Künstler beim Clubkonzert hatten ebenfalls Supersongs und konnten auch gut singen. Dass wir das gewonnen haben – voll krass! Im Grunde war der Vorentscheid schon die Zugabe.

Warum fiel Ihre Wahl gerade auf „Is It Right?“

Grünwald: Wir haben Verschiedenes ausprobiert, und das war der erste Titel, der zwischen uns richtig gut funktioniert hat. Deswegen haben wir uns für ihn entschieden.

Er wurde also nicht speziell mit Blick auf den Song Contest geschrieben?

Plöger: Nein, „Is It Right“ ist ja auch nicht erst gestern entstanden.
Grünwald: Die Idee dazu hatte Ela, das ist schon ein Weilchen her, ne?
Steinmetz: Ja, so zwei, drei Jahre. Ich habe ja schon mit 16 angefangen als Sängerin und Songschreiberin und durfte im Studio ein paar Sachen von mir aufnehmen. Dabei habe ich auch Yvonne kennengelernt.
Grünwald: Wir haben Elas Ideen zu zweit live umgesetzt, aber schnell gemerkt, dass wir unbedingt noch einen Kontrabass brauchen für noch mehr Rhythmus. Und über einen gemeinsamen Freund habe ich dann bei einer Schnapsverkostung Natalie kennengelernt.
Plöger: Ich war da nicht mal selbst dabei, nur auf einem Foto zu sehen...
Grünwald: ...mit einer Telefonnummer, die ich dann angerufen habe.
Steinmetz: Das beantwortet die Frage. Ich habe viele Songs schon vorher geschrieben, aber „Is It Right“ ist erst lebendig geworden, als wir uns Anfang vergangenen Jahres gegründet haben.

Manche Fachleute bezeichnen Ihren Stil als Neo-Folk – wie würden Sie selbst ihn beschreiben?

Steinmetz: Neo-Folk trifft auf viele Songs zu, aber wenn man sich unser Album mal anhört, wird man feststellen, dass das schon noch mehr ist als Neo-Folk. Wir kommen ja auch aus ganz verschiedenen Ecken, musikalisch. Yvonne und Natalie haben klassische Musik studiert, Yvonne hat aber auch Chansons gemacht, und Natalie Jazz, meine Mama kommt von der Oper her, mein leiblicher Vater von der Rockmusik, und dann spielt natürlich noch meine Herkunft eine Rolle. Ich bin in der orthodoxen Kirche groß geworden mit ihrem melancholischen Chorgesang, kenne aber auch die Stimmung auf Hochzeiten, bei denen drei Tage lang auf den Tischen getanzt wird.
Grünwald: Deswegen haben wir das Album auch „Gallery“ genannt, weil die Stücke darauf wie Bilder sind – jedes bringt eine andere Emotion rüber.

Inwieweit sind Ihre Songs Teamwork?

Alle: Alles ist Teamwork!
Plöger: Aber Ela liefert die Ideen, deswegen haben wir die Band ja auch Elaiza genannt. Sie schreibt die Texte, die Melodien und die Grundharmonien – und wir machen dann gemeinsam den Song komplett.
Grünwald: Jede hat Ideen für die Arrangements, dann hört man sich das an und entscheidet, ob es passt oder nicht.
Plöger: Das ist immer ein längerer Prozess.

Was haben Ihnen die Musiker von Unheilig nach dem gewonnenen Vorentscheid mit auf den Weg gegeben?

Steinmetz: Dass wir so bleiben sollen, wie wir sind. Der Graf war von Anfang an sehr nett zu uns, er hat uns sehr motiviert. Ein Feedback von so einem Star zu kriegen, war voll schön.

Sie sind schon als Kinder Fans des ESC gewesen?

Steinmetz: Ja, ich habe das mit meinen Eltern immer angeschaut, seit ich so ungefähr zehn Jahre alt war. Wenn man seine Wurzeln in drei Ländern hat, ist das ultrainteressant, wer da jeweils für welches Land antritt. Als Ruslana für die Ukraine gewonnen hat, war ich total stolz – und als Lena für Deutschland gewonnen hat, natürlich auch.
Plöger: Ich habe den ESC nicht so intensiv gesehen wie Ela, das muss ich zugeben, aber ich hab’s schon auch verfolgt. Ich fand aber den Gedanken immer total schön, dass da Interpreten aus so vielen Länder zusammenkommen und man als Zuschauer mitkriegt, was in anderen Ländern läuft musikalisch. Man weiß ja, was in den USA und in Großbritannien angesagt ist, aber was man in Griechenland oder in Schweden hört, kriegt man in der Regel nicht mit.

Ihr Lieblingssiegersong in der Geschichte des ESC?

Steinmetz: Das ist bei mir wie schon gesagt Ruslana mit „Wild Dances“.
Grünwald: Für mich „Fly On The Wings Of Love“ von den Olsen Brothers. (Singt spontan die ersten Takte.)
Plöger: Ich fand und finde „Waterloo“ gut von Abba. Ich bin sowieso ein Abba-Fan.

Die Eurovision-Song-Contest-Gewinner der vergangenen Jahre

Die Eurovision-Song-Contest-Gewinner seit 2002

Ihre Teilnahme findet nicht nur Lob in den sozialen Netzwerken oder in den Kommentaren bei Youtube. Viele meinen zwar, das sei der optimale Song, andere aber schreiben...

Plöger: ...dass das Lied voll der Scheiß ist. Ja, ja!
Grünwald: Ein Freund von mir hat letztens, noch vor dem Vorentscheid gesagt: „Auf diese Kommentare musst Du gar nichts geben, allein schon, dass Ihr gegen Unheilig antretet, bringt deren Fans gegen Euch auf.“
Steinmetz: Als Künstler wird man immer bewertet, die Geschmäcker sind eben verschieden, gerade bei der Musik. Der eine findet das gut, der andere das, das ist okay. Wie öde wäre die Musikszene, wenn alle das Gleiche gut fänden.
Plöger: Klar sind die Kommentare manchmal sehr unsachlich, aber damit muss man leben. Jeder darf seine Meinung frei äußern.

Das macht Ihnen also nichts aus?

Grünwald: Nein. Ich ärgere mich nur, wenn Leute behaupten, es hätte schon vorher festgestanden, dass wir den Vorentscheid gewinnen. Da frage ich mich echt, wie man auf so etwas kommt.

Ihre persönliche Prognose für das Finale?

Steinmetz: Dazu sagen wir nichts. Wir wissen nicht, was kommt, wir wissen nur, dass wir richtig Bock drauf haben. Es ist so cool, dass wir in Kopenhagen sein und für Deutschland antreten dürfen, weil die Zuschauer für uns angerufen haben. Ein krasseres Feedback gibt es nicht.
Plöger: Hauptsache, wir sind dabei...
Grünwald: ...und werden nicht Letzte

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kerstin Ott nach Hochzeit mit ihrer Karolina: Eine Sache ist noch ungewiss
In einem Interview hat Sängerin Kerstin Ott Details über ihre Hochzeit mit ihrer Freundin Karolina Köppen verraten. „Ein rauschendes Fest“, doch etwas fehlte.
Kerstin Ott nach Hochzeit mit ihrer Karolina: Eine Sache ist noch ungewiss
Prinzessin Alexia radelt zum Gymnasium
In den Niederlanden ist Radfahren schon lange hip. Dies gilt auch fürs Königshaus.
Prinzessin Alexia radelt zum Gymnasium
Big Ben wird saniert - Wie lange wird das Geläut verstummen?
Für die einen ist es der Herzschlag der Demokratie, für die anderen nur Glockengebimmel: Der Big Ben soll vier Jahre lang nicht schlagen. Das beschäftigt die höchsten …
Big Ben wird saniert - Wie lange wird das Geläut verstummen?
Rapper Kollegah soll satte Geldstrafe wegen Fan-Attacke zahlen
Wegen einer Attacke auf einen Fan während eines Konzerts in Leipzig soll Rapper Kollegah eine satte Geldstrafe in Höhe von 18.000 Euro zahlen.
Rapper Kollegah soll satte Geldstrafe wegen Fan-Attacke zahlen

Kommentare